Wussten Sie schon, warum man in einer Olympiade keine Medaillen gewinnen kann?

Kann man wirklich nicht, auch wenn viele Leute so reden, als ob das möglich wäre. Die Erklärung ist aber ziemlich einfach und eigentlich auch einleuchtend, denn eine Olympiade ist nichts anderes als eine Zeiteinheit wie Woche, Monat oder Jahr, in diesem Fall vier Jahre.

In Olympia, einem Ort in Griechenland, genauer auf der Peloponnes,  versammelten sich in einem weithin bedeutsamen Heiligtum des Göttervaters Zeus alle vier Jahre griechische Jünglinge, die nichts anderes im Kopf hatten, als in einem der damals noch wenig zahlreichen Wettbewerbe zu siegen. Das lohnte sich in den meisten Fällen, denn wer bei den Spielen in Olympia gesiegt hatte, der hatte für den Ruhm seiner Heimatstadt so viel getan, dass er zu Hause meist ausgesorgt hatte.

Da eine Olympiade nichts anderes ist als dieser Zeitraum von vier Jahren zwischen den Spielen in Olympia, wird folglich bei der Eröffnung von Olympischen Spielen heutzutage von dem Staatsoberhaupt des austragenden Landes verkündet, dass man die Spiele der  soundsovielten Olympiade eröffne. Und bei diesen Olympischen Spielen gibt es dann Medaillen oder auch nicht. Alles klar? Wenn nicht, sollte man bei den Herrschaften nachfragen, die Spiele einer Olympiade, also olympische Spiele eröffnet haben. Die werden dann nochmal erklären, was es mit der Olympiade auf sich hat.

Da wir gerade schon beim sprachlichen Aufräumen sind, kann gleich noch eine sprachliche Unreinlichkeit beseitigt werden: der  inflationäre Gebrauch des Wortes Olympionike. Den gibt es nach Meinung vieler Leute  in großen Mengen, zuletzt in Rio rund 12.000. Geht gar und überhaupt nicht. Ein Olympionike (eine moderne Wortbildung aus Olympia und dem griechischen Wort Nike = Sieg), ist  jemand, der bei den Olympischen Spielen gesiegt hat, und das geht pro Sportart nur einmal, weil, wie die Erfahrung lehrt, der Sieger als erster durchs Ziel geht, und danach gibt es Zweit-,  Dritt- und sonstige Platzierte aber keine Olympioniken.

Und als Nachtrag: Medaillen gab es im antiken Olympia auch nicht. Die wurden erst mit den modernen olympische Spielen eingeführt. Und noch etwas: Die Olympischen Spiele der alten Griechen waren eine Männerangelegenheit, zu der Frauen keinen Zugang hatten.

Auch wenn wir jetzt die Möbel zurecht gerückt haben: Die Olympischen  Spiele der Neuzeit sind immer noch eine feine Sache.

(UM, 09. 08. 2017)



Wussten Sie schon, dass die ersten Geschwindigkeitssünder im Médoc schon lange vor der Erfindung der Radar-Geräte zur Kasse gebeten wurden?

Auch wenn man es nicht glauben mag, passierte das schon in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts, und zwar in Vendays. Dieses einst friedlich-verschlafene Dörfchen war durch die Gründung des Badeortes Montalivet um seine Beschaulichkeit gebracht worden. Schuld daran waren pferdebespannte Kutschen, die mit eisenbereiften Rädern auf dem Pflaster der Dorfstraße einen Höllenlärm verursachten, wenn sie, so schnell es ging, Reisende vom Bahnhof Queyrac, der nächstgelegenen Bahnstation nach Montalivet schafften, wo noch heute eine kleine Straße Rue de la Gare heißt, obwohl es dort nie einen Bahnhof gab. Die kracherzeugenden Kutschen störten also die Bürger von Vendays, wobei der rasante Aufschwung von Montalivet dafür sorgte, dass sich die Vendaysiens immer mehr gestört fühlten. So erließen sie eine Vorschrift, die Kutschen, die durch Vendays fuhren, zwingen sollte, das im Schritt zu tun. Und das wurde längst nicht so beachtet, wie die Gemeindeväter das haben wollten. Aber man hatte ja die besagte Vorschrift und auch einen Gendarmen, der mit der Vorschrift unter dem Arm zu schnell fahrende Kutschen stoppte und abkassierte.

Und nun weiß man, wie die Geschwindigkeitsbegrenzungen in das Médoc gekommen sind. 

                                                                                   (UM, 30. 07. 2017)

 

Wusssten Sie schon, wie die Kartoffelkäfer in das Médoc gelangt und von da aus zur Eroberung Europas gestartet sind?

Nein? Macht nichts, dann geht es Ihnen wie fast allen Europäern. Gut für uns, denn dann können wir wieder mal aufklären. Der Kartoffelkäfer ist von Hause aus eigentlich Mexikaner und gar nicht auf die Vernichtung von Kartoffelpflanzen spezialisiert. Das hat er sich im Laufe des 19. Jahrhunderts erst in den USA angewöhnt, als dort begonnen wurde, in großem Stile Kartoffeln anzubauen. Nach der Mitte des 19. Jahrhunderts tauchte er erstmals punktuell in Europa auf, z.B. in Bremen, wo er aber schnell wieder ausgerottet werden konnte, weil sein Vorkommen in einem sehr frühen Stadium bemerkt wurde. Erst 1922 war dies nicht mehr möglich und das ausgerechnet im Médoc. Als man ihn dort im Gebiet um  Le Taillan entdeckte, hatten er und seine Artgenossen sich schon über mehr als 250 km² ausgebreitet und damit eine Fläche besiedelt, die zu groß war, um den Eindringling wieder zu vertreiben. Sehr wahrscheinlich sind die ersten Kartoffelkäfer in den letzten beiden Jahren des Ersten Weltkriegs zusammen mit Kartoffellieferungen, die aus Zweckmäßigkeits- und Sicherheitsgründen in Häfen der Girondemündung  transportiert worden waren, nach Frankreich gelangt, von wo aus sie ihre Ausbreitung über große Teile Europas begonnen haben. 1935 kam er an der Westgrenze Deutschlands an, und um 1950 überschritt er die Elbe. Als er im Gebiet der späteren DDR angekommen war, wurde er als besonders perfides Instrument des US-Imperialismus gebrandmarkt, der auch auf diesem Wege versuchte, den Aufbau des friedliebenden Sozialismus, der damals freilich noch Stalins Züge trug, zu unterminieren. Es gab Flugblätter mit Zeichnungen von US-Flugzeugen beim Abwerfen der gefräßigen Colorado-Käfer, was natürlich Unfug war wie so vieles in der Propaganda, denn der Kartoffelkäfer war ja schon 1922, und das ganz ohne Luftunterstützung, zur Eroberung Europas gestartet. Im Médoc nämlich.

                                                                                    (UM, 22. Mai 2017)  

Mehr: http://fr.wikipedia.org/wiki/Doryphore




Wussten Sie schon warum das deutsche Segelschulschiff Gorch Fock am 6. Mai 1967 in Bordeaux war?

Ohne groß nachzuforschen, kann man es als Beweis für die im Jahre 1967, also 22 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs schon weit gediehene deutsch-französische Aussöhnung nehmen, doch erklärt das nicht, warum der deutsche Großsegler gerade am 6. Mai unter vollen Segeln in den Port de la lune eingelaufen ist. Dieser Anlass war die Einweihung des Pont d’Aquitaine, der zweiten Brücke über die Garonne im Bereich der Stadt Bordeaux. Diese auch heute noch beeindruckende Brücke war damals als ingenieurtechnische Meisterleistung nach sieben Jahren Bauzeit fertiggestellt worden. Die Hängebrücke überspannt 394 m bei einer Gesamtlänge von 1767 m. Sie ist Teil der Umgehungsautobahn um Bordeaux herum und sie hat, was überraschen mag, auf beiden Seiden Rad- und Fußwege, die Interessierten Blicke auf Bordeaux ermöglichen, die sonst nicht möglich sind.

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(UM, 07. 05. 2017)



Wussten Sie schon, was die schön blühenden Kamelien mit Kamelen zu tun haben ?

Also, um es kurz zu machen: eigentlich nichts. Aber so ganz richtig ist diese Antwort auch nicht, und das liegt an Herrn Linné. Dieser Carl von Linné, Schwede und ausgewiesener Naturforscher, hat im 18. Jahrhundert dafür gesorgt, dass alles, was in der Natur blüht und sprießt oder kreucht und fleucht, säuberlich geordnet einen eindeutigen Namen bekam, lateinisch natürlich. Und als besagter Experte das von ihm camellia japonica genannte Gewächs bearbeitete, stützte er sich auf ein reichhaltig bebildertes botanisches Werk eines mährischen Jesuitenpaters und Apothekers mit Namen Georg Joseph Kamel, der auf den Philippinen gearbeitet hatte und dort 1706 verstarb. In diesem Werk des Paters Kamel war die Kamelie dargestellt und beschrieben, und schon hatte sie ihren Namen und der Pater Kamel ein Denkmal, das die Erinnerung an ihn in einer Weise erhält, die es ohne Linnés Hilfe wohl nicht gegeben hätte.

(UM, 30. 03. 2017)


Wussten Sie schon, wieviele Sandwiches pro Jahr in Frankreich verspeist werden?

Auch wer gut im Schätzen ist, wird nicht darauf kommen: es sind rund 2,35 Milliarden. Beeindruckend. Davon sind 51% Sandwich jambon beurre, deren Anteil gegenüber den anderen Varianten jedoch leicht rückläufig ist. Wer will, kann für ein Sandwich richtig viel Geld ausgeben, denn der Spitzenpreis, in Paris ermittelt, liegt bei 7,90 Euro. Das ist aber ein Ausreißer nach oben. Der durchschnittliche Sandwichpreis liegt  zwischen 2,30 Euro (in Supermärkten)  und  3,34 Euro (in Bars, Brasserien und Cafés). Und dabei muss man sich um die Zukunft des Sandwich in Frankreich bestimmt keine Sorgen machen.

(Le jambon-beurre est en baisse mais reste en tête, in: SUDOUEST, 03. 03. 2017)

 


Wussten Sie schon, dass Kaiserin Sissi, die eigentlich Elisabeth hieß, einst einen Kurzaufenthalt in Arcachon gemacht hat?

Nun gut, irgendwo müssen sich auch Majestäten aufhalten, solange sie auf dieser Erde wandeln, aber warum es die hohe Dame nach Arcachon gezogen hat, weiß man nicht so recht. Sie kam dort am 29. August 1890 an und blieb bis zum 4. September. Sie reiste incognito als Madame de Tolna und war darauf bedacht, kein Aufsehen zu erregen. Was allerdings so gut wie aussichtslos war, denn Ihre Majestät reiste mit reichlich Gefolge an und belegte in einem der renommiertesten Hotels der Stadt eine große und geräumige Etage. Die Kaiserin, die viele wohl nur in der pudergezuckerten Filmversion mit Romy Schneider kennen, hatte, als sie nach Arcachon kam, einige schwere Schicksalsschläge hinnehmen müssen, zu denen unter andrem der Selbstmord ihres einzigen Sohnes Rudolf gehörte. Und zu der Strahlefrau, zu der sie Dank Romy Schneider gemacht wurde, fehlte ihr außerdem so einiges, aber das ist eine andere Geschichte.

