Golo berichtet

Aktuelles aus Euronat

Also, mal ehrlich gesagt, jemand mit meiner Statur hat es in Euronat wirklich paradiesisch. Und wer von meinen Artgenossen nicht hier sein kann, der verpasst wirklich eine ganze Menge. Aber, wie das so ist, nicht alles ist super-optimal. Ich finde es super, dass es einen Hundestrand gibt, an dem man sich  trifft und wo es einem wirklich gut geht. Ich hab da richtig gute Kumpels, mit denen ich mich prima verstehe. Allerdings gibt es auch ein paar zickige Hundemädchen, die mich oft ankeifen, wahrscheinlich weil ich so groß  und immer im Turbomodus unterwegs bin. Das kann ich gut ab, weil ich mir leicht vorstellen kann, wie es ist, wenn man nicht so viel Dampf drauf hat wie ich. Na ja, man kann nicht alles haben. Anstrengend finde ich es allerdings, dass seit ein paar Jahren der Trend zum Mikrohund geht. Die sind so klein, dass man nicht immer gleich rauskriegt, wo vorne und hinten ist, und dann muss man aufpassen, dass man nicht drauftritt. Das will ich ja nicht, aber es ist ganz schön anstrengend.

Gut haben kann ich es, wenn gesagt wird, dass ich ein richtig schöner Hund bin. Das kann ich inzwischen in Französisch, Deutsch, Niederländisch, Englisch, Italienisch, Spanisch  und Russisch aufsagen. Mal sehen, wann Chinesisch dazukommt.

Nicht immer gut haben kann ich aber, wenn gefragt wird, was für ein Mix ich denn bin. Richtig lustig fand ich, als vor einigen Tagen ein kleines Kind auf mich zeigte und fragte: „Mama, ist das ein Wildschwein?“ Mama wusste Bescheid und hat aufgeklärt.

Und das will ich jetzt auch mal machen. Also, ich bin ein Deutscher Schäferhund mit Vorfahren, die sich über viele Generationen zurückverfolgen lassen. Den meisten Leuten, die solche Fragen stellen, macht wohl meine Farbe zu schaffen. Die ist aber eigentlich nicht so ungewöhnlich, denn es gibt neben meinen schwarzgelben oder schwarzbraunen Verwandten auch solche, die rein schwarz sind, wie z. B. mein Vater. Wer das noch immer nicht beruhigend findet, dem kann ich sagen, dass ich mit Jule und allen anderen Schäferhunden, die vor mir mit meiner Obrigkeit gelebt haben, ziemlich und richtig verwandt bin.

Jetzt muss ich aber mal eben Besuch anmelden und einen Schlusspunkt setzen. Ich lasse bald wieder von mir hören.

                                                                                            (1. Okt. 2016)




Golo berichtet

Nicht mehr in Euronat

Wer aufgepasst hat, weiß, dass wir seit Mitte Oktober unseren Standort im Médoc geräumt haben und, wie man so sagt, unsere Zelte weit entfernt aufgeschlagen haben. Nur, so frage ich schon seit längerem, was bringt so etwas? Und was wird aus den Strandspaziergängen? Und wer jagt die Möwen am Strand? Aber, es nützt ja nichts, wir sind nicht mehr im Médoc, wenn es auch kein vernünftiges Argument dafür gibt. Meine Obrigkeit sagt zwar, dass wir bald wieder losfahren, aber bis dahin vergehen schon ein paar Wochen, die man irgendwie rumkriegen muss.  Ich muss allerdings zugeben, dass meine Obrigkeit sich etwas ausgedacht hat, was mir richtig Spaß macht. Ich lerne nämlich so einige Dinge, die was mit Benimm und Manieren und mit Begriffen wie Fuß, Sitz, Platz etc. zu tun haben, und das macht richtig was her, weil man da immer gelobt und gekrault wird und auch Leckerchen kriegt, die man sonst nicht bekäme. Also, wenn man mich fragt, Ausbildung ist gut, und wir machen da auch weiter. Ansonsten warte ich darauf, dass ich erwachsen werde, meine Obrigkeit übrigens auch. Dabei war das Ding neulich mit dem Sicherheitsgurt in unserem Auto eigentlich nicht böse gemeint. Ach, Sie wissen das noch nicht?

Na, dann muss ich etwas ausführlicher werden, auch wenn ich da vielleicht nicht so gut wegkomme. Also, um es kurz zu machen, ich habe einen Sicherheitsgurt in unserem Auto halbiert, wohl nicht exakt und mathematisch genau, aber das Ding besteht jetzt aus zwei Teilen, die früher mal zusammengehörten. Wenn Sie nicht glauben, dass ich so was kann, dann lassen Sie sich das mal von meinem Chef erklären. Der weiß, warum das geht. Der hat nämlich gesagt, dass Hunde von Natur aus ein Scherengebiss haben, bei dem die Backenzähne rasiermesserscharf alles kurz und klein schneiden, was sie zu fassen kriegen. Natürlich nur, wenn sie das wollen. Und dahinter steckt eine Sache, die mit meinen Vorfahren zu tun hat. Das waren nämlich Fleischfresser, und die brauchten so ein Gebiss, damit sie satt wurden. Kauen konnten und wollten die übrigens nicht, bei denen kam es darauf an, möglichst schnell etwas in den Bauch zu kriegen, was dann nachher verdaut werden konnte. Und genau dafür ist so ein Scherengebiss richtig zweckmäßig. Wenn Sie jetzt bei dem Hund auf dem Sofa ihres Nachbarn nachsehen wollen, ob das mit dem Scherengebiss stimmt, dann kann es sein, dass sie nicht fündig werden. Nur wenn sich die Kieferform unserer Vorfahren erhalten hat, sieht man diese Scherengebisse noch, wobei man schon sagen muss, dass die Menschen mit ihren Zuchtmanipulationen nicht immer den Respekt vor der Schöpfung gezeigt haben, den man ihnen hätte wünschen sollen. Aber das ist ein weites Feld, das wir hier nicht weiter aufrollen können.

Ich muss jetzt muss übrigens mal weg, bei uns an der Tür tut sich was, da ist mein Kommentar gefragt. Mache ich so, dass es keiner überhört.

                                                                                     (6. Jan. 2016)

 






Golo berichtet

Ein Jahr Euronat

Also, wie ich gehört habe, gibt es Euronat ja schon seit 40 Jahren, aber, wie sich jeder denken kann, das war lange vor meiner Zeit. Ich will mal realistisch sein und nur über das reden, was ich wirklich und selbst erlebt habe.

Meine ersten Euronat-Erlebnisse habe ich im letzten Jahr gehabt, und zwar im Juli, weil genau da meine Obrigkeit, nachdem sie mich abgeholt hatte, mit mir in meine neue Behausung gefahren ist. Dass die in Euronat lag und nur ein paar Minuten vom Atlantik entfernt war, habe ich damals noch nicht gewusst, was man aber verstehen kann, weil ich ja noch klein war und weil meine Obrigkeit mit irgendwelchem Zeug zu tun hatte, das ihn irgendwie mächtig beschäftigt hat. Also, wenn ich ehrlich bin, der hätte sich lieber mit mir beschäftigen sollen, dann hätten wir mächtig Spaß gehabt, aber das sag ich mal nicht so laut, denn irgendwie war das, was meine Obrigkeit da gemacht hat, schon wichtig und richtig, auch wenn es ein paar Leute gibt, die das nicht kapieren können. Aber das ist nicht mein Problem, ich kann schließlich positiv denken, sagt meine Obrigkeit.

