Die Ruinen von Brion

(Überarbeitung: 9. Mai 2014)

Auf dem Gebiet des zur Gemeinde Saint-Germain d'Esteuil gehörenden Brion befinden sich interessante Ruinen, die im wesentlichen auf eine gallo-römische Stadt zurückgehen, die im 1. Jahrhundert n.Chr. angelegt wurde.  Der Name dieser Stadt ist bis heute nicht geklärt, manche nehmen an, es handle sich um das von antiken Geographen genannte Noviomagus, das sich in der Gegend der heutigen Ruinen befunden haben könnte. Gesichert ist das allerdings nicht. Die antike Stadt lag auf einer kleinen Erhebung an einer heute trockenen, damals sumpfigen  Niederung. Während man früher annahm, in Brion habe es eine Art Hafen gegeben, ist man nach genaueren Untersuchungen nicht mehr so sicher, dass es in der Antike eine direkte Wasserverbindung zur Gironde gab.



Eine Karte, die die Verteilung von Land und Wasser im Bereich des heutigen Médoc zur Römerzeit zeigt. Wir haben die heutige Küstenlinie rot eingezeichnet und den Ort der Ruinen bei Brion durch ein rotes Kreuz markiert.



Eine Übersichtsskizze des Ausgrabungsgeländes, das wir von Norden nach Süden  begehen werden. Von der einstigen Ansiedlungen sind nur kleine Flächen intensiv ergraben worden. Inzwischen hat man aber mit modernen Sondierungsmethoden eine gute Vorstellung von der Ausdehnung und vom Aussehen der einstigen Anlage.


Ein Tempel mit einem quadratischen  Innenraum (Cella) von 12 m Seitenlänge,  der von  einem ca. 4 m breiten Säulengang umgeben wurde.



Die Cella. Das rechts sichtbare Gitter ist angebracht worden, um einen von den Archäologen gegrabenen Schacht zu schützen, den man angelegt hat, um festzustellen, wie weit die Fundamente des Tempels reichten.

Ein Rekonstruktionsversuch des Tempels, der dem tatsächlichen Aussehen des antiken Baus ziemlich gut entsprechen dürfte. Der Tempel ist verglichen mit heutigen Gebäuden, die religiösen Zwecken dienen, relativ klein.  Dabei  muss aber bedacht werden, dass griechische und auch römische Tempel nicht für die Gläubigen zugänglich waren. Der Tempel diente als Wohnsitz eines Gottes, dessen Statue in der Cella aufgestellt wurde. Zu der Cella hatten nur Priester Zugang. Religiöse Handlungen, in erster Linie Opfer,  fanden an Altären statt, die vor den Tempeln standen. 


Grundmauern eines Hofgebäudes


Grundriss dieses Gebäudekomplexes. Die schwarz gezeichneten Mauerlinien sind auf dem Foto darüber zu sehen. Die rechts davon sichtbaren grünen Linien verweisen auf Mauern, die noch von der Erde bedeckt sind. Sie gehören einer Besiedlung an, die vor der gallo-römischen geschah.


Rekonstruktionsversuch des Hofes. Auch hier ist die Übereinstimmung mit den Originalgebäuden ziemlich groß.



In dem dritten Grabungsbereich, dem antiken Theater,  hat sich im Mittelalter eine Überbauung durch eine Burganlage ereignet, deren Mauereste hier zu sehen sind.  Die verwendeten Steine stammen zum größten Teil aus dem antiken Theater.


Ein Originalgewölbe des antiken Theaterbaus, dessen Gesamtheit teilweise nur schwer zu erkennen ist.


Rekonstruktionszeichnung des Theaterbaus. Wegen des flachen Geländes musste der Bau allseitig aufgemauert werden. Aus den Dimensionen ergibt sich ein Platzangebot  für 3000 Besucher, was Rückschluss auf die Einwohnerzahlt der gallo-römischen Stadt und auch  des Umlandes zuläßt.


In den letzten Jahren sind in kleinerem Umfang Maßnahmen zur Sicherung der Überreste des Theaters durchgeführt worden.



Ein wiederhergestellter Treppenaufgang, durch den früher die Zuschauer auf die nicht mehr vorhanden Sitzränge gelangten.


Der äußere Mauerkranz des Theaters, der aus einem Wechsel von behauenen Kalksteinen und von zur Auflockerung des Bildes eingefügten Ziegelreihen gebildet wird. In der rechten Bildhälfte sieht man eine nachträglich angebrachte Stützmauer, mit der die Außenwand des Theaters gesichert werden musste, weil sie abzukippen drohte.


In geringer Entfernung des Theaters befindet sich ein Steinbruch, in dem unter anderem Mühlsteine gebrochen worden sind. Im Vordergrund ist ein halbfertiger Mühlstein zu sehen, der aus unbekannten Gründen nicht vollendet wurde. Die Zeit, in der der Mühlstein angefangen wurde, ist nicht eindeutig zu bestimmen. Mögliche Datierungen reichen von der Antike bis ins Mittelalter.