                                                                    (UM, 24. 01. 2017)

 

 



Wussten Sie schon, dass es bereits lange vor dem Euro eine Währungsunion in Europa gab?

Einerlei, ob man es weiß der nicht, das Prinzip, nach dem diese Währungsunion, in der Italien, Frankreich, Belgien und die Schweiz vertreten waren, funktionierte, wäre heutzutage nicht mehr praktikabel. Die besagte Währungsunion, die im Dezember 1865 beschlossen und besiegelt wurde, legte fest, dass in den vier zunächst beteiligten Ländern das Gold-Gewicht der jeweiligen Referenzmünzen gleich war. Das bedeutete, dass in den vier Ländern Münzen, die nach diesem Goldstandard geprägt worden waren, als Zahlungsmittel nebeneinander bestanden und gleichwertig waren, auch  wenn sie als italienische Lira oder als schweizer, französischer oder belgischer Franc geprägt worden waren. In der Praxis bedeutete das, dass man in Rom, Paris, Genf oder Brüssel mit Münzen zahlen konnte, die nach dieser Konvention geprägt worden waren. Papiergeld, das bekanntlich keine Absicherung über seinen Materialwert hat, war in dieses Zahlungssystem nicht einbezogen. Da die Idee, die dieser bald als Union latine bezeichneten Währungsunion überzeugende Vorteil bot, traten ihr bald mehr als zwanzig Länder bei, allerdings hielten sich wirtschaftliche Schwergewichte wie Großbritannien und das Deutsche Reich abseits. Ihr Ende fand die Union latine in den Verwerfungen des Ersten Weltkrieges und mit der Aufgabe des Goldstandards. Formal wurde sie 1927 aufgelöst.

(UM, 04. 01. 2017)

 


Wussten Sie schon, wie NORAD an den Weihnachtsmann gekommen ist?

Was NORAD (North American Aerospace Defense Command) mit dem Weihnachtsmann zu tun hat, haben wir in den Médoc-Notizen unter der Überschrift "Wo steckt der Weihnachstmann gerade?" mit Datum vom 25. Dez. 2016 berichtet. Dabei kam allerdings nicht zur Sprache, wie NORAD dazu gekommen ist, sich um den Weihnachtsmann zu kümmern, denn eigentlich hat NOARD die wirklich seriöse Aufgabe, die Sicherheit des Luftraums über Nordamerika zu überwachen. Das war auch 1955 so, als die Kaufhauskette Sears eine Annonce schaltete, in der die Kunden aufgefordert wurden, direkt per Telefon mit dem Kaufhausunternehmen in Kontakt zu treten, wenn sie Fragen hätten. Dazu war eine Telefonnummer angegeben, die es jedoch in sich hatte, denn die führte nicht zur Telefonzentrale von Sears, sondern zu NORAD. Und dort ging auch prompt ein Anruf eines Jungen ein, der den Mann am anderen Ende der Leitung fragte, ob er der Weihnachtsmann sei. Wenn er nein gesagt hätte, wäre vielleicht alles anders gekommen, aber der Offizier, bei dem Anruf des Jungen ankam, reagierte blitzschnell und ließ den Jungen im Glauben, er habe wirklich den Weihnachtsmann am Telefon. Nach dem Gespräch gab der Offizier Weisung, bei den nächsten Anrufen, die auch tatsächlich in Mengen kamen, genauso zu verfahren wie er. Und  so ist bei NORAD die Abteilung Weihnachtsmann entstanden und beibehalten worden, die mit der Entwicklung der Computertechnik immer ansprechendere Möglichkeiten fand, Einblicke zu geben in das, was der Weihnachtsmann in der Zeit des Jahres tut, die ihm eine besondere Bedeutung verleiht.

(Vgl. dazu: Insolite : suivez la tournée du Père Noël en temps réel, in: SUDOUEST, 24. 12. 2016, 19.55h, InternetAusg.)



Wussten Sie schon, dass die Länge der Tage auf unserer Erde sich ändert?

Na ja, so richtig deutlich merkt das niemand, denn die Veränderung der Tageslänge (nicht der Dauer des Tageslichts, das ist etwas anderes), geschieht schleichend und langsam, sehr langsam. Schuld daran ist der Mond, der durch seine Einwirkung über die Gezeiten die Rotation der Erde langsam, sehr langsam abbremst. Zur Zeit nimmt die Tageslänge um rund 23 Mikrosekunden jährlich zu. Irgendwann wird dann der Erdentag 25 Stunden lang sein oder später gar 26 Stunden. Bis das soweit ist, werden aber ein paar Millionen Jahre vergangen sein, und dann ist längst nicht sicher, dass es noch jemanden gibt, der bestätigen kann, dass das, was die Astronomen zu unserer Zeit ausgerechnet haben, korrekt und zutreffend ist.

                                                                               (UM, 26. 11. 2016)

 


Wussten Sie schon, seit wann es einen Öffentlichen Personen-Nahverkehr in Bordeaux gibt?

Um es kurz zu sagen, schon so lange, dass niemand mehr lebt, der seine Eröffnung gesehen hat. Und das war im Jahr 1830, als ein Netz von pferdebespannten speziellen Kutschen, die man Omnibus nannte, weil sei allen zugänglich waren, in Betrieb genommen wurde. Diese Omnibusse verkehrten nach festen Fahrplänen und waren damit für ein halbes Jahrhundert ein überaus verlässliches und beliebtes, wenn auch eher gemächliches und wenig komfortables  Nahverkehrsmittel. 1880 wurde die erste Linie einer schienengebundene Straßenbahn eröffnet, die ebenfalls von Pferden gezogen wurde. Schon bald zogen über 750 Pferde jeden Tag 71 dieser Wagen, und dies mit einer mittleren Geschwindigkeit von 8,57 km/h. Zum Ärger der um Bordeaux liegenden Gemeinden endete das Netz der pferdebespannten Tram an den Stadtgrenzen von Bordeaux. So entstand in den Vororten schon 1890 das vierte elektrisch betriebene Straßenbahnnetz in Frankreich, das zum Ausgangspunkt des späteren Straßenbahnnetzes von Bordeaux und Umgebung wurde und bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg betrieben wurde.

                                                                            (UM, 15. 11. 2016)


Wussten Sie schon, dass es in Bordeaux zwei Rocaden (Umgehungsstraßen) gibt?

Damit man diese beiden unterscheiden kann, hat man die eine Rocade intérieure genannt, die andere Rocade extérieure. Beide Rocaden, die als A 630 bzw. N 230 auf den Straßenkarten geführt werden, liegen direkt nebeneinander. Als Rocade intérieure werden die Fahrbahnen bezeichnet, die zur Stadtmitte hin liegen, und die Rocade extérieure wird dann von den außenliegenden Spuren gebildet. Auf der Rocade intérieure fährt man also im Uhrzeigersinn um Bordeaux herum, auf der Rocade extérieure gegen den Uhrzeiger. Meist spricht man nur allgemein von der Rocade, wobei den meisten Nutzern die Unterscheidung zwischen innerer und äußerer Rocade wenig wichtig ist, wenn sie ihre Zielrichtung kennen. Manchmal ist es aber doch gut zu wissen, welches die innere und welches die äußere Rocade ist, denn bei Sperrungen wird die Unterscheidung meist gemacht, um sagen zu können,  welche Richtung betroffen ist. Mit dem Bau der  Rocade wurde übrigens 1972 begonnen, und 1983 wurde sie fertiggestellt. Sie ist mit 45 km  die längste Umgehungsstraße in Frankreich und sie gehört wegen des in Spitzenzeiten sehr großen Verkehrsaufkommens auch zu den Straßen mit der größten Stauwahrscheinlichkeit.

                                                                           (UM, 02. 11. 2016)

 


Wussten Sie schon, woran man bei den Fähren, die zwischen Le Verdon und Royan verkehren, erkennen kann, was vorn und hinten ist?

Wir zeigen erst ein paar Bilder.


Die Fähre La Gironde


Ihr Schwesterschiff L'Estuaire

Wussten Sie schon, woran man bei den Fähren, die zwischen Le Verdon und Royan verkehren, erkennen kann, was vorn und hinten ist?

Richtig, gefragt werden müsste, woran man erkennen kann, was Bug und Heck dieser eigenwillig gestalteten Fahrzeuge ist. Auch richtig, dass man antworten kann, das sei eine Frage frei von jeglicher Erheblichkeit, das Wichtigste sei doch, dass die Fähren das täten, wofür sie angeschafft worden sind. Aber es gibt schließlich noch diejenigen, die den Dingen auf den Grund gehen wollen, und an die haben wir hier vor allem gedacht. Wenn man aufmerksam und vorteilsfrei diese Fähren betrachtet, die im Französischen mit dem wenig gebräuchlichen Wort amphidrome bezeichnet werden, was ausdrückt, dass sie aus zwei nahezu gleichen Teilen zusammengefügt wurden und sich gleich behende vorwärts und rückwärts bewegen können, dann kommt man schon ins Grübeln. Wenn man jedoch weiß, dass es in der Seefahrt gewisse Gebräuche gibt, die überall eingehalten werden, weil sie international zweckmäßig sind, dann ist man schon ein Stückchen weiter. Dazu gehört z.B., dass Schiffe einen Namen haben. Und damit man schon von weitem sehen kann, woher sie kommen,  schreibt man außer bei Kriegschiffen den Namen des Heimathafens am Heck an. Gerade diese Angabe hat sich als mächtig zweckmäßig erweisen, wenn z. B. ein Schiff irgendwo gefunden wird, dann weiß man gleich, an welches Fundbüro man den Findling schicken muss. So, und wer jetzt noch einmal auf die Fotos der Fähren, um die es hier geht schaut, der ist fein raus, denn er entdeckt mit etwas Optimismus, dass auf beiden Fotos an einem Ende des Schiffs der Name Bordeaux unter dem Namen der Fähre auftaucht. Und dann weiß er nicht nur, wo er unter Umständen das Schiff abliefern kann, sondern er ist sich auch sicher, wo das Heck ist.

Da bei den  beiden Bilder oben die eigentlich bildwichtigen Teile recht klein sind, geben wir zwei Ausschnittsvergrößerungen dazu:



Das Heck der L'Estuaire


Der Bug der L'Estuaire.
Alles klar? 
Auf beiden Fotos, die die Fähren vollständig zeigen, ist der Bug übrigens rechts im Bild.  
(UM, 17. 10. 2016)
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Wussten Sie schon was L’Amélie und Hollywood miteinander zu tun haben?