Also, wenn ich mal daran denke, was meine Kumpels und Verwandten erzählen, die jetzt gerade nicht in Euronat sind, dann weiß ich, dass die richtig neidisch sind. Na ja, die gönnen mir das schon, aber sie sagen doch, dass das mit dem Paradies und Euronat irgendwie schon stimmt. Denn wo, bitte schön, gibt es auf dieser Welt einen Hundestrand? Richtig, den einzigen wirklich und real existierende Hundestrand nördlich des Äquators, den gibt es in Euronat. Hätten Sie das gewusst? Ich jedenfalls nicht, also vor einem Jahr meine ich, als ich zum ersten Mal hier in Euronat war. Jetzt weiß ich ja Bescheid, aber ich kann schon sagen, meine Obrigkeit hat das richtig gut gemacht, dass sie mich mitgenommen hat nach Euronat.

Das, was man da am Hundestrand erlebt, ist wirklich super, heute sagt man wohl eher cool. Da gibt es z.B. kein einziges Auto, das stinkend und gefährlich schnell Angst und Schrecken verbreitet. Das heißt, dass unsereins wirklich überall Vorfahrt hat. Und wenn man dann seine Kumpels trifft, dann muss man nicht auf irgendeine blöde Ampel oder so etwas achten, sondern man kann richtig durchstarten. Platz dafür ist ja da, in alle Richtungen. Und noch was: die meisten Leute, die da am Hundestrand entlangpromenieren, auch die ohne Hund, die haben was für unsereins übrig. Ein paar, die gucken schon mal blöd, wenn wir so richtig loslegen. Da fragt man sich dann allerdings, warum die gerade am Hundestrand rumlaufen müssen. Wahrscheinlich, weil sie da was finden, worüber sie sich aufregen können.

Und dann gibt es da noch ein paar Leute, die da mit Hunden an der Leine rumlaufen, Gott sei Dank wenige, die können nicht kapieren, dass wir Hunde eine eigene Art haben, miteinander umzugehen. Die tun dann so, als ob ihre Hunde viel zu fein sind, um mit uns zu toben. Na ja, machmall legen wir schon richtig los, aber das ist ganz in Ordnung, denn wir müssen uns ja auch irgendwie verwirklichen, was wir gut und gerne machen. Und dabei geht es uns richtig gut.

Das einzige, was ich wirklich nicht gut finde ist, dass meine Obrigkeit klammheimlich anfängt zu packen. Sieht so aus, dass es bald nix mehr ist mit Euronat. Aber ich geh mal davon aus, dass wir nicht lange weg sind. Ich versteck schon mal ein paar besonders gute Stöckchen, fürs nächste Jahr, versteht sich. Also, wenn sie eins davon finden, liegen lassen, ich kümmere mich demnächst darum.

Alles Gute und bis bald. Ich melde mich, sobald es wieder etwas zu berichten gibt.





Golo berichtet

Geburtstag im Médoc

Haben Sie schon mal Geburtstag im Médoc gehabt? Also ich nicht, für mich war das eine Premiere. Das hab ich von meiner Obrigkeit, denn was so eine Premiere sein soll, weiß ich nicht so ganz richtig. Aber was ein Geburtstag ist, das weiß ich seit gestern. Da hat meine Obrigkeit mir gesagt, jetzt sei ich ein Jahr alt und damit kein Welpe mehr. Na, das wusste ich schon vorher, denn immer wenn ich in den letzten Wochen auf die Waage gegangen bin, dann hat der Zeiger ganz schön was zu tun gehabt, und das ist ja wohl ein Zeichen dafür, dass ich schon eine richtig ganze Person bin. Also ich fühl mich schon richtig groß, obwohl meine Obrigkeit da wohl manchmal anderer Meinung ist. So war das neulich, als er mir gesagt hat, eine Fernbedienung sei kein Spielzeug für mich. Versteh ich nicht, das Ding ließ sich richtig gut durchkauen, auch wenn es danach irgendwie platt und wohl ein bisschen kürzer war. Fand ich gar nicht schlimm, ich brauch keine Fernbedienung, weil ich überall selbst hin kann. Na, meine Obrigkeit blieb da stur anderer Meinung und sagte, ich sei der erste Hund in der Familie, der eine Fernbedienung auf dem Gewissen hätte. Na, ob das so schlimm ist? Ich kann jedenfalls sagen, dass die Fernbedienung mehr Spaß gemacht hat als der Taschenrechner, den ich danach probiert habe. Der taugte gar nichts, weil, der war schon zu Anfang ganz platt und niedrig. Da war gar nichts, wo man so richtig was zusammenquetschen konnte. War irgendwie frustrierend, aber ich hab mir nichts anmerken lassen, ich wollte meiner Obrigkeit ja schließlich nicht den Abend verderben.

Aber ich wollte ja eigentlich was von meinem Geburtstag erzählen. Mache ich jetzt. Also, das war irgendwie schon so, dass man das gut finden musste, denn zum Frühstück gab es Hähnchenschnitzel, und um die muss man ja nicht unbedingt einen Bogen machen. Hab ich auch nicht, aber ich hab mich zusammengerissen und mich nicht gierig gezeigt. Kam gut an, denn meine Obrigkeit hat nachher erzählt, dass ich nicht so verfressen sei wie meine Vorgänger, und das hat dann vielleicht die Sache mit der Fernbedienung und dem Taschenrechner etwas abgefedert.

Außer dem Hähnchenschnitzel habe ich ein neues Halsband gekriegt, Edelstahl, und extragroß, damit mein Kopf da durch passt.

Aber das eigentliche Ereignis an meinem Geburtstag war, dass wir zwei Strandgänge gemacht haben. Richtig gut mit vollem Programm, und wir haben welche von meinen Kumpels getroffen, mit denen konnte ich meinen Turbo so richtig loslassen. Also, Geburtstag ist eine gute Einrichtung, sollte man öfter und am besten regelmäßig machen. Meine Obrigkeit sagt zwar, das das nicht geht, aber richtig überzeugt hat er mich nicht. Jetzt warte ich erstmal ab, wann wieder Geburtstag ist.

 







Golo berichtet

Also, das Internet ist ja an sich nicht mein Ding, wäre ja auch irgendwie komisch, wenn ich mit meinen zugegeben nicht mehr sehr zierlichen Pfoten eine Tastatur bedienen sollte. Oder wenn ich mit einer Maus rummachen sollte. Für Mäuse hab ich schon ein Programm, aber das geht für die Mäuse nicht gut aus.

Aber auch wenn ich das nicht will, das Internet drängt sich schon in mein Leben, nämlich weil meine Obrigkeit davon nicht lassen will. Kann er auch wohl schlecht,  weil er da etwas angefangen hat, das losgegangen ist, als es mich noch nicht gab. Solange ich regelmäßig gekrault werde und auch sonst zu meinem Recht komme, bin ich mal nicht so, da lass ich mal zu, dass es bei uns mit der Computerei und dem Internet manches gibt, was anderenorts nicht so üblich ist.

Und weil ich das zulasse, kriege ich auch ziemlich viel von dem mit, was da so per Internet und Email, und wie das ganze Zeugs heißt, bei uns ankommt. Manchmal ist meine Obrigkeit zufrieden, manchmal auch nicht, wenn er das gesehen hat, was sich da bei uns eingenistet hat. Fast regelmäßig höre ich dann allerdings, dass er sagt, dass das Internet im Médoc eine Veranstaltung von Lahmen ist. Wenn er zum Beispiel seine Zeitung herunterlädt dauert das zwei bis drei  Minuten. Und wenn er das hochlädt, was am nächsten Tag in den Médoc-Notizen stehen soll, dann gehen da schon mal 10 bis 15 Minuten drüber hin. Da, wo wir vorher waren, ging das in vier bis fünf Sekunden ab.