Nun, wenn Sie an die schönheitschirurgisch und auch ansonsten aufgebrezelte Glanz- und Glimmerwelt des Films denken, dann ist das Thema schnell durch. Damit hat L’Amélie, der am südlichen Stadtrand gelegene Ortsteil von Soulac eigentlich nichts zu tun. Und doch hat Hollywood bis heute sichtbare Spuren hinterlassen, genau datierbar mit dem 29. November 1945. Da lief nämlich ein amerikanischer Frachter mit dem Namen Hollywood auf eine Sandbank direkt vor L’Amélie und dort liegt er auch heute noch, natürlich abzüglich der dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallenen Teile. Nach mancherlei vergeblichen Versuchen, den Havaristen wieder flott zu bekommen, wurde seine Ladung auf Leichter umgeladen und nach Royan geschafft. Heutzutage, nach  mehr als siebzig Jahren, ragen bei Ebbe immer noch Fragmente der Aufbauten der Hollywood gut sichtbar aus dem Wasser zur Freude von Möwen und anderen Seevögeln, die sich dort für Zwischenlandungen niederlassen.

(UM, 13. 09. 2016; vgl. J.-P.Lescorce, Chroniques soulacaises, Aliénor Éditions 2015, p. 229f.)

Wenn Sie einen Blick werfen wollen auf das, was von der Hollywood noch zu sehen ist: Klick


Wussten Sie schon, was ein Grenier médocain mit einem Vide grenier zu tun hat?

Richtig, da kommt zweimal das Wort grenier  vor und das heißt doch Boden, Speicher, oder? Nicht falsch, doch bringt das nicht weiter. Der Grenier médocain ist tatsächlich ein für das Médoc typisches Gericht, das oft als Zwischenmahlzeit oder Vorspeise verzehrt wird. Warum und wie diese durchaus nahrhafte Angelegenheit zu ihrem Namen gekommen ist, weiß niemand so recht genau, weshalb man von dürftigen Spekulationen Abstand nehmen sollte. Dafür kann man recht deutlich und missverständnisfrei sagen, was den Grenier médocain ausmacht. Ein mit der Herstellung dieses Gerichts vertrauter Metzger bietet eine einfache Beschreibung: Danach ist ein Grenier médocain ein Schweinemagen, der mit Schweinemägen gefüllt wird. Das stimmt prinzipiell, erklärt aber nicht, warum viele Leute dieses Gericht sehr schätzen, denn Schweinemagen plus Schweinemagen ist von Natur aus eine eher fade Angelegenheit. Und dass der oben zitierte Metzger nicht verraten hat, was aus dem von Natur aus wenig attraktiven Schweinemagen ein schmackhaftes Gericht macht, hat seinen Grund, denn die Rezepturen, die schließlich zu einem unverwechselbaren Genuss führen, sind in der Regel Betriebs- oder Familiengeheimnis. Bei der Herstellung werden die Schweinmägen entfettet, gereinigt, dann in eine kugelige Form gebracht und, nachdem allerlei Geschmacksförderliches hinzugegeben worden ist, zusammengenäht. Anschließend werden die gefüllten Mägen gebrüht, und nach dem Abkühlen in Scheiben geschnitten und serviert. Wer meint, dass der Grenier médocain etwa mit dem Pfälzer Saumagen verwandt sei, hat nur ganz wenig Recht, denn die Füllung eines Pfälzer Saumagens hat mit dem, was in den Grenier médocain hineinkommt, nicht viel gemeinsam.

(UM, 31. 07. 2016, vgl. Auch : A. Larrue: Le grenier, casse-croûte des vignerons du Médoc, in: SUDOUEST, 30. 07. 2016)



Wussten Sie schon, dass die Rue de la plage in Soulac sich als Langlaufpiste eignet?

Nun, normalerweise sind die Winter im Médoc relativ gnädig. Bisweilen, wie im Winter 2015/2016 überstehen selbst frostempfindliche Pflanzen wie Geranien die Wintermonate ohne Schaden zu nehmen, auch wenn sie nicht besonders geschützt werden. Es geht aber auch anders. In größeren Abständen gibt es Winter, in denen die Temperaturen unter -10 Grad absinken und dann frieren z.B. Mimosen ab, die jedoch danach mit Wucht wieder aus dem Boden schießen. In noch größeren Abständen kann es auch im Médoc polare Temperaturen geben. Das war im Februar 1956 der Fall. Damals ging das Thermometer für rund drei Wochen bis auf -20 Grad in den Keller, und das für rund drei Wochen. Dabei gab es ausgiebig Schnee in einer Höhe von 30 cm, der es tatsächlich ermöglichte, dass in der Rue de la plage in Soulac eine Loipe für Skilanglauf eingerichtet wurde.

Temperaturen bis zu -22 Grad gab es auch, wenn auch so lange wie 1956, in den Jahren 1962, 1963, 1985, 1986, aber meistens geht es gnädiger ab. Gut so. Schnee ist den meisten Médoc-Wintern Mangelware, und wenn es doch dazu kommt dann werden nur selten 5 cm erreicht, meist weniger. Wer im Winter in das Médoc reist, muss also nicht unbedingt Langlaufskier einpacken.

(vgl.: J.-P. Lescorce, Chronique soulacaise de 580 à nos jours, Aliénor éditions 2015, S. 237



Wissen Sie schon das Neueste von Armande Louise?

Ach, Sie kennen Armande Louise gar nicht? Nun, das lässt sich schnell ändern. Also, Armande Louise ist 2 m groß, wiegt dabei aber 7.800 kg, woraus sich schließen lässt, dass der besagte Name keinem menschlichen Wesen zugeordnet ist. Tatsächlich ist das eine große Glocke, die seit 1775 in der Grosse Cloche, einem der wenigen Überbleibsel der mittelalterlichen Befestigungsanlagen von Bordeaux hängt. Diese Glocke wurde bislang  nur an wenigen besonderen Tagen des Jahres geläutet, weil man das Gebäude nicht zu oft den von der Glocke ausgehenden Schwingungen aussetzen wollte. Daher war Armande Louise bisher nur zu hören am 1. Januar, 8. Mai (Ende des Zweiten Welkriegs), 14. Juli (Franz. Nationalfeiertag), 28. August (Befreiung von Bordeaux im Jahre 1944) und am 11. November (Waffenstillstand 1918). Inzwischen schätzt man die Risiken wohl etwas weniger bedrohlich ein, denn vom Juli dieses Jahres an wird die Glocke einmal monatlich jeweils am ersten Sonntag zu hören sein. Mithin wird sie dam 17 mal pro Jahr erklingen und nicht nur wie bislang fünfmal.

(UM, 02. 07. 2016)


Wussten Sie schon, wieviele Châteaux es im Bordelais gibt?

Wenn Sie es nicht wissen, sind Sie in guter Gesellschaft, denn so ganz genau können das nur einige wenige Experten sagen. Zum Beispiel bei der Fédération des AOC de Gironde, dort wird nämlich ein Verzeichnis geführt, in dem alle existierenden Weinbaubetriebe des Bordelais aufgeführt sind. Die letzte Ausgabe des jährlich erscheinenden Berichts dieser Vereinigung zählt exakt 8944 Châteaux auf, von denen rund 10% ihren Wein in Kooperativen herstellen, während die große Mehrheit das in eigener Regie im eigenen Château macht.

Insgesamt gibt es 7000 Weinbaubetriebe, von denen einige mehrere Châteaux ihr eigen nennen. Seit 1990 gibt es eine Regelung, die festlegt, dass pro Betrieb nur ein einziges Château zulässig ist, Ausnahmen werden nur dann geduldet, wenn ein Betrieb seit altersher einen oder mehrere weitere Château-Namen führt. Und dann kommt man auf die schon genannte Zahl von 8944. Der Blick auf diese große Zahl  relativiert die bisweilen zu hörende Befürchtung, es drohe ein Ausverkauf, weil immer mal wieder ein Château in chinesische Hände gerät. Zur Zeit haben rund 100 Châteaux Eigner aus China, so dass die Alarmglocken noch eine ganze Reihe von Jahren in Ruhestellung bleiben können.

                                                                                   (UM, 17. 06. 2016)



Wussten Sie schon, seit wann Autos in Frankreich einen Rückspiegel haben müssen?

Also, die allermeisten der heute lebenden Franzosen wissen nicht mehr, wie das ist, wenn man ohne Rückspiegel, nur auf das eigene Gehör vertrauend, Auto fährt. Die Erklärung, dafür, dass das kaum noch jemand weiß,  ist recht einfach, denn schon 1930 mussten alle in Frankreich verkehrenden Autos einen Rückspiegel haben. Zunächst war das ein Innenspiegel. Erst 1972 wurde der Außenspiegel verpflichtend, und seither macht sich kein Mensch Gedanken darüber, ob man so ein Ding haben sollte oder nicht.



Wussten Sie schon, dass der Bolero von Ravel seit dem 3. Mai 2016 urheberrechtsfrei ist?

Na ja, eigentlich kümmert das nur Leute, die im Musikbetrieb ihr Geld verdienen, aber interessant es schon, zumal die Uraufführung im November 1928 eine Anekdote produziert hat, die auch heute noch schmunzeln lässt. Damals sprang nämlich eine Zuschauerin auf und rief: „Au fou“, was schwer exakt zu übersetzen ist, aber etwa sagen soll, dass der Komponist nicht ganz bei Troste war. Ravel, der anwesend war, erhob sich seinerseits und rief.“ « En voilà une, au moins, qui a compris ! » (Da ist wenigstens eine, die es begriffen hat) . Während diese Anekdote vielleicht nicht ganz den historischen Ablauf abbildet, ist es unstrittig, das der Bolero von Ravel lange Jahre das Musikstück war, das der SACEM (Société des Auteurs, Compositeurs et Éditeurs de Musique), der französischen Gesellschaft, die die Rechte von Autoren, Komponisten und Musik-Verlegern verwaltet, das meiste Geld in die Kassen brachte. Einerlei wie man zu diesen pekuniären Dingen steht, es ist gut, dass es den Bolero gibt, oder?                          

 


Wussten Sie schon, wo das Departement Charente-Inférieure in Frankreich liegt?

Richtig, es liegt gar nicht mehr, weil es ein Departement mit diesem Namen nicht mehr gibt. Bis 1941 war das allerdings anders, da gab es ein Departement, das diesen Namen trug. In der Anfangsphase der Ende 1789 verfügten Einteilung Frankreichs in die Verwaltungseinheiten der Departements hieß dieses Departement kurzzeitig Aunis-et-Saintonge, doch wurde der Namen mit Dekret vom 26. Februar 1790 in Charente-Inférieure geändert, und blieb  so bis in die Zeit des Zweiten Weltkrieges.  Sitz der Präfektur dieses Departements war übrigens La Rochelle, und mit diesem Hinweis lässt sich die Lösung des vermeintlichen Rätsels leicht einleiten. Also, das Departement, das heute Charente Maritime heißt und die laufende Nummer 17 in der Liste der Departements des französischen Mutterlandes trägt, hieß früher, und zwar bis 1941 Charente-Inférieure. Die Umbenennung erfolgte übrigens auf Betreiben mehrerer Bürgermeister des Departements Charente-Inférieure, die sich darüber ärgerten, dass sie in einem Departement leben mussten, das vermuten ließ, dass es auch eine Charente-Supérieure gab, und da traf es sich gut, dass man die Namenänderung in Charente-maritime vornehmen konnte, mit der alle Welt bis heute gut und glücklich leben kann.

 



Wussten Sie schon, dass die Franzosen sich beim Zählen manchmal eher weniger logisch verhalten?

Dass das so ist, sieht man, wenn man bis 100 zählt, dann kommt cinquante (50), soixante (60) und plötzlich soixante-dix also (60+10). Und dann wird es noch krauser, denn der nächste Zehner heißt quatre-vingts (also 80, denn viermal 20 macht achtzig), der nächste Zehner heißt dann quatre-vingt-dix (viermal zwanzig plus zehn; das ergibt wirklich 90, aber man könnte es auch einfacher haben.. Das machen Belgier und Schweizer, soweit sie Französisch als Muttersprache haben, denn die zählen brav cinquante, soixante, septante, octante, nonante und finden das richtig und gut. Die Franzosen haben da eine andere Meinung, die allerdings, anders als sie es sonst gern mit Bezug zu ihrer Sprache sagen nicht gerade logisch ist. Die Ursprünge der französischen Zählweise liegen weit zurück, in einer Zeit, als die meisten Leute nicht lesen und nur ganz wenig zählen und rechnen konnten. Und da war es für die allermeisten Menschen einfacher, mit Zahleneinheiten zu hantieren, die sich überschauen ließen, und dabei kam dann heraus, dass man quatre-vingts sagte, wenn man octante (80) meinte. Na ja, so ganz zwingend ist diese Erklärung nicht, aber das was die Franzosen mit ihrer Zählerei fabrizieren, ist es auch nicht, oder?

Wer einen kleinen Hang zur Boshaftigkeit hat, kann den abbauen, wenn er fragt, warum es korrekt heißt: quatre-vingts livres aber quatre-vingt-un livres oder quatre-vingt-dix livres, wobei sich die Frage darauf konzentriert, wann es quatre-vingt mit ‚s’ oder ohne ‚s’ heißt. Die Antwort ist eigentlich einfach: wenn hinter dem quatre-vingt(s) eine weitere zahl folgt, schreibt man nur quatre-vingt-un (also z. B. quatre-vingt-un). Das ist allerdings ein Detailwissen, das heutzutage nicht mehr von allen Franzosen geteilt wird. Und dabei wäre das ein weiteres Argument zu der Zählweise septante, octante, nonante zu wechseln.

 



Wussten Sie schon, wie viel Prozent der Gemeinden in Frankreich weniger als 500 Einwohner haben?

Wir geben zu, dass man das  vielleicht nicht um jeden Preis wissen muss, aber die Statistiker lassen sich von solchen Überlegungen nicht abhalten. Und die haben festgestellt, dass 54% der insgesamt 36.529 französischen Kommunen weniger als 500 Bürger aufbieten können. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung leben 7% der Franzosen in diesen kleinen Gemeinden. 1968 waren es noch 11%. Gut, dass man das jetzt weiß, oder?

                                                                                 (UM, 22. 01. 2016)



Wussten Sie schon, wann in Frankreich die ersten öffentlichen Telefonzellen aufgestellt wurden?

Klar, dass das sinnvoller Weise erst nach der Erfindung des Telefons passiert ist, und das war in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, wobei wohl für immer ungeklärt bleiben wird, wer nun tatsächlich derjenige war, der die entscheidenden Entwicklungsschritte gemacht hat, damit das Telefon praxistauglich werden konnte. Die Bezeichnung Telefon geht übrigens auf Philipp Reis zurück, der dieses Kunstwort zu Beginn der 1860er Jahre einführte.

In Frankreich wurde die erste Telefonzelle 1881 anlässlich der Internationalen Elektrizitätsausstellung in Paris aufgebaut. Das erste lokale öffentliche Netz In Frankreich wurde 1883 in Reims installiert, bald darauf folgten Paris und andere große Städte. Lange Zeit gab es Telefongelegenheit nur in Postämtern, Bahnhöfen und Cafés. Die flächendeckende Ausbreitung der Telefonzellen erfolgte erst in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, und danach dauerte es nicht sehr lange, bis die Mobiltelefone den konventionellen Telefonzellen den Rang abliefen, die in Kürze nach einer nur kurzen Glanz- und Blütezeit ganz aus dem Straßenbild verschwunden sein werden.

(UM, 17. 01. 2016)

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Wussten Sie schon, dass das Departement Gironde mit einer Fläche von 10.000 km² das größte Departement in Frankreich, aber nicht das größte französische Departement ist?

Also, das größte französische Departement trägt den Namen Guyane und hat eine Fläche von 86.504 km², aber nur 230.000 Einwohner, woraus sich eine Bevölkerungsdichte von 4 Einwohnern pro Quadratkilometer ergibt. Einerlei wie man das findet, die Fakten sind eindeutig. Wer jedoch jetzt eine Frankreichkarte herausholt, um das besagte Departement zu orten, der hat Pech. Er müsste nämlich eine Karte des nördlichen Teiles Südamerikas haben, denn dort liegt neben anderen Territorien das französische Departement Guyane. Dass das so ist, hat historische Gründe, die wir hier nicht weiter berühren wollen. Wir beschränken uns auf den Hinweis, dass das gegenwärtige Frankreich aus dem Mutterland und ein paar überseeischen Departements besteht, neben denen es noch Überseeterritorien mit einem anderen Status gibt. Und daher muss ein französisches Departement nicht notwendig in Frankreich liegen.

(UM, 07. 01. 2016)

 


Wussten Sie schon, warum der Pont de pierre in Bordeaux 17 Bögen hat?

Also, wenn Sie es wirklich wissen, haben Sie den meisten Bewohnern von Bordeaux etwas voraus, denn die erzählen gern und häufig, die besagte Brücke, deren Bauidee schließlich auf Napoleon zurückgeht, verdanke die Zahl ihrer Bögen dem Namen Napoleons, denn der hieß schließlich, bevor er sich zum Kaiser avancieren ließ, Napoleon Bonaparte, macht netto 17 Buchstaben und damit möglich, dass man eine Beziehung herstellt zwischen dem Namen des Korsen und der Brückenkonstruktion. Wenn man näher zusieht, stellt sich jedoch heraus, dass die Brücke, deren Bau von Napoleon angeordnet worden war, 19 Bögen hatte, doch wurde dieser Bau nie ausgeführt, nicht zuletzt, weil das Geld fehlte und Napoleon schon bald darauf kein Kaiser mehr war. Stattdessen wurde ein neuer Anlauf zum Bau einer Brücke über die Garonne unternommen, für den kapitalkräftige Geschäftsleute aus Bordeaux das Geld flüssig machten und dabei keine Gedanken an Napoleon verschwendeten, den man inzwischen weit weg nach Sankt Helena verfrachtet hatte, weil man vor ihm Ruhe haben wollte. Der neue Plan hatte dann tatsächlich 17 Bögen, was aber rein technische und vor allem statische Gründe hatte. Dass die ominöse Zahl 17 irgendjemanden inspirieren konnte, dabei an Napoleon zu denken, war nicht auszuschließen, aber eigentlich nicht wahrscheinlich. Als die Brücke im Jahre 1822 eingeweiht wurde, war Napoleon schon gestorben. In Frankreich war man übrigens zu diesem Zeitpunkt nicht gerade gut auf ihn zu sprechen, denn man verband mit seinem Namen vor allem die lange Reihe von Kriegen, die er geführt hatte und die dem Land schwer zugesetzt hatten. Erst als die Erinnerung daran verblasst war, stieg der Stern des Korsen wieder, dann allerdings recht schnell, denn schon 1840 wurde sein Leichnam nach Paris überführt und im Hôtel des Invalides in einem reichlich bemessenen Porphyrsarkophag beigesetzt, aber das ist eine andere Geschichte, die mit dem Pont de pierre in Bordeaux rein gar nichts zu tun hat.

(UM, 30. 12. 2015)

 


Wussten Sie schon, dass es in Bordeaux ein Bauwerk gibt, das größer ist als alle anderen seiner Art in Europa?

Wenn Sie es wissen, sind Sie wahrscheinlich ein Spezialist in Eisenbahnangelegenheiten, denn das Gebäude, das für sich in Anspruch hinnehmen kann, das größte seiner Art in Europa zu sein, ist die Bahhofshalle von Bordeaux, die eine Grundfläche von 17.400 m² überdeckt und damit Platz für vier Fußballfelder böte, wenn dafür Bedarf bestünde. Die  Halle ist 1894 errichtet worden. Sie ist eingedeckt mit 11.000 m² Zinkblech und 14.000 m² Glasplatten, und diese Dimensionen werden in einer Zeit, in der nur noch selten neue Großbahnhöfe gebaut werden, dafür sorgen, dass die Bahnhofshalle von Saint-Jean sich keine Sorgen machen muss, dass sie ihren Rang in Europa verliert.

(UM, 13. 12. 2015)

 




Wussten Sie schon, was es mit den drei Farben der französischen Nationalflagge auf sich hat?

Falls Sie es wissen, verfügen Sie über Kenntnisse, um die sie viele Experten beneiden, denn so richtig mag sich niemand festlegen, wenn er gefragt wird, welche Bedeutung die Farben der Trikolore haben und warum sie so angeordnet sind, wie sie es sind. In einem Punkt gibt es allerdings Gewissheit: die heutige französische Flagge wurde am 15. Februar 1794 zur offiziellen Nationalflagge, was sie mit einer Unterbrechung in der Zeit der Restauration von 1814 bis 1830 auch geblieben ist. Die Bedeutung der Farben wird meist so erklärt, dass die Nationalflagge die Farben der Stadt Paris (blau und rot) und die der französischen Könige (weiß) verbindet und zwar so, dass durch die Anordnung das weiße Feld in der Mitte eingerahmt und im übertragenen Sinne dominiert wird. Hört sich irgendwie gut an, doch wirft es die Frage auf, warum man eine derartige Symbolik, wenn sie denn geplant und beabsichtigt war, im Jahre 1794 zum Ausdruck bringen wollte, obwohl die Monarchie in Frankreich seit dem 21. September 1792 abgeschafft war und der letzte König Ludwig XVI. am 21. Januar 1793 hingerichtet worden war.

Wenn man wieder zur faktengestützten Berichterstattung zurückkehrt, kann man festhalten, dass die Trikolore aus drei gleichbreiten Farbstreifen (blau, weiß, rot) besteht, die an der Seite des blauen Streifens am Fahnenstock befestigt werden. Die Festlegung der Streifenbreite gilt jedoch nicht für die französische Nationalflagge, die an Schiffen gezeigt wird. Dort hat man ein Breitenverhältnis von 30:33:37 (blau, weiß, rot), was erreichen soll, dass bei einer im Wind flatternden Fahne der Betrachter den Eindruck haben soll, dass die Streifen als gleich breit wahrgenommen werden.