Meine Obrigkeit meint allerdings, das müsste man irgendwie schon verstehen, denn wir wären hier wirklich am A.., nein das mag ich nicht schreiben, also am Ende der Welt, denn ein paar hundert Meter weiter gäbe es nur Seesterne, Seehunde, und sonstiges Wassergetier, und die wären ja wohl keine Internetkunden. Stimmt irgendwie, macht aber das Internet an den Rändern des Médoc nicht schneller. Ist aber vielleicht gar nicht so schlimm, für mich nämlich, denn so komme ich so zu manchem Spaziertrip, der nicht passieren würde, wenn das Internet beim Hoch- oder Runterladen nicht so eklig langsam wäre.

Also, wir bleiben erstmal beim Internet, bis sich vielleicht etwas Besseres findet.

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Golo berichtet

Abschied vom Médoc

Wer sich daran erinnert wie groß ich war, als ich zum ersten Male im Médoc war und wer mich jetzt sieht, der weiß, das ich den größten Teil meines bisherigen Lebens im Médoc zugebracht habe, und das eigentlich für einen erstrebens- und bewahrenswerten Zustand gehalten habe.

Irgendwann kriegten meine Leute aber die Unruhe und schleppten allerhand Sachen in das Wohnmobil und schwupp, eines Sonntagmorgens, ging es los. Also was dann kam, war für jemand wie mich, der schon von Kindesbeinen an weiß, wie sich das in einem Wohnmobil reist, nichts Besonderes, beinahe schon Routine.

Aber als wir dann ankamen und meine Obrigkeit sagte, Golo da wohnen wir, wenn wir nicht im Médoc sind, da habe ich erstmal ordentlich hingeguckt, aber bevor ich damit fertig war, bugsierte mich meine Obrigkeit schon in ein Haus, dass ziemlich anders war, als das , was ich bis dahin kannte. Also, ich will nicht alles aufzählen, aber so ein paar Sachen haben mich schon besonders interessiert. Das erste, was mir auffiel, war, dass es da ganz viele Hunde gab. Die hab ich natürlich lautstark begrüßt und gebellt, dass die Wände gewackelt haben. Meine Obrigkeit hat mich ganz komisch angeguckt und gefragt, ob ich richtig hingeguckt hätte. Hatte ich nicht, denn die vielen Hunde sahen alle aus wie ich, sie rochen nach nix und spielen konnte ich mit denen auch nicht. Richtig blöd. Hat meine Obrigkeit mir gesagt, dass ich  Spiegel angebellt hatte. Na gut, aber wie soll ich wissen, wie ein Spiegel funktioniert. Inzwischen kann ich an diesen Spiegeln vorbeipromenieren und mich nicht mehr aufregen, aber irgendwie hat das schon Spaß gemacht. Na ja, ansonsten gab in meinem neuen Zuhause noch einiges zu berichten, aber das mach ich beim nächsten Mal. Jetzt muss ich mal für kleine Jungen, wenn Sie wissen, was ich damit meine.

                                                                                                  (29. 10. 2014)






Golo berichtet

Probleme mit Hundekuchen

Also, Hundekuchen sind ein gute Sache, und große Hundekuchen sind noch besser. Meine Obrigkeit hat so was und ich bin ganz dafür, dass ich davon möglichst regelmäßig etwas kriege. Allerdings auch hier weiß ich schon, dass es kaum etwas gibt, was nicht auch seine Tücken hat. Und bei Hundekuchen sind die besonders ärgerlich. Wenn man so einen Leckerbissen verputzen will, dann kracht das ganz ordentlich, die Dinger sind nämlich richtig hart, und wenn man das auf einer Holzterrasse macht, dann fällt eine Menge von dem, was ich da  krachen lasse, krümelnd durch die Ritzen der Terrasse und ist weg. Finde ich gar nicht gut, und deswegen wollte ich heute Abend mit dem leckeren Hundekuchen ins Haus, weil da nix durch irgendwelche Ritzen nach unten fallen  kann und weg ist. Hab ich mich also vor die Haustür gesetzt (normalerweise bin ich um die Zeit noch auf der Terrasse und passe auf, dass meine Obrigkeit im Nebenzimmer fleißig am Computer ist) und deutlich gezeigt, dass ich rein wollte. War aber nix. Meine Obrigkeit hat einen Teppichläufer, der draußen lag hereingeholt in meinen Bereich und gesagt, na, ist das eine Idee? Hab ich sofort verstanden und mich mit meinem Leckerbissen auf den Teppich gelegt und bald war auch der letzte Krümel verputzt. Und wer aufgepasst hat, der weiß, dass nix durch die Terrassenritzen fallen konnte, weil ich ja auf dem Läufer lag. Meine Obrigkeit war ganz weg, hat er gesagt, ich bin auch ein schlauer Hund, genauso wie Jule, die wusste das auch mit den Ritzen und so. Aber Jule kenn ich nur vom Erzählen und dann denk mich mir, dass meine Obrigkeit mich gerade richtig gelobt hat. Find ich auch richtig, denn  das Problem mit den Hundekuchen ist wirklich eins. Aber wenn man weiß, wie man das lösen kann, dann fällt kein Krümel nach unten, den ich nicht kriegen kann. Und danach hat meine Obrigkeit zu unserem Frauchen gesagt, wir haben wieder einen Hund, der schlussfolgernd denken kann. Das ist mir allerdings ein bisschen zu hoch, aber, da bin ich sicher, es war gut gemeint, und loben lassen kann man sich eigentlich gar nicht genug, oder?


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Golo berichtet

Meine erste Reise ins Médoc

Wo es losging, hab ich schon erzählt, aber wie es losging noch nicht. Also, da kam meine neue Meute nach Monstab und hat mich mitgenommen. Nicht einfach so, sondern da gab es erst einige Formalitäten, und, fand ich besonders wichtig, ein großer Sack Futter kam mit. Dann hat mich mein neuer Meutenführer auf den Arm genommen, was ich ganz angenehm fand und mir gut zugeredet. Dann hat er mich in ein Ding gesetzt, so eine Art Hütte auf Rädern, von dem ich später gehört habe, dass man dazu Wohnmobil sagt. Und das war richtig gut, denn da gab es was zu futtern. Und nach einiger Zeit ging es los. Wer jetzt denkt, ich hätte geschnieft und gedruckst, weil ich doch von meinen Geschwistern weg musste, der hat sich geirrt, denn meine Geschwister, besonders meine dickeren Brüder, das waren richtige Flegel, die immer rumgerüpelt haben. Da geht es in meiner neuen Meute viel besser. Die haben mich gleich zu Anfang  richtig betüttelt und hier und da gekrault, und das ist wirklich gut. Na und dabei hab ich gar nicht gemerkt, dass wir schon gefahren sind. Erst ganz langsam, denn mein Meutenführer hat gesagt, dass der kleine Kerl, damit hat er mich wohl gemeint, sich langsam an das Autofahren gewöhnen soll. Hab  ich dann auch prompt gemacht, und dabei gar nicht gemerkt, dass es da was zu gewöhnen gab. Und dabei haben sie, nicht immer, aber ziemlich oft, Golo gesagt. Damit war ich gemeint, wie ich inzwischen weiß, denn so heiße ich. Musste ich aber erst mal raushaben. Und Pausen haben wir gemacht, eine nach der andern, denn so hat mein Häuptling gesagt, ich müsste ja schließlich mal für kleine Jungen, wenn Sie wissen, was damit gemeint ist. Und dann gab es ein Gewitter, nicht so eins, wo man gar nicht hinguckt, sondern eins, bei dem es geblitzt und gekracht hat, dass man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte. Fand ich aber gar nicht schlimm, denn, sagt mein Häuptling, ich hab Nerven wie irgendwas ganz Dickes. Soll wohl stimmen, denn Angst hab ich wirklich nicht, vor gar nix. Und dann haben wir angehalten und gefuttert und geschlafen, na, wie man das so macht, wenn man unterwegs ist. Irgendwann redeten die Leute dann so, dass ich gar nichts mehr verstanden habe, das war Französisch, wie mir mein Häuptling erklärt hat. Aber mit den Hunden, die ich gesehen und gesprochen habe, gab es auch in Französien oder wie das heißt, kein Problem, da sind wir schon viel weiter als die Menschen. Wenn wir mit der Rute bestimmte Bewegungen machen, dann weiß jeder, der hinguckt, ganz egal wo man ist, aha, da ist einer, der ist gut drauf. Und wenn man bellt, muss man hinhören, dass kann allerhand Verschiedenes bedeuten. Na, so ist das eben. Uns so sind wir immer weiter gefahren, bis wir über eine ganz, ganz große Brücke gefahren sind, unter der Schiffe durchfuhren. Da hat mein Häuptling gesagt, gleich sind wir im Médoc. Waren wir auch tatsächlich, aber bis wir am Ziel waren, das hat noch was gedauert. Aber davon erzähl ich beim nächsten Mal.