                                                                            (UM, 28. 11. 2015)



Wussten Sie schon, wie die Krawatten zu ihrem Namen gekommen sind?

Na ja, Krawattenträger gehören offenbar zu einer bedrohten Art, und das müsste eigentlich eine Art Reflex auslösen, sich mit ihnen zu befassen. Wir versuchen das zu tun, wobei uns gefällt, dass man, um sich schlau zu machen, ins Historische abbiegen muss. Wenn man das tut, bekommt man heraus, dass der Vorläufer des Wortes Krawatte, 1651 in die französische Sprache eingewandert ist. Und daran waren  die Angehörigen eines Regiments von Kroaten beteiligt, die Ludwig XIII. in Dienst genommen hatte. Sie drapierten eine weiße Schärpe so um den Hals wie man das heutzutage mit einer Krawatte tut, was zu ihrem Markenzeichen wurde. Sie blieben unter Ludwig XIV. in französischen Diensten als  Regiment Royal-Cravates, woei man sich wohl wenig Mühe gab, ihren Namen präzise zu schreiben. Und von da an war es nur noch ein kleiner Schritt, der dem Wort cravate  Eingang in die französische Sprache verschaffte. Und da zu dieser Zeit nicht nur in Modefragen alle Welt auf Frankreich schaute, war es nicht verwunderlich, dass diese cravate als modisches Kleidungsstück samt dem dazugehörigen Namen in viele Sprachen übernommen wurde, wobei sich die Experten etwas schwer tun, wenn sie sagen sollen, wann das Wort als Krawatte eingedeutscht wurde. Da der damit verbundene Vorgang aber schon verjährt ist, muss man das auch nicht ganz genau wissen. Wenn man noch viel Zeit hat, kann man sich daran versuchen, herauszubekommen, wie die Kroaten zu ihrem Namen gekommen sind, aber das ist ein lange Geschichte, auf die wir hier nicht eingehen.  

(UM, 16. 11. 2015)



Wussten Sie schon, dass es weltweit nur einen Flugplatz gibt, der sich im Weinbau versucht?

Das ist der Flughafewn Bordeaux-Mérignac, der neben seinen sonstigen Aktivitäten sich auch mit dem Anbau von Wein befasst, und zwar auf einer Fläche von 15 Ar, also 1500 m². Der Entschluss, diesen Weinberg anzulegen, hat natürlich mit der Beziehung zwischen Bordeaux und dem Wein zu tun, die man auf diese Weise direkt vor dem Eingang des Flughafens augenfällig demonstrieren wollte. Auf den besagten 1500 m² stehen 40% Cabernet sauvignon und 60% Merlot, die jedes Jahr, und dies schon zum 17. Male von 50 Firmenchefs, die in der Industrie- und Handelskammer von Bordeaux engagiert sind, vor laufenden Kameras medienwirksam geerntet werden. Wer hofft, von diesem außergewöhnlichen Weinberg irgendwo ein Fläschchen zum Probieren zu bekommen, der hat jedoch Pech. Denn nach der Weinlese verschwinden die geernteten Trauben. Sie werden schlicht entsorgt, weil die Anbaubedingungen der Rebstöcke nicht den Vorschriften entsprechen. Einerlei wie man das findet, der Flughafen Mérignac bleibt dennoch der einzige in der Welt, auf dessen Grund und Boden Weinstöcke gedeihen und auch abgeerntet werden. Und, ebenso einzigartig, auch dies weltweit, die besagten 15 Ar sind der einzige Vignoble, der gehegt, gepflegt und abgeerntet wird, ohne dass dahinter die Absicht steht, ein besonderes Tröpfchen zu erzeugen.

                                                                          (UM, 23. Okt. 2015)


Wussten Sie schon, dass die Vorfahren der heutigen Bewohner Aquitaniens Theatermuffel waren?

Na ja, vielleicht ist dies Urteil ein bisschen hart und ungerecht, aber es gibt schon einen Befund, über den man nachdenken muss, wenn man sich in dieser Beziehung ein Bild verschaffen will. Nachdem die Römer - Sie erinnern sich, das war ein großer Auftritt Caesars – von Gallien Besitz ergriffen hatten, brachten Sie recht schnell ihre kulturellen Errungenschaften ins Land und zu denen gehörte das Theater. So entstanden in recht schneller Folge in Gallien rund 120 Theater und dazu noch vierzig Amphitheater, in denen freilich meist recht kulturferne Dinge veranstaltet wurden. Bei der Zahl ist Gallien das römisch beherrschte Gebiet außerhalb Italiens, das am dichtesten mit Theateranlagen überzogen war, noch vor Spanien und Nordafrika. Die Verteilung der Theater in Gallien deckt den größten Teil der Fläche des Landes ziemlich gleichmäßig ab, weshalb man annehmen kann, dass die einheimische Bevölkerung dem Theater recht aufgeschlossen gegenüberstand. Ein Gebiet macht allerdings eine Ausnahme, und das ist der Südwesten des heutigen Frankreich. Dort hat man bei Brion im Médoc nur ein einziges gallo-römisches Theater in dem Bereich zwischen Garonne und Pyrenäen gefunden, und so, wie es aussieht, wird das wohl auch das letzte sein. Archäologen ziehen aus der Verteilung der Theater auf der Landkarte Galliens den Schluss, dass die Bituriges Vivisques, die dieses Gebiet besiedelten, mit dem Theater nicht so viel im Sinn hatten wie die Bewohnern des übrigen Gallien. Und wenn das so ist, kann man ihnen vielleicht eine Theatermuffligkeit anhängen. Muss man aber nicht. Vielleicht kann man aber sagen, dass die Vorfahren der heutigen Médocains die theaterfreundlichsten Bituriges Vivisques waren, aber auch das muss man nicht. Einerlei, wie man verfährt, der Gang der Weltgeschichte wird davon nicht wesentlich berührt, aber es war vielleicht gut, dass wir darüber gesprochen haben.

(Vgl. Société Archélogique et Historique de Saint Germain d’Esteuil. Journées du patrimoine des 20 et 21 septembre 1997. Exposé sur le théâtre de Brion. http://sge.archeohistoire.pagesperso-orange.fr/Autre/theatre.pdf)

Mehr zu den gallo-römischen  Ruinen von Brion : Klick

 


Wussten Sie schon, warum in Frankreich in der Zeit von Mitte August bis Mitte Oktober eine Flut von Romanen erscheint, während es in der übrigen Zeit des Jahres kaum Neuerscheinungen gibt?

Na ja, das ist eine Sache, die hängt offensichtlich mit der rentrée zusammen, einem das Leben der Franzosen bestimmenden Einschnitt, der das Kalenderjahr unübersehbar gliedert. Nicht nur, dass die Schule nach der Sommerpause wieder beginnt, auch das politische Leben fängt wieder an und das literarische auch. Die rentrée littéraire, der Neuanfang des Literaturlebens, hat dabei Erscheinungsformen, die Ausländern auf den ersten Blick unerklärlich erscheinen mögen, denn die können oft nicht verstehen, dass von Mitte August bis Mitte Oktober in kurzen Abständen ein Roman nach dem anderen erscheint, meist so um die 600. Danach ist in der Regel Ruhe bei den Neuerscheinungen, allerdings nur bis zur nächsten rentrée littéraire, und die kommt garantiert. Hinter diesem lawinenartigen Anschwellen der Neuveröffentlichungen steckt eine weitere Eigentümlichkeit des französischen Kalenders: die Verleihung der Literaturpreise, die im Herbst vergeben werden. Der renommierteste von ihnen, der Prix Goncourt, sichert dem Preisträger Verkaufszahlen, die 400.000 oder auch 600.000 Exemplare erreichen können. Bei den anderen Preisen wie Renaudot, Femina oder Interallié sind die Absatzzahlen  nicht ganz so groß, aber sie liegen immerhin noch bei 100.000 bis 150.000 verkauften Exemplaren, was in einem umkämpften Markt, in dem die durchschnittlichen Auflagen von Romanen bei 800 bis 2.000  liegen, schon einen beträchtliche Effekt hat. In der Regel reichen schon Gerüchte, dass dieser oder jene Romane für diesen oder jenen Preis in Frage komme, um die Verkaufszahlen in Schwingungen zu versetzen. Wie so vieles im menschlichen Leben gibt es auch die rentrée littéraire nicht vom Anbeginn der Zeiten an, sie hat sich vielmehr in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts herausgebildet, als Offiziere, Beamte und Angehörige des gut situierten Bürgertums anfingen, sich einen Sommerurlaub zu leisten. Das literarische Treiben stellte sich schnell darauf ein und machte einen Sommerschlaf, der mit der rentrée littéraire schlagartig zu Ende ging, mit den nunmehr bekannten Folgen.

(vgl dazu auch: J. Rousset: La rentrée littéraire, une exception française, in: SUDOUEST, 6. Sept. 2015)


Wussten Sie schon, das es in Grayan einst einen Flugplatz gab?

Wenn nicht, dann sind Sie in guter Gesellschaft, denn so richtig tiefe Spuren  hat diese Einrichtung nicht im kollektiven Gedächtnis hinterlassen. Und einen richtigen Flugplatz mit Kontrollturm und sonstigem Zubehör gab es in Grayan auch nicht. Das, was es da gab, war eine bescheidene feldflugmäßig nutzbare Start- und Landebahn, die in der Zeit der deutschen Besatzung von Verbindungs- und Kurierflugzeugen genutzt werden konnte, die mit derartigen Voraussetzungen zurechtkamen. Das waren wohl meist Flugzeuge vom Typ Fieseler Storch, die über auch aus heutiger Sicht noch beeindruckende Kurzstart- und Landefähigkeiten verfügten. Der bekannteste Benutzer des Flugfeldes von Grayan war übrigens der General de Gaulle, der  am 22. April 1945 nach der Befreiung der Nordspitze des Médoc mit seinem Dienstflugzeug dort landete, um die Siegesparade abzunehmen. Er reiste mit einem Fieseler Storch an.

(UM, 04. Aug. 2015)



Wussten Sie schon, welche Gemeinde des Médoc die meisten Leuchttürme hat?

Also, da es Leuchtürme ja nicht gibt wie Sand am Meer, könnte man das vielleicht wissen. Wenn nicht, dann ist das aber keine Katastrophe. Fragen Sie einfach jemanden, der es weiß. Der sagt Ihnen dann, dass die Gemeinde Le Verdon in Sachen Leuchttürme Spitzenreiter im Médoc ist, denn da gibt es drei davon,  und das ist bei Leuchttürmen schon eine richtige Menge. Das sind: der Leuchtturm von Cordouan, der Leuchtturm der Pointe de Grave und der Leuchtturm von Saint Nicolas, den kaum einer kennt. Damit sich das ändert, werden wir in unserer Leuchtturmabteilung in den nächsten Tagen Bilder und Hinweise zu diesem etwas anderen Leuchtturm bringen.

(UM, 22. 07. 2015)



Wussten Sie schon, dass ein Seehund einen Schwanz hat, um den ihn mancher Hund beneiden müsste?

Wenn nicht, grämen Sie sich nicht. Wer hat schon  einen Seehund im Haushalt, bei dem man so etwas beobachten könnte? Wir haben das erst, als wir einen Seehund ausführlich beobachten und fototgrafieren konnten, bemerkt. Und hier ist der Beleg:


Ein Seehund von hinten. Das Schwänzchen, um das es geht, liegt auf den hinteren Flossen. Mancher Hund hat an dieser Stelle weniger.
(UM, 16. Juli 2015)

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Wussten Sie schon, wie die Lotsen auf die Schiffe gelangen, die in die Gironde einlaufen oder sie verlassen?

Nun, da gibt es nicht viel zu kombinieren oder zu spekulieren, zu Fuß geht es nicht. Die Lotsen erreichen die Schiffe, die ihre Dienste in Anspruch nehmen, mit ihren schnellen Lotsenbooten oder, wenn das Wetter zu grob ist, per Hubschrauber. Der erste Hubschrauber wurde 1985 angeschafft, der jetzt im Einsatz befindliche wurde 2008 in Dienst gestellt. Er ist ein Eurocopter EC 135 T2 +, der rund 1000mal jährlich eingesetzt wird, um einen Lotsen an Bord eines Schiffes zu bringen, das in die Gironde einlaufen will. Die Lotsen werden dann mit einer Seilwinde auf das Schiff herabgelassen, das sie führen sollen. Landen dürfen sie aus Sicherheitsgründen auf den Schiffen prinzipiell nicht, da es dafür keine geeigneten Landeeinrichtungen gibt. Der gefährlichste Teil der Gironde liegt übrigens in Sichtweite des Leuchtturms von Cordouan. Für auslaufende Schiffe steigen die Lotsen dann auf der Höhe von Le Verdon oder der Pointe de Grave auf die Schiffen, für die sie verantwortlich isnd.

Zur Zeit gibt es übrigens 21 Lotsen. Sie werden von einer Verwaltung geführt, die weitere 25 Angestellte hat, die sich auf Arbeitsplätze in Le Verdon oder Bassens verteilen.

Mehr dazu: http://www.pilotagegironde.com/

Lotsenboote gib es hier zu sehen: Klick


Ein Eurocopter EC 135 T2 +, der aktuelle Lotsenhubschrauber.




Wussten Sie schon, warum der Kirchturm in Saint Vivien so anders aussieht als seine Kollegen ringsherum?

 

Das ist der aktuelle Kirchturm von Saint Vivien, von dem niemand behauptet, seine Gestaltung habe einen Bezug zu dem Ort, an dem er steht.

 

Sein Vorgänger, den das zweite Bild zeigt, war hingegen nah verwandet mit ähnlich aussehenden Turmkonzepten, die an vielen Stellen des Médoc im 19. Jahrhundert entstanden waren. Diese alte Turm war jedoch von britischen Bombern im Jahre 1944 zerstört worden zu einer Zeit, als das nördliche Médoc noch unter deutscher Besatzung stand. Der Angriff, dem der Turm der Kirche zum Opfer fiel, zerstörte auch das Kirchenschiff und das Gebäude, in dem sich heute die Mairie befindet. Als nun nach dem Ende der Kampfhandlungen überlegt wurde, was mit der demolierten Kirche in Saint Vivien geschehen sollte, lag es nach Meinung der Bürger von Saint Vivien eigentlich nahe, das zerstörte Kirchenschiff samt Turm so wiederaufzubauen, wie es vor 1944 ausgesehen hatte. Da die Mittel zum Wiederaufbau jedoch vom Staat gestellt wurden, glaubte man dort, auf die Interessen der womöglich mit künstlerischen Dingen sowieso überforderten Einheimischen nicht sonderlich viel geben zu müssen. Der in staatlichen Diensten stehende Architekt, der die Wiederaufbauarbeiten leitete, war vollends der Meinung, der alte Turm verdiene es nicht, wiederzuerstehen, sondern man müsse etwas Neues, vielleicht sogar Richtungsweisendes schaffen. So entstand also der aktuelle Kirchturm, vom dem man sagen kann, dass er keine Ähnlichkeit mit seinem Vorgänger hat, aber alles, was darüber hinaus sonst in Saint Vivien über den Turm gesagt wird, hört sich nicht sehr freundlich an. Und wenn man dann noch in Betracht zieht, dass die zum Bau des Turms verwendeten Materialen nicht unter dem Gesichtspunkt der Langlebigkeit ausgewählt worden waren, weshalb alle paar Jahre Reparaturarbeiten erforderlich werden, die die Finanzen der Gemeinde, die Eigentümerin der Kirche ist, strapazieren, dann versteht man gut, dass der Architekt, auf dessen Zeichenbrett der Kirchturm entworfen wurde, nie in Gefahr war, zum Ehrenbürger von Saint Vivien ernannt zu werden.

 


Wussten Sie schon, wann der erste Campingplatz in Soulac eingerichtet wurde ?

Zugegeben, dass die Beantwortung dieser Frage den Gang der Weltläufte nicht wirklich nachhaltig beeinflusst, aber es richtet auch keinen Schaden an, wenn man es weiß. Wir klären also ein wenig auf. Das Wort camping gibt es seit 1903 im Französischen, wie z.B. der Petit Robert verrät. Damit weiß man schon mal etwas, aber richtig schlau ist man immer noch nicht. Hilfreich ist es, wenn man die Chroniques Soulacaises von Jean-Paul Lescorce zur Hand hat und das Jahr 1938 aufschlägt. Dort erfährt man, dass die Gemeinde Soulac in just diesem Jahr zwei Areale ausgewiesen hat, auf den die damals neumodischen Camper ihrem Tun nachgehen konnten. Sie hatten eindeutige Regeln zu beachten, zu denen es  z. B. gehörte, dass man den Wald, in dem die Campinggelände gelegen waren, nicht grundlos abfackelte und dass man mit den jungen Kiefern pfleglich umging, weil die ja dafür sorgten, dass der Dünenboden nicht wieder ins Wandern geriet, womit man in Soulac schließlich Erfahrungen hatte. Da die Gemeinde offenbar wusste, dass Camper zur Reinlichkeit neigen und sonst mancherlei Bedürfnisse haben, verlegte man Wasserleitungen und baute Toilettenhäuschen und war sich sicher, dass man damit alles getan hatte, um den Beginn der Campingära auch in Soulac zu ermöglichen. (vgl. Jean-Paul Lescorce, Chroniques Soulacaises, Aliénor Éditions, o.J. (2015))



Wussten Sie schon, daß Frauen in Frankreich erst vor 70 Jahren zum ersten Male wählen konnten?

Das konnten sie exakt am 29. April 1945 bei den damaligen Kommunalwahlen tun. Das Gesetzgebungsverfahren dafür war einige Monate zuvor über die Bühne gegangen, aber die erste Möglichkeit für Frauen, das frisch erworbene Wahlrecht zu nutzen, ergab sich erst am 29. April 1945. Damit wurde auch in Frankreich ein wesentlicher Teil der Benachteiligungen der Frauen aufgehoben, doch gehörte Frankreich nicht zu den Vorreitern in dieser Beziehung. Das erste Land in Europa, in dem Frauen wählen durften, war Finnland, das 1906 die Frauen an die Urnen ließ. Es folgten Norwegen (1913) und Dänemark (1915), bevor 1918 in dem wiedergegründeten Polen, in Deutschland und Österreich die Frauen zu Wahlen zugelassen wurden. Schon vor Finnland war den Frauen im Jahre 1893 das Wahlrecht im US-Staat Colorado zuerkannt worden, wenig später auch in Neuseeland und Süd-Australien. Nachzügler beim Frauenwahlrecht im westl. Europa waren die Schweiz (1971) und Liechtensten (1984).



Wussten Sie schon, was ein „Père cent“ ist?

Ja? Na, dann liegen sie möglicherweise falsch, denn obwohl man weiß, was ein Père ist, ein Vater nämlich, und wer weiter zählen kann, als er Finger hat, der weiß, dass Cent schlicht die Zahl 100 meint. Trotzdem weiß man dann immer noch nicht, was ein Père cent ist, denn der hat es in sich, manchmal sogar so, dass sich die Polizei darum kümmern muss. Also, ein Père cent ist eine Fête, die junge Leute abziehen, wenn z. B. das Abitur noch 100 Tage entfernt ist. Man kann einen Père cent auch starten, wenn das Ende des Militärdienstes nach den nächsten 100 Tagen kommt. Gemeinsame Idee ist dem Père Cent also die vorweggenommene Feier des Endes einer wie immer auch empfundenen Beschränkung der Freiheit. Dabei gibt es allerlei Schreibweisen für das Ereignis: Père Cent, Pèrcent, persans, und sonst noch was. Was in dem Wort nicht zum Ausdruck kommt, ist die Tatsache, dass in letzter Zeit nicht wenige dieser Père-cent-Veranstaltungen aus dem Ruder laufen und dabei allerlei Sachbeschädigungen und sonstige Nebenwirkungen passieren, die mit der an sich harmlosen Grundidee des Père Cent nicht in Einklang zu bringen sind.

                                                                      (UM, 14. 04. 2015)



Wussten Sie schon, was ein Lieutenant de louveterie zu tun hat ?

Also, ein Lieutenant ist im engen Verständnis ein Mann, der an Stelle oder im Auftrag eines anderen eine bestimmte Funktion erfüllt und louveterie heißt, etwas locker übersetzt, Wolfsjagd. Dann ist als ein Lieutenant de louveterie ein staatlich beauftragter Wolfsjäger. Na also. Aber, darf man fragen, wo, bitte schön, gibt es in Frankreich noch Wölfe? Es gibt sie tatsächlich, im Jahre 2013 schätzten man die Gesamtzahl auf rund 250, von denen 90% in den Alpen zu Hause waren, vorwiegend Einwanderer aus Italien. Die werden seit etwa 1980 beobachtet, vorher war Frankreich für fast ein halbes Jahrhundert wolfsfrei. Der Beruf des Lieutenant de louveterie ist übrigens schon von Karl dem Großen 813 oder 814 eingerichtet worden und der hat sich seit dieser Zeit, zwar mit mancherlei Wandlungen des Berufsbildes erhalten, auch als es in Frankreich keine wildlebenden Wölfe mehr gab. Dafür wurde der besagte Lieutenant für mancherlei Dinge zuständig, die mit der Jagd zusammenhängen. Dabei fungiert er auch als Beauftragter für die Zurückdrängung von wildlebenden Tieren, die als schädlich eingestuft werden, und dazu gehören z.B. Wildschweine. Weshalb das jüngst in Bordeaux zur Strecke gebrachte Wildschwein auch von einem Lieutenant de louveterie erlegt wurde.