                                                                                   (Golo M. 07. Aug. 2014)

 





Golo berichtet

Meine erste Reise ins Médoc

Also, dass ich Golo heiße und wie ich aussehe, das wissen inzwischen die meisten unserer Leser. Nicht ganz klar ist vielen aber, was ich noch so vorhabe und wo ich herkomme. Zeit, dass ich dazu mal was sage. Also, ich bin dabei zu wachsen und wenn das mal aufhört, dann wird man sehen, dass ich ein richtiger deutscher Schäferhund bin mit allem was dazugehört. Anders als meine mehr oder weniger weitläufige Verwandtschaft werde ich ziemlich dunkelgrau mit ordentlichen schwarzen Stellen sein. Mein Vater ist übrigens richtig schwarz von vorn bis hinten. So, nachdem das heraus ist, erzähle ich mal, wo ich herkomme und wie ich ins Médoc gekommen bin. Ich bin in Monstab geboren worden, und da weiß gleich jeder, wo das liegt. Oder doch nicht? Das ist ein kleines Örtchen im Landkreis Altenburger Land. In Altenburg wurde übrigens das Skatspiel erfunden und nachher jede Menge Spielkarten gedruckt. Wer jetzt einen Atlas holt, der sollte Leipzig suchen und dann rund vierzig Kilometer nach Süden gehen, dann ist er in Altenburg, und sechs Kilometer weiter kommt er nach Monstab. Ich bin übrigens Thüringer, falls danach gefragt wird. Und wer dazu nichts weiß, das ist da, wo die weltbesten Bratwürste gemacht werden. Da wir gerade bei diesem Thema sind: ich muss mal weg zum Mittagessen, und wenn ich danach ausgeschlafen bin, erzähle ich wirklich, wie ich ins Médoc gekommen bin.

(Golo M. 04. 08. 2014)




Jule berichtet

Also, Weihnachten ist auch bei uns etwas Besonderes und noch besonderer sind Weihnachtsgeschichten. Neulich habe ich eine gehört, die leider nicht von mir ist, aber ich habe sie richtig gut behalten. Hier ist sie:

 

Weihnachtsgeschichte

In einem kleinen Städtchen im Médoc gibt es ein Postamt, und in diesem Postamt arbeitet ein Beamter, der, wenn er Zeit hat, sich um die Briefe kümmert, die aus irgendwelchen Gründen nicht zu ihrem Empfänger gelangen, zum Beispiel, weil die Adresse falsch oder unvollständig ist. Im letzten Jahr hielt er einen Brief in Händen, auf dem in zittriger Schrift stand: "An den lieben Gott."

Klar, dass so eine Adresse einen wackeren Postbediensteten vor Probleme stellt. Unser Beamter beschloss, den Brief zu öffnen, vielleicht gab es drinnen ja noch Erkenntnisse, die der Zustellung förderlich wären.

Er las: „Lieber Gott, ich bin eine Witwe von 93 Jahren und habe nur eine kleine Pension. Gestern hat man mir meine Handtasche gestohlen. Darin waren 100 Euro, das letzte Geld, das mir blieb bis zur nächsten Pensionszahlung. Am kommenden Sonntag ist Weihnachten, und da habe ich zwei meiner besten Freunde zum Essen eingeladen. Ohne Geld bin ich nicht in der Lage, die Einkäufe zu machen, die für das Essen nötig sind. Ich habe keine Familie, die mich unterstützen könnte, deshalb bist Du meine einzige Hoffnung. Kannst Du mir bitte helfen?  Hochachtungsvoll, Edna, 66, rue Jean-Talon, apt. 2, 33421 Vollois“

Der Beamte war gerührt. Er zeigte den Brief seinen Kollegen, und alle wollten helfen. Sie gaben jeder ein paar Euro, und nach dem Rundgang durch seine Dienststelle hatte unser Beamter 96 Euro zusammen. Er war richtig stolz und zufrieden und steckte das Geld in einen Brief an die arme Frau.

Den ganzen übrigen Tag fühlten der Beamte und seine Kollegen sich richtig wohl, weil sie ja bestimmt etwas Gutes getan hatten.

Ein paar Tage nach Weihnachten kam ein Brief, wieder an den lieben Gott, wieder von Edna. Alle Beamten umringten neugierig ihren Kollegen, als der den Brief aufmachte. Er las vor:

„Lieber Gott, Wie kann ich Dir danken für alles, was Du für mich getan hast? Dank Deiner Großzügigkeit und Liebe habe ich meine Freunde würdig empfangen und ihnen ein großartiges Weihnachtsmahl bereiten können. Es war ein wunderbarer Tag und ich habe meinen Freunden nicht verschwiegen, dass das alles nur möglich war, weil Du mir dieses schöne Geschenk gemacht hast. Allerdings, es fehlten vier Euro an dem Betrag, den man mir gestohlen hatte.

Ich fürchte, die haben sich die Mistkerle von der Post unter den Nagel gerissen, denen traue ich nicht über den Weg.“

 

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Jule berichtet

Putzstunde

Wie sich leicht denken lässt, gibt es bei uns Computer. Nicht nur einen, mehrere. Muss ja wohl, denn sonst gäbe es die Médoc-Notizen nicht. Einer dieser Computer wohnt ganzjährig und immer in Euronat. An sich gut, denn dann muss man das Ding nicht jedes Mal anschleppen. Allerdings, vielleicht doch nicht so gut, weil man das Gerät ja nicht dauernd unter Kontrolle hat. Denn das muss man wohl, zumindest habe ich das so verstanden. Unser Computer in Euronat hat sich jedenfalls so einige Flausen angewöhnt, die meine Obrigkeit absolut nicht lustig findet.