                                                                              (UM, 24. 01. 2015)



Wussten Sie schon, dass es in Bordeaux schon seit 1451 ein Parlament gab?

Dieses Parlament wurde zwar nach wenigen Jahren aufgelöst, aber 1462 wieder eingerichtet und es bestand bis 1790. Allerdings war es gar kein Parlament, wie man es heute versteht, wo damit eine gesetzgebende Körperschaft gemeint ist, die aus demokratischen Wahlen hervorgegangen ist, sondern ein Gerichtshof, dessen Mitglieder vom König ernannt wurden und die hauptsächlich als Berufungsgericht fungierten. Daneben hatten die Provinzparlamente wie z. B. das von Bordeaux eine nicht zu unterschätzende politische Bedeutung dadurch, dass sie das Recht hatten, neue Gesetze zu registrieren. Damit verbunden war eine Prüfung der Vereinbarkeit des neuen Gesetzes mit den geltenden regionalen Gesetzen, wobei es häufiger geschah, dass die Registrierung verweigert wurde und damit ein Gesetz für den Zuständigkeitsbereich eines regionalen Parlaments zunächst nicht in Kraft trat. Letztendlich konnte der König die Registrierung erzwingen und damit seinen Willen durchsetzen, doch wurde davon nur sparsam Gebrauch gemacht, so dass den Parlamenten eine, wenn auch begrenzte, Mitwirkungsmöglichkeit im Prozess der Gesetzgebung zukam. Aber, wie schon gesagt, eine gewählte Volksvertretung waren diese Parlamente nicht.

(UM, 11. Jan. 2015)

 


Wussten Sie schon, dass es im Ersten Weltkrieg in Frankreich rund 10.000 Lazarette gab?

Die meisten davon mussten in großer Eile und oft provisorisch eingerichtet werden, da man auch in dieser Beziehung durch den Verlauf des Kriegs vor Probleme gestellt wurde, auf die kaum jemand vorbereitet war. Von den 10.000 Lazaretten fanden sich z.B. rund 80 in und um Bordeaux, rund fünfzig gab es beiderseits der Gironde und eine relativ große Zahl auch im Médoc. Sie wurden wie z.B. in Soulac in der Mairie eingerichtet, oder in den Salle des fêtes wie in Saint-Vivien oder in den Schulen wie in Pauillac und Vendays. Auch einige Châteaux wurden ganz oder teilweise zu Lazaretten. Dazu zählten z. B. Beychevelle, Beaucaillou, Lagrange, Mescot und andere. Insgesamt gab es in 120 Orten des Départements Gironde Lazarette, manchmal mehrere.

(M. Vigneau: Les hôpitaux de la Grande Guerre, in : L’estuarien, no 51, p. 8)


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Wussten Sie schon, dass Frankreich einst einen König hatte, der einen noch heute gültigen Weltrekord aufstellte?

Na ja, ob das, was diesem König zuzurechnen ist, in qualitativer Hinsicht als Rekord einzustufen ist, ist wohl nur schwer zu definieren, aber was die Länge der Regierungszeit angeht, sind derlei Vorbehalte nicht zu machen. Da lässt sich leicht ausrechnen, dass dieser König sage und schreibe 72 Jahre auf dem Thron gesessen hat. Klar, dass er zwischendurch mal aufstehen musste, aber das gefährdet den Rekord nicht. Ach ja, bleibt noch zu sagen, dass es sich bei dem Rekordinhaber um Ludwig XIV. handelte, der von 1643 bis 1715 König von Frankreich war. Da er 1638 geboren wurde, kann man feststellen, dass er schon mit 4 Jahren auf dem Thron Platz nahm. Bei diesem Alter konnte er natürlich noch nicht richtig allein regieren, aber dafür gab es eine bei Königs in solchen Fällen gebräuchliche Lösung: es wurde eine Regentschaft eingerichtet, die in den ersten Jahren die eigentlichen Regierungsgeschäfte führte. Für die Berechnung der Regierungszeit hat er aber 1643 den Thron bestiegen, den er erst mit seinem Tod freimachte. Ludwig XIV. hatte in den langen Jahren seiner Regierung genug Gelegenheit, Spuren in der Geschichte zu hinterlassen, die hier natürlich nicht alle aufgezählt werden können. Er hat die Großmachtstellung Frankreichs erkämpft und gesichert. In seiner Regierungszeit wurde Frankreich nicht nur politisch und wirtschaftlich, sondern auch im kulturellen Bereich mit lang anhaltender Nachwirkung zur führenden Macht in Europa. Damit alle Welt sehen konnte, was für eine glanzvolle Herrschaft er ausübte, ließ er sich gern als Sonnenkönig titulieren und damit er dabei einen standesgemäßen Rahmen hatte, hat er die Schlossanlage von Versailles bauen lassen.

(UM, 20. 12. 2014)

Wussten Sie schon, was es mit den Koeffizienten in den Tabellen der Gezeiten auf sich hat?

Wenn Sie Bescheid wissen, verfügen Sie über Expertenwissen und erfahren hier nichts Neues, denn dann wissen Sie, dass in den Tabellen von Ebbe und Flut in einer gesonderten Spalte Koeffizienten angegeben werden, die etwas aussagen über die Höhe der zu erwartenden Flut bzw. Ebbe. Dieses Koeffizienten sind abhängig von der Stellung von Erde, Mond und Sonne zueinander. Wenn die Sonne und der Mond bezogen auf die Erde in Reihe stehen oder wenn sie sich, so gegenüberstehen, dass die Erde dazwischen ist, dann addieren sich ihre Kräfte mit dem Ergebnis, dass ein hoher Koeffizient zustande kommt. Wenn das nicht so ist, dann reduzieren sich die Kräfte, die auf die Fluten auf der Erde einwirken und die Werte der Koeffizienten bewegen sich nach unten. Da man berechnen kann, wann und wo Sonne, Mond und Erde in der Zukunft stehen werden, braucht man nur noch ein bisschen zu rechnen und schon hat man die Koeffizienten. Wer sich die Mühen des Rechnens sparen will, der schaut in einschlägigen Tabellen nach (s. unten).

Der nächste wirklich große Koeffizient ereignet sich am 21. März 2015 mit Fluthöhen nahe 6 m.

Der rechnerisch und theoretisch niedrigste Koeffizient hat den Wert 20. Der größtmögliche Koeffizient  hat den Wert 120. Wem der Koeffizient 119 vom 21. März nicht groß genug ist, der kann auf den nächsten Wert von 120 warten. Aber man muss sich etwas gedulden, denn das passiert erst am 25. März 2073, aber falls man dann nichts anderes vorhat ...

Hilfreich dazu:

http://marine.meteoconsult.fr/meteo-marine/soulac-sur-mer/horaires_maree_soulac-sur-mer_point__1075_3.php

 



Wussten Sie schon, dass die Inseln in der Gironde einst bewohnt waren?

Dass es Inseln in der Gironde gibt, weiß jedermann, der einmal etwa von Pauillac aus in die Gironde geschaut hat, aber wieviel von diesen Inseln es gibt, das ist nicht so eindeutig zu sagen, einfach deswegen, weil diese Inseln mancherlei Veränderungen unterworfen sind. Zur Frage der Bewohnbarkeit ist zu sagen, dass dies vor allem für die Île nouvelle gilt, die einst durch das Zusammenwachsen zweier kleinerer Inseln (île Sans-Pain und île Bouchaud) entstanden ist. Die rund 260 ha große  Île nouvelle ist ab Mitte des 19. Jahrhunderts besiedelt worden von Menschen, die auf der Insel Wein- und Ackerbau betrieben haben. In den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts zählte man bis zu 120 Bewohner, die „îlouts“ genannt wurden. Ab 1950 ging die Bewohnerzahl jedoch zurück, und in den 70er Jahren verließen die letzten îlouts die Insel, die seither unbewohnt ist, aber immer noch landwirtschaftlich genutzt wird.

                                                                                (UM, 06. 12. 2014)


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Wussten Sie schon, wohin im Südwesten Frankreichs die meisten Touristen im Jahr strömen?

Also, kein Mensch kann alles wissen und überall nachschauen, wie es mit dem Tourismus denn so aussieht, kann man auch nicht. Aber in unserem Fall ist Hilfe von den Statistikern zu bekommen und die haben ausgezählt, dass jährlich 1,9 Millionen Touristen die Dune du Pilat besuchen. Das tun sie mit Bedacht, denn dieses wahre Sandgebirge ist die höchste Düne Europas, und sie wandert immer noch. Dabei besteht sie aus 60 Millionen Kubikmeter Sand, die sich bis zu 108 m hoch auftürmen. Die Besucher sind vorwiegend Franzosen, nur 11% von ihnen kommen aus dem Ausland. Für die Nachbarschaft sind diese Besucherströme eine Menge Geld wert, denn die Touristen lassen jährlich 168 Millionen Euro an der Dune du Pilat.

(B. Dubourg: Incontournable Pilat, in SUDOUEST, 26. Nov. 2014)



Wussten Sie schon, dass das nicht weit von Blaye gelegene kleine Örtchen Bourg-en-Gironde einst Hauptstadt Frankreichs war?

Nein? Na, dann müssen Sie sich nicht grämen, denn Bourg war auch nur für ein paar Wochen, genauer zwischen dem 27. August 1650 und dem 2. Oktober 1650 der Sitz der französischen Regierung. Wer jetzt nachrechnet, um herauszufinden, welcher französische König, denn  zu dieser Zeit auf dem Lilienthron gesessen haben mag, der landet bei Ludwig XIV., dessen Regierungszeit von 1643 bis 1715 reichte. Und wer sich ein bisschen auskennt in der Geschichte dieses später zum Sonnenkönig stilisierten Monarchen, der weiß, dass der Beginn seiner Regierung überaus turbulent ablief, denn da gab es eine von verschiedenen Gruppierungen des Adels losgetretene Revolte, die die königliche Macht beschränken wollte. Diese Fronde war die Ursache dafür, dass der Hofstaat mit dem minderjährigen Ludwig XIV. aus Libourne ziemlich abrupt abreisen musste, um den Kräften der Fronde zu entkommen. Und bei diesem eigentlich wohl eher als Flucht zu bezeichnenden Unternehmen gelangte man nach Bourg, wo man in einer standesgemäßen Schlossanlage unterkam, in der dann für ein paar Wochen tatsächlich das politische Zentrum Frankreichs zu finden war. Mit einer Hauptstadt im modernen Sinne hat das aber noch nicht viel zu tun, aber in dieser Zeit bilden sich die Strukturen heraus, die zum modernen Staat führen.

(UM, 11. 11. 2014).



Wussten Sie schon, dass Frankreich weltweit in der Rangliste der Länder mit den meisten Feiertagen ziemlich weit vorn rangiert ?