Also, letztens, da kamen wir wieder in unser Haus und dann sollte auch der Computer angeworfen werden. Ging nicht, der wollte einfach nicht. Der bockte, gab zwar ein paar Töne von sich, aber laufen wollte er partout nicht. Dann hat meine Obrigkeit das Ding aufgemacht und erklärt, dass es wohl wieder an der Grafikkarte läge. Kann sein, versteh ich sowieso nicht. Dann wurde also die famose Grafikkarte ausgebaut, geputzt und gewienert und wieder eingebaut, bis der Computer wieder komplett war. Neuer Startversuch: erfolgreich. Meine Obrigkeit guckte richtig zufrieden, kann der, wenn er will. Aber nicht lange, am nächsten Morgen bockte der Computer schon wieder und tat nicht das, was er sollte. Wieder Bastelstunde, mit kurzzeitigem Erfolg. Beim nächsten Hochfahren fiel uns jedoch auf, dass der halbe Arbeitsspeicher irgendwie weg war, er wurde jedenfalls nicht angezeigt. Da guckte meine Obrigkeit erst nachdenklich und dann entschlossen. Neue Bastelstunde, diesmal jedoch in Richtung Arbeitsspeicher. Und da entdeckte meine Obrigkeit, dass ein Speicherriegel richtig verdreckt war, also, da war eine richtige Staubschicht drauf. Die wurde natürlich säuberlich weggeputzt, danach der Speicherriegel wieder eingebaut und schließlich der Computer wieder gestartet. Das ging richtig gut, und plötzlich war auch der Arbeitsspeicher wieder komplett da. Nicht nur einmal, sondern seit der Putzaktion immer. Und nun wissen wir, dass es auch in einem reinlichen Haushalt Ecken gibt, wo es so aussieht wie bei H.s unter dem Sofa. Allerdings, warum das mit dem verstaubten Arbeitsspeicher ein Problem geben kann, hab ich nicht so ganz kapiert. Muss ich auch nicht, denn für so was haben wir unsere Leute, hoffentlich. Die haben gesagt, ein verstaubter Arbeitsspeicher ließe nicht unbedingt auf einen unreinlichen Haushalt schließen, aber in der Staubschicht könnte sich Feuchtigkeit ansammeln, die dann Kriechströme verursachen könnte und die würden dann den Speicherriegel lahmlegen. Na, hört sich kompliziert an, stimmt auch vielleicht. Hauptsache, der blöde Computer läuft wieder. Allerdings, wenn ich mir überlege, wieviel Kraul- und Streicheleinheiten meine Obrigkeit bei mir hätte abliefern können, während er mit dem Computer herumgemacht hat ... Also, wenn man mich fragt, die Welt hat auch ohne Computer ihre Reize, aber auch hier: mich fragt ja keiner, wirklich.

 

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Lena berichtet

Auf dem Markt in St. Vivien

Gott sei Dank, die Spargelzeit ist um. Das waren schreckliche Mittwochmorgen. Um 7:30 fuhren wir nach St. Vivien, um genug Spargel zu bekommen: für uns und für Freunde und Nachbarn. Was wir auch unternehmen wollten: Mittwochmorgen war heilig. Denn der Händler aus Blaye hatte anfangs nicht so viel Spargel. Und darum war es meinen Leuten eine liebe Gewohnheit geworden, so früh aufzustehen, um Spargel zu bunkern. Zum Glück brauchte ich die vielen Kilos nicht zu tragen. Manchmal mussten meine Leute zweimal gehen. Der Kofferraum war auf jeden Fall immer voll. Um kurz nach 8 Uhr wurde ich wieder ins Auto gesperrt. Außer Spargelduft, und der kann mich in keiner Weise anmachen, nichts gewesen.

Jetzt fahren wir erst um 10 Uhr und ich treffe alle meine Freunde, die auch den Duft des Marktes lieben. Die beiden Fleischer haben dann ihre Fertiggerichte gekocht, die Paella ist gar. Welche Düfte! Vor allem in der Kombination! Meist werden lebende Kaninchen angeboten. Na ja, da gibt es Köter ohne Benehmen, die ihnen sehr nah aufs Fell rücken, als wenn sie selbst nicht wüssten, was Angst ist. Die Hühner auf jeden Fall machen sich nichts aus Hunden. Einen Schreck bekomme ich immer, wenn sie zum Transport an den Läufen zusammengebunden werden und mächtig flattern.

Gemütlich ist es, wenn wir Bekannte treffen, möglichst mit Hund an der Leine.Ein Hindernis bilden wir sowieso. Mit Hund kommt keiner mehr durch.

Schließlich nimmt Frauchen ihren Korb und kümmert sich um Obst und Gemüse. Herrchen besorgt zwei Portionen Paella, bevor sie ausverkauft ist. Mittwochs gibt’s ab jetzt Paella statt Spargel.

Wenn alles im Auto verstaut ist, fällt uns ein, dass wir noch keinen Besuch bei den Gärtnern gemacht haben. Für Blühendes ist immer noch Platz da.

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Lena berichtet

Ullis Geburtstag

Demnächst hat Ulli Geburtstag. Der große Hundefreund soll  ein schönes Geschenk von uns haben. Wir treffen uns mehrfach, um uns zu beraten.

   Die Überlegungen sind langwierig, aber zum Teil lustig, da die Vorschläge oft originell sind. Rocco will ihm einen  Kings Chair schenken, damit er sich von  den Mühen und der Arbeit an den Médoc-Notizen erholen kann. Tarnie und Venu wollen für ihn bei dem nächsten Euronat Lauf über 12 km starten. Jule schlägt vor, zu Ullis Unterhaltung am Hundestrand ein ritterliches Turnier durchzuführen. Heinrich will sich eine Lammkeule von der Schnauze absparen.

   Zu so viel Originalität kann ich nur schweigen und die Unbekümmertheit meiner Freunde bewundern.

   Von Jule haben wir gehört, dass am Geburtstag um 11.00 Uhr ein Empfang stattfindet. Deshalb sage ich meinen Freundinnen und Freunden: „Wir haben kein gemeinsames Geschenk, lasst euch was einfallen, was in die Tat umzusetzen ist und seid um kurz nach 11.00 Uhr  da und übt zu singen < viel Glück und viel Segen> “.

  Am Sonntag sind wir alle pünktlich da. Unser Gesang als Glückwunsch ist gar nicht so schlecht. Jedenfalls bekommen wir viel Beifall, der sich steigert, als wir unsere Geschenke überreichen bzw. nennen. Jule verspricht, auf allen Campingplätzen und Raststätten ihre Obrigkeit und das Wohnmobil mit vollem Einsatz zu bewachen. An Heinrichs Lammkeulenknochen sitzt noch eine Menge Fleisch dran, Ulli ist verwundert über den Strauß Vergissmeinnicht, die im grasarmen Euronat auch als Kotzgras für Hunde genutzt werden können. Rocco schleppt zum Ausruhen ein Fell aus seinem Körbchen an und wünscht Kings Rest. Lena trägt in ihrem Maul ein Amselgerippe mit unversehrten Flügeln, so dass es wie eine Fledermaus aussieht. Es soll vor bösen Geistern schützen.

   Für unsere Ideen bekommen wir viel Lob. Ulli freut sich sehr. In bester Laune und mit manchem Leckerchen verbringt er den weiteren Geburtstag.

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Lena berichtet

Zähneputzen

Neulich, an den Tag erinnere ich mich nur mit Schaudern, kamen meine Leute auf die Idee, mir die Zähne zu putzen. „Lena hat Zahnstein, und der kann gefährlich sein, zum Beispiel fürs Herz.“, meinte Herrchen. „Wir müssen ihr unbedingt die Zähne putzen.“ „Und wie willst du das machen?“, Frauchen war skeptisch. „Ich nehme eine alte Zahnbürste, der Tierarzt hat ausgepressten Zitronensaft zum Bürsten empfohlen. Und dann setzen wir Lena auf einen Tisch und putzen ihr die Zähne. Ganz einfach!“

   Ich wusste, da kam Schlimmes auf mich zu und verkroch mich. Aber zunächst passierte nichts. Doch eines Tages – das Meer rauschte so gefällig, der Wind umsäuselte mich, ich lag so angenehm in der Sonne - , kamen sie. Die Marterinstrumente in der Hand. Man hob mich auf einen Gartentisch. Herrchen hielt mich fest, Frauchen setzte die gut mit Zitronensaft getränkte Bürste an. Nun erlebte ich die schlimmsten Minuten meines Lebens. Man verteilte den Zitronensaft auf dem gesamten Kiefer, oben und unten, ein Teil lief mir in die Kehle. Die Bürste wurde rücksichtslos nach allen Seiten angesetzt, bis ich mich an ihr festbiss und furcht erregend knurrte. Da ließ man von mir ab und stellte fest: „Die sanfte Lena!“  

     Der furchtbare Geschmack hatte sich so weit ausgebreitet, dass ich zu würgen anfing. Als das gesamte Mittagessen draußen war und ich immer noch würgte und japste, fingen meine Leute an, mich zu bedauern. Sie streichelten mich und hielten mir den Kopf, wenn ich wieder einen Würgeanfall hatte. „Arme Lena, wir wollten dir doch nur was Gutes tun. Gegen deinen Zahnstein!

   Völlig erschöpft lag ich auf dem Boden. Von Zeit zu Zeit schüttelte ich mich, als ob ich den schrecklichen Geschmack heraus schleudern könnte. Dann lag ich wieder da, atmete heftig, einer Ohnmacht nahe.

   Da kam Gabi. Mit einem kurzen „Wuff“ begrüßte ich sie. Mehr Kraft hatte ich nicht mehr.

   Gabi fragte: „Was habt ihr mit der Lena gemacht? Ist sie krank?“ – „Wir haben ihr mit Zitronensaft die Zähne geputzt. Sie hat Zahnstein.“

   „Ja seid ihr denn...? Das ist Tierquälerei. Da gibt es ganz was anderes. Einen grünen Kauknochen, eine so genannte Zahnbürste, die die Hunde fressen können und die die Zähne pflegt. Komm, Lena, jetzt gehen wir mal die Zähne putzen.

   Gabi kürzte den Weg ab durch die Mimosenbüsche. Bei ihr zu Hause hielt sie mir was Grünes hin. Misstrauisch schnüffelte ich. Es roch gut. Ich nahm diese so genannte Zahnbürste und kaute lange auf ihr rum, bis ich sie schlucken konnte.

   Im Gebüsch standen meine Leute und wunderten sich. Herrchen kam zu mir: “Entschuldige, Lena, das wollen wir  nicht wieder machen. Zähneputzen nur noch mit Gabis Methode!“  

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Jule berichtet

Aufregend oder was?

Muss ich mal wieder aufregen, weil, hab ich da was im Internet gelesen über Frauenfussball. Mag ich übrigens, weil ich denke, dass wir Mädels dabei viel besser aussehen als die mit den haarigen Beinen, aber das ist ein anderes Gebiet. Also, hab ich gelesen, was so eine Nationalspielerin in Deutschland verdient. Kriegt die so im günstigsten Fall 7.000 Euro im Monat, die meisten gehen mit weniger nach Haus. Wer die Hälfte kriegt, darf offenbar schon nicht klagen.

So, und nun komm ich, denn auf derselben Internetseite habe ich gelesen, was ein, zugegeben guter, Spieler einer Mannschaft aus einer süddeutschen Landeshauptstadt mit starker Neigung zu Weißwurst und sonstigen Sachen verdient. Kriegt der doch 700.000 Euro im Monat, wirklich, jeden Monat, zwölfmal pro Jahr. Also, unsere Spitzennationalspielerin hat 7.000 Euro im Monat, der hier 700.000 Euro, macht also das Hundertfache. Hab ich erst nicht glauben wollen, aber Ignace hat nachgerechnet, ist so. Aber ein Gutes hat das, was ich jetzt weiß, schon, denn ich kann jetzt verstehen, weshalb so Leute, wie der mit den 700.000 Euro im Monat nicht immer so spielen, dass man glaubt, dass er 700.000 im Monat verdienen sollte: der denkt dauernd darüber nach, ob das wohl richtig ist, dass er für sein Gekicke so viel Geld einsteckt. Und wenn er sich solche Skrupel nicht macht, dann geht ihm bestimmt dauernd im Kopf rum, was er denn mit dem vielen Geld anstellen soll. Und dabei kann der dann nicht so spielen, dass es so aussieht, als ob er das viele Geld wert ist. War ich bis hierhin klar und verständlich? Na gut, dann kann ich mich ja noch mal richtig aufregen, aber das löst das Problem auch nicht richtig. Eigentlich schade.


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Lena berichtet

Spät im Mai – ein schöner Traum

Alle sind schon da, nicht nur die Vögel. Ich auf jeden Fall noch nicht, obwohl ich vor Sehnsucht nach Euronat vergehe.

Ich vermisse die lieben Nachbarn, die Freunde der Familie, vor allem Ullis kraulende Hand. Sogar die Katze Lune, die ich am liebsten jagen würde, entbehre ich. Ich sehne mich nach dem Garten, dem Wehen des Windes, dem Rauschen des Meeres und der Bäume.

Traurig schaue ich Herrchen an. Er versteht mich: „Ich weiß, dass du gern in Euronat bist und dich im Garten sonnst. Aber es geht noch nicht.“

Schließlich, nach Wochen des sehnlichsten Wartens, heißt es: „Morgen fahren wir nach Euronat!“ Vor Freude belle ich.

In der Nacht kann ich zuerst gar nicht schlafen. Ich habe Angst, nicht rechtzeitig wach und vergessen zu werden.

Irgendwann muss ich doch eingeschlafen sein. Ich erwache rechtzeitig und erinnere mich an einen wunderschönen Traum:

Wir kommen in Euronat an. Die Sonne scheint noch. Ein milder Abend empfängt uns. Auf der Terrasse steht ein Schälchen mit Wasser und eins mit Fleisch. Daneben hat sich Lune aufgestellt. Vor ihren Krallen liegt eine Maus, die sie mir auffordernd zuschiebt. Ich jage gern Mäuse, aber fressen mag ich sie nicht. Wie rette ich die peinliche Lage?

Eine Idee! Ich lege Lune meinerseits ein Stück Fleisch vor die Tatzen und sage: „Das ist für dich. Das Mäuschen fresse ich später. Ich vergrabe es noch für ein paar Tage.“ Lune ist zufrieden und läuft nach Hause. Gerade rechtzeitig, denn aus der Küchentür tritt Jule in ihrer majestätischen Größe. Jule ist bekannt als Katzenjägerin. Mich begrüßt sie überaus freundlich: „Schön, dass du da bist. Wir müssen unbedingt auf Kaninchenjagd gehen. Bei uns in Amerika vermehren sich die Biester wie die Karnickel. Zu zweit sind wir sicherlich erfolgreich. Wenn sie einen Haken schlagen, steht da schon einer von uns beiden.“

Jule gibt sich zuvorkommend und höflich. Ich habe gerade dein Körbchen aufgeschüttelt und mit meinem Körper glatt gestrichen. Wir könnten auch mal zusammen übernachten. Du hast ja so ein schönes Schafsfell.“

Plötzlich knurrt Jule Angst einflößend. Es gilt aber nicht mir. Lune hat neugierig um die Ecke geschaut.

Vor Schreck werde ich wach.

Ein Traum, der durchaus real werden könnte.   

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Jule berichtet

Muss ich mich mal aufregen

Also, in dem Online-Dienst eines sonst renommierten Nachrichtenmagazins  liest man, dass der teuerste Hund der Welt jetzt für 1,1 Mio Euro verkauft worden ist. Die Ausrede dafür ist, dass der Hund mit Namen Hong Dong, 80 Kilo wiegt und eine Tibet-Dogge ist. Sonst nix. Ich hab den Verdacht, dass da das Gewicht den Preis gemacht hat. Der Züchter faselt zwar was von Genen, aber das ist wohl ziemlich hohles Zeug. Wie, bitte schön, soll man bei einem solchen Hund etwas über Gene sagen können? Nur weil Dschingis-Khan wahrscheinlich und Buddha möglicherweise eine Tibet-Dogge hatten, müssen die nicht so teuer gemacht werden.