Böse Zungen behaupten zwar, in Frankreich werde entweder  gestreikt oder es sei gerade Feiertag, aber zumindest bei den Feiertagen geht das kräftig an der Wahrheit vorbei. Bei einem internationalen Vergleich landet Frankreich mit 11 Feiertagen auf dem 8. Platz (zusammen mit Italien, Dänemark und China), ein wenig vor den USA mit zehn, Deutschland mit neun und Großbritannien mit acht Feiertagen. Spitzenreiter in Europa sind die Spanier, die an 14 Tagen nicht zur Arbeit müssen.

Und hier sind sie, die 11 Feiertage in Frankreich:

1. Januar, Neujahr

Ostermontag

1. Mai, Tag der Arbeit

8. Mai, Ende des 2. Weltkrieges

Himmelfahrt

Pfingstmontag

14. Juli, Nationalfeiertag

15. August, Mariae Himmelfahrt

1. Novembre, Allerheiligen

11. November, Waffenstillstnd 1918

25. Dezember, Weihnachten

(UM, 06. Okt. 2014)

 



Wussten Sie schon, wo der Wein herkommt?

Na klar, aus Flasche, Fass oder sonst einem Behältnis, doch ist das eine eher verbraucherorientierte Sichtweise, die hier nicht gemeint ist. Wenn die Frage nach der Herkunft von einem Historiker gestellt wird, dann wird es meist ausführlicher. So auch hier. Der Weinbau kommt, wie so vieles, was zum  Leben der heutigen Menschen gehört, aus dem Orient, doch diesmal nicht aus dem Zentrum des fruchtbaren Halbmondes, in dem die Menschen vor gut 10.000 Jahren erstmals planmäßig Ackerbau betrieben haben, sondern etwas nördlich aus dem Gebiet des heutigen Georgien und Armenien. Dort, so haben amerikanische Archäologen festgestellt, ist vor rund 8000 Jahren weltweit erstmals, soweit sich das heute belegen lässt, Wein produziert worden. Von dem gibt es zwar keine für Degustationen geeigneten Muster, aber Reste, die sich molekularbiologisch untersuchen lassen und damit kann man den eindeutigen Beweis führen, dass schon in der Jungsteinzeit Weinbau betrieben wurde. Aus ebenfalls gefundenen Samenkernen lässt sich feststellen, dass die damals kultivierte Weinrebe der Gattung Vitis vinifera angehört, deren Nachfahren noch heute genutzt werden. Aus dem ersten Anbaugebiet hat sich der Weinbau dann nach Mesopotamien, in den Iran und andere Regionen des Vorderen Orients ausgebreitet. Vor rund 5000 Jahren wurde in Ägypten erstmals Wein angebaut. Dann breitete sich die Kenntnis von der segensreichen Wirkung des Weins nach Westen aus und kam vor rund 2500 Jahren in den Süden des heutigen Frankreich, um sich dort dauerhaft anzusiedeln und langsam in die heutigen Anbaugebiete vorzuwandern. Heute umfassen die Weinbauregionen in Armenien 13.000 ha (etwa soviel wie im Anbaugebiet Bergerac), während in Georgien 45.000 ha für den Weinbau genutzt werden (etwa die doppelte Fläche wie im Médoc).

(vgl.: C. C.: Géorgie et Arménie : le vin originel, in : SUDOUEST, 14. Sept. 2014)


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Wussten Sie schon, warum der 14. Juli in Frankreich Nationalfeiertag ist?

Also, das Ereignis, an das der 14. Juli erinnert geschah am 14. Juli 1789 und spielte sich in Paris ab, vor der Bastille nämlich. Das war damals eine technisch längst überholte Festung, die als Staatsgefängnis diente. So schlimm, wie das später verbreitet wurde, war die Bastille nicht. Dort saßen 1789 nur wenige Gefangene ein und die speisten, wenn sie von Rang waren, sogar an der Tafel des Gouverneurs der Bastille. Schlecht ging es hingegen meist den unbemittelten Häftlingen. Gleichwohl hielt man in der Bevölkerung die Bastille für das Symbol des Absolutismus und erstürmte es, am 14. Juli 1789. Das heißt, die Erstürmung fand damals gar nicht statt, die wurde erst später erfunden. Tatsächlich übergab der Gouverneur die Festung, als sich abzeichnete, dass Gewalt angewendet würde. Er tat dies, nachdem ihm freies Geleit zugesichert worden war, doch half ihm das wenig, denn er wurde von der wütenden Menge gelyncht ebenso wie ein Wachsoldat und ein Mann, der ihnen zu Hilfe kommen wollte. Die Köpfe der Ermordeten wurden dann im Triumph durch die Strassen getragen. Insofern waren die Ereignisse des 14. Juli tatsächlich blutig. Mit den Jahren vergaß man die unrühmlichen Begleitumstände und stilisierte die Vorgänge zur Erstürmung hoch. Das war zwar eine veritable Geschichtsklitterung, doch markiert dieser 14. Juli 1789 einen ersten Höhepunkt in den revolutionären Ereignissen vom Juli 1789 und er wurde schließlich zum Tag des Ausbruchs der Revolution deklariert. Und genau 101 Jahre später, am 14. Juli 1880 wurde er zum ersten Male als Nationalfeiertag begangen, und von da an  jedem 14. Juli. Tatsächlich erinnert der Nationalfeiertag an zwei Ereignisse, die sich am 14. Juli jähren: die Ereignisse an der Bastille im Jahr 1789 und ein Jahr später an die Fête de la Fédération, bei der die Überwindung der alten Ordnung des Absolutismus gefeiert wurde. Die kombinierte Erinnerung an beide Ereignisse sicherte dem Gesetz zur Festlegung des Nationalfeiertags auf den 14. Juli ein breite Mehrheit in der Nationalversammlung, doch denkt man heute meist nur noch an den 14. Juli 1789.

                                                                                 (UM, 25. Juli 2014)





Wussten Sie schon, wo Sie im Médoc mehr als 300 Stufen bewältigen können ?

Klar, es gibt nicht viel Auswahl, hier kommt nur der Leuchtturm von Cordouan in Frage, bei dem hat man tatsächlich die Chance, 311 Stufen in geradliniger Folge zu ersteigen. Er steht kurz davor, als UNESCO-Weltkulturerbe eingestuft zu werden, was ihm aber vermutlich relativ egal sein dürfte, dafür hat er schon zu viel erlebt. Und dies nicht zuletzt deswegen, weil er es jährlich mit rund 25.000 Besuchern zu tun hat, die zwischen dem 1. April und dem 30. Oktober von 7 Booten unterschiedlicher Größe und von beiden Ufern der Gironde herangeschafft werden. Der Leuchtturm selbst ist 67 m hoch. Er steht auf dem Rest einer felsigen Plattform, die 70 Algenarten Lebensraum bietet und dazu 230 Arten von Tieren. Das Leuchtfeuer an der Spitze des Bauwerks reicht 36 km weit, bei guter Sicht, versteht sich. Das unverwechselbare Signal des Leuchtturms sind die Abdunklungen pro Periode von 12 Sekunden.

                                                                              (UM, 05. Juli 2014)

 


Wussten Sie schon, dass es im Médoc eine Gemeinde gibt, die schuldenfrei ist?

Wir hatten diese Meldung schon mal in einer Redaktionssitzung auf dem Tisch, haben sie damals wegen der Nähe zum 1. April aber zurückgestellt. Da diese Vorsicht nicht mehr gefordert ist, können wir melden, dass die Einwohner dieser glücklichen Gemeinde in Vensac zu Hause sind. Kompliment.

Das Thema Schulden existiert natürlich auch für andere Gemeinden im Médoc: Wir bringen die Zahlen (Schulden pro Kopf der Einwohner in Euro) für einige ausgewählte Gemeinden.

Grayan: 247 €; Saint-Vivien : 942 € ;  Le Verdon : 1 195€ ; Vendays-Montalivet: 3 216 € ; Soulac : 5 340 € ; 

Die Gemeinden, die hier noch aufgeführt werden könnten, sind alle mehr oder weniger kräftig verschuldet, auf jeden Fall höher als Vensac und Grayan.

                                                                                 (UM, 28. 04. 2014)




Wussten Sie schon, was Sie anlegen müssten, wenn Sie Bordeaux kaufen wollten?

Also, eigentlich muss das wohl niemand wirklich wissen, denn wer will schon eine ganze Stadt kaufen, auch wen sie so einherkommt wie Bordeaux? Aber wenn doch, dann müsste der Käufer 35 Milliarden Euro auf den Tisch legen. Das hat jetzt der Wirtschaftswissenschaftler und Historiker Patrice de Moncan ausgerechnet. Eigentlich gut, dass das jetzt heraus ist. Dann kann man wenigstens ausrechnen, wie lange man noch sparen muss. Und außerdem könnte man sich auf das Gefühl vorbereiten, das man wohl haben wird, wenn einem alle Parkplätze gehören.

(UM, 17. 04. 2014)


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Wussten Sie schon, was an diesem Bild nicht in Ordnung ist?


Na klar, hier hat sich ein Fotograf bemüht, so viele Fehler zu machen, wie man normalerweise in einem einzigen Schnappschuss nicht unterbringen kann.
Deswegen zeigen wir das Bild aber nicht. Konzentrieren Sie sich bitte auf die Schärpe, die in diesem Fall ein Bürgermeister bei einer Eheschließung trägt. Sehen Sie jetzt, wo das Problem liegt? Nein, na, dann haben Sie sicher noch nicht in Frankreich als Bürgermeister gearbeitet. Deswegen helfen wir ein bisschen.
Also es ist richtig, dass Monsieur le Maire bei einer Eheschließung eine Schärpe trägt. Muss er sogar, sonst wissen nicht alle, wo gerade der Bürgermeister ist. Dabei hat er die Wahl, ober er sie diagonal als Schärpe oder quer als Bauchbinde trägt. Unser Maire hat sich für die Schärpe entschieden, aber entweder war er in Eile oder irgendetwas anderes hat ihn abgelenkt. Eigentlich müsste er die Schärpe von oben auf der rechten Schulter zur linken Körperseite hin tragen und dann so, dass der blaue Streifen am Hals anliegt. Das gilt für Links- und Rechtshänder gleichermaßen.
Wer die Bauchbinde vorzieht, muss darauf achten, dass der blaue Streifen noch oben zeigt.
Wer meint, dass er dazu noch mehr wissen muss, bitte hier:

Dekret n° 2000-1250 du 18 décembre 2000 (Journal officiel du 23 décembre 2000).

Nicht geklärt, aber bestimmt eine Doktorarbeit wert ist die Frage, ob eine mit falsch angelegter Schärpe geschlossene Ehe wirklich rechtsgültig besteht. Nicht ganz sicher, oder?

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Hier gibt es noch mehr Artikel unter der Fragestellung Wussten Sie schon? 

http://www.medoc-notizen-seite-2.medoc-notizen.de/15.html