Allerdings, der standesbewusste Hund könnte schon über die Gene definiert werden, wenn man festlegt, was einen guten Hund von einem weniger guten unterscheidet. Also, bei uns zu Hause, da war klar, wie das ging, man orientierte sich einerseits an der Leistung und andererseits an der Schönheit. In meiner Familie war dabei wohl die Leistung ausschlaggebend, wenn auch meine Obrigkeit immer sagt, ich sei ein hübsches Hundemädchen. Das stimmt bestimmt, denn wenn ich mal vor einem Spiegel vorbeikomme, finde ich nicht, dass ich weggucken muss.

Aber das mit der Leistung stimmt noch mehr. Wussten Sie, dass bei bestimmten Hunderassen, Gebrauchshunderassen nennt man die, weil die z. B.  bei der Polizei für eine ganze Reihe von Sachen eingesetzt werden, die Polizisten nicht können, monatelange Ausbildungen mit Prüfungen zum Abschluss stattfinden, bei denen dann festgestellt wird, wer ein richtig guter Gebrauchshund ist? Ein richtig guter Gebrauchshund kann dann Fährtenlesen, er kann eine ganze Menge anderer Sachen wie Freifolgen, Apportieren, Ablegen, und so weiter. Und er kann das, was in meiner Familie besonders beliebt ist, er kann Leute, die so tun, als ob sie Bösewichter wären, gnadenlos verfolgen und stellen. Richtige Bösewichter natürlich erst recht.

Und bei den Gebrauchshunden gibt es Prüfungen und Meisterschaften, bei denen dann festgestellt wird, wer besonders gut ist. Diese Meisterschaften gibt es regional, national und international, und dabei obendrauf auch Weltmeisterschaften. Und wer da vorne dran steht,  der hat schon was drauf, nicht nur 80 Kilo, wie der Online-Hund.

Wir haben so etwas in der Familie. Mein Vater war Leistungsweltmeister aller Schäferhunde im Jahre 1999. Dafür würden andere Hunde Tonnen von Chappi-Dosen hergeben. Nützt aber nichts, wer in diese Leistungsbereiche vordringen will, der muss schon was drauf haben. So, jetzt aber genug von meiner Familie, sonst denkt noch einer, ich hätte was mit Standesdünkel. Hab ich wirklich nicht, denn dafür hab ich gar keine Zeit. Und am Ende fang ich noch an, über meine Vorfahren mütterlicherseits zu reden, die waren auch nicht ohne.

Aber nochmal was zum Online-Hund mit den 80 Kilo. Find ich abartig und empörend. Und diskriminierend auch. Besonders gegenüber den Hunden mit vernünftigem Gewicht. Der Online-Hund schafft gerade mal den Weg zwischen Schlafstelle und Futternapf, dann ist der schon geschafft. Meine Verwandtschaft, die Schafe hütet, die rennt 50 km am Tag und ist am nächsten Tag wieder am Start, und meine weiteren Verwandten, die Jagdhunde, die haben auch Dampf für eine Menge Kilometer.

Jetzt hab ich mich genug aufgeregt. Aber mal ehrlich, wenn Spiegel-Online auf den Hund kommt, dann sind sie wirklich drauf, oder?



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Lena berichtet

Fastenzeit

Überall höre ich:

"Jetzt ist Fastenzeit. Die will ich nutzen, um wieder mein Hochzeitsgewicht zu erreichen."

"Ich will wenigstens unter 70 kg wiegen."

"Ich will wieder in den Bikini passen." (Und das in Euronat!)

Mir wird übel: Kann man  ernsthaft sagen: „Jetzt verzichte ich in den nächsten Wochen auf Fleisch?“

Im Radio, in Zeitschriften gibt es Tipps dafür, wie man die Fastenzeit nutzt.

Ich bin sehr einverstanden damit, keinen Wein zu trinken. Tu ich eh nicht! Aber Herrchen! Der wird doch missmutig, wenn er abends sein Glas Wein nicht hat. Und wer leidet darunter? Wir. Schlechte Stimmung, kaum Gespräche, freudlose Zeit.

Wie können Menschen nur so widersprüchlich sein? Erst Dionysos feiern, dann Entsagen! Das ist doch keine Linie.

Aber was sagt Frauchen da? „Für uns Alte gibt es gar keine Fastenzeit. Sie könnte unserer Gesundheit abträglich sein.“ Ich frohlocke. Ich bin für Fleisch und ein Glas Wein mehr für Herrchen, auf dass eine allgefällige, harmonische, freudvolle Zeit beginnt.

Freude, schöner Götterfunken, dichtete schon Schiller.

 

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Lena berichtet

„Et is – wie immer – noch eens jut jejangen!"

Fasnet, Fasching, Karneval und Jakob (4) und Rasmus (2 ½) sind angesagt. Der Besuch um diese Zeit bei den Großeltern hat mit unseren archaischen Jäger-  und Sammlertrieben zu tun, haben doch die jüngsten Enkel von den älteren Geschwistern erfahren, dass es im Freiburger Rosenmontagszug was zu sammeln gibt. Man hat ihnen aber verschwiegen, dass sich die Tüten im Rheinland bei den anderen Großeltern, wo sie nämlich hinfahren, viel schneller füllen lassen.

   Samstagmittag: Rasmus und Jakob kommen an. Ich freue mich sehr. Endlich mal wieder Leben in der Bude. Besonders begrüße ich Rasmus’ Knuddelhund, sein geliebtes Kuscheltier, das er immer sorgfältig hütet. Ab und zu hat er den Knuddelhund  mir ins Körbchen gelegt, damit ich einen wohligeren Mittagsschlaf halten könnte. Eine ganze Nacht trennt er sich nie von ihm.

   Um so erstaunter bin ich heute. Rasmus nimmt den Knuddelhund, wirft ihn in eine Ecke und sagt lachend: „Armer Hund!“ Ich bin ganz erschrocken über so viel Grausamkeit. Immer wieder nimmt Rasmus den Knuddelhund auf und pfeffert ihn irgendwohin: „Armer Hund!“ Und dabei lacht er. Ich kann es nicht mit ansehen. Deshalb schnapp ich mir den Knuddelhund und renne in den Garten. Rasmus und Jakob folgen. Hinter dem Sandkasten lege ich den Knuddelhund sorgfältig ab. Kaum hat Rasmus ihn entdeckt, fliegt er irgendwohin mit dem Spruch „Armer Hund!“

   Die beiden Kleinen sehen den wunderschönen hölzernen Kipp-Lastwagen im Sandkasten und fangen gleich an zu spielen. Währenddessen mache ich mich auf die Suche nach dem Knuddelhund. Zuerst finde ich ihn nicht, obwohl ich ihn wittere. Ich suche lange ohne Erfolg. Obwohl ich ihn ständig einkreise. Ich sehe ihn aber nicht.

   Ohrenbetäubendes Geschrei: Rasmus und Jakob streiten sich um den Lastwagen und darum, wer welche Funktion im Spiel hat. Die Oma beendet den Streit als Generalunternehmerin, indem sie die Lastwagenfuhren für den nächsten Tag anordnet.

   Rasmus und Jakob lassen sich das Abendessen schmecken. Ich sitze unter ihren Stühlen. Es lohnt sich. Obwohl ich darauf hinweisen muss, dass ich nicht mehr bettele.

   Schließlich liegen beide im Bett. Jakob hat sein Kuscheltier – ein allerliebstes Häschen - im Arm. Er scheint schon in der Einschlafphase zu sein, als plötzlich Rasmus losweint: „Wo ist mein Knuddelhund?“ Keiner hat eine Ahnung. In den unmöglichsten Ecken wird gesucht. Rasmus’ Heulen steigert sich: „Mein armer Knuddelhund. Er kann doch ohne mich gar nicht schlafen.“ Seine Lautstärke tut meinen Ohren weh. Ich springe auf, stelle mich vor die Terrassentür. Mein Frauchen sieht das: „Ich glaube, Lena weiß, wo das Kuscheltier ist.“ Man öffnet die Terrassentür. Ich laufe Richtung Sandkasten. Bald habe ich Knuddelhunds Witterung aufgenommen, sehe aber nichts auf dem Boden. Wo ich den Geruch am stärksten wahrnehme, beginne ich zu bellen. Herrchen leuchtet die Stelle ab und stellt fest: „Ich sehe nichts.“ Frauchen entdeckt auch nichts. Im Haus hört man die Kinder weinen. Jakob heult aus Solidarität mit. Das wird eine Nacht!

   Trotz allem lasse ich mich nicht verunsichern. Ich rieche doch den Knuddelhund  und schlage wieder an. Herrchen lässt seine Taschenlampe wieder den Boden absuchen. „Leuchte doch mal in die Äste, Lena wird doch wissen, was sie wittert!“ schlägt Frauchen vor. Und – tatsächlich in einer Astgabelung hängt der Knuddelhund.

   Rasmus strahlt, als er sein Kuscheltier in den Arm gelegt bekommt und  dieses ihm die letzten Tränen trocknet.

   Auf jeden Fall ertönt kein „Armer Hund!“

   Herrchen kann seine rheinische Herkunft nicht verleugnen: „Et is – wie immer – noch eens jut jegangen.“  

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Lena berichtet:

Wie ich meine Sprechprobleme löse

Ich verstehe ja alles, kann sogar über Wesentliches im Leben schreiben, z. B. über Hungersnöte der Hunde, die Katzenplage oder die Kaninchendemographie.

   Doch wie spreche ich mit meinen Leuten?

   Da habe ich die Bewegungs- und Augenkommunikation erfunden. Durch intensives Betrachten bzw. liebevolles Ansehen meiner Leute kann ich ganz leicht Emotionen hervorrufen. Ausrufe wie „Was ist die süß!“ -  „Wie lieb!“ – „Ganz goldig!“ belegen mein Talent, das ich zur Einstimmung bzw. zur Einleitung benutze. Wenn ich mal raus muss, stelle ich fest, ob meine Leute mich wahr nehmen. Und dann laufe ich schnell zur Haustür, ein leichtes Junxen  gibt die Richtung an.

   Das hat bisher immer geklappt, sogar nachts: einmal mit dem Pfötchen über Frauchens Bettdecke, sobald sie die Augen aufschlägt zügig zur Tür. Ihr glaubt gar nicht, wie schnell Frauchen dann ist. Wir wohnen günstig. Ich kann mich überall in der Umgebung gut lösen.

   Aber denkt nicht, dass ich nachts ständig raus muss!  Dafür schlafe ich zu gern und ungestört. Doch wenn wir mal Gäste haben – es ist ja bekannt, dass ich nicht bettele – und ein Gast seine Seligkeit darein hängt, dass ich sein Steak auffresse, dann kann es passieren, dass ich nachts Verdauung habe.

   Wie bringe ich nun Frauchen dazu, mir zu fressen zu geben, wenn ich dabei bin zu verhungern? – Auch mit der Bewegungskommunikation! Steht Frauchen zum Beispiel mal auf, um sich irgendwas zu holen oder Herrchens Wünsche zu erfüllen, springe ich noch schneller auf, renne zur Küche und klappere mit dem Näpfchen, wenn es noch dasteht. Frauchen versteht mich immer. Entweder gibt sie mir was oder sie sagt: „Lena, du kannst doch nicht schon wieder Hunger haben.“

   Etwas schwieriger ist die Kommunikation, wenn ich meinen Leuten bei schlechtem Wetter mitteilen muss, dass ich kein „Kaninchen“ auf lange Spaziergänge habe. Ich hocke mich dann hin, leere die Blase und gehe Richtung Haus, nicht ohne den Kopf meiner Begleitung zuzuwenden und ihr einen Jammerblick zuzuwerfen, der sagt: „Jeder weitere Schritt bei diesem Wetter ist Dackelquälerei!“ Frauchen lächelt dann immer und zitiert den General de Gaulle: „Je vous ai compris.“    

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Lena berichtet

Neulich im Stadtgarten und Ferienpläne

    Weiße Weihnachten sind Geschichte. Es sah echt schön aus im Stadtgarten. Die Welt wie verzaubert. Meine Leute begeistert von der Schönheit der Natur. Auf allen Wegen hörte man: Wie herrlich! Schau mal! Diese Hängebuche, wie ein Champignon!

   Ich fand auch alles wunderbar aussehend, war aber nicht enthousiastisch, denn es roch nach nichts. Der Schnee überdeckte alle Geruchsspuren. Meine Blase platzte fast, aber wo sollte ich mich lösen? Wo sollte ich meine Marke setzen?

Ich suchte. Unter einem Busch lag wenig Schnee, desto stärker duftete es nach Pippo. Ich ließ es laufen, wie herrlich.

   Hier wird klar, dass Dackel keine Schneehunde sind, sondern sich den ganzen Winter nach dem lieblichen Frühjahr sehnen.

Jetzt Mitte Januar sprießen schon die Schneeglöckchen. Ich dünge sie ein wenig.

Da treffe ich meine Freundin Babsi, auch eine Rauhaardackelhündin. Sie ist bester Laune:  „Wohin fährst du im Sommer in den Urlaub?“ – „Ich fahre nirgendwo hin, ich verbringe den Sommer in Euronat, das liegt an der französischen Atlantikküste.“  Babsi flippt aus: „Ich auch!“ – „So!“ entgegne ich. – „Ja, meine Mannschaft hat da ein Haus gemietet, mit Garten.“

Wie sollte ich reagieren? Sollte ich Babsis Begeisterung dadurch dämpfen, dass ich sagte: Ich bin halt schon da?

   Ich frage: „Wann fahrt ihr nach Euronat?“ -  „Den ganzen August! Man sagt, da sei es paradiesisch schön!“ – „Das stimmt, ein nicht zu warmes Klima, wenig Regen. Ein wunderbarer Hundestrand, warme Priele. Draufgänger springen auch durch die hohen Wellen. Ein duftender Kiefernwald mit Kaninchenbauten. Beschleunigungsfähige Katzen überall und Eichhörnchen auf allen Bäumen. Und Gerüche, wie jeder Dackel sie nur träumen kann. Ein Hundeparadies!“

Babsi staunt: „Du kennst das ja alles.“ – „Natürlich, dort verbringe ich den Sommer, seit ich lebe.“ Babsi wird verlegen: “Ich erinnere mich jetzt, du hast  davon erzählt. Aber ich höre nicht immer zu.“

   Wir gehen einige Meter, als wir Pippo, einem schweren  Gebirgsschweißhund mit kurzem braunem Fell und seinem völlig gleich aussehendem Herrchen begegnen.

   Pippo ist ungewohnt temperamentvoll: „Wisst ihr, wo ich im Sommer hinfahre?“ –„Nein, du hast gesagt, dass du nicht verreist. Es sei überall zu warm.“ – „Aber jetzt habe ich einen Tipp, in Frankreich am Meer. Dort gibt es Häuser, unter denen man sich aufhalten kann, nach allen Seiten offen. Und am Strand kann man Seehund spielen, indem man in einem Priel liegt.“  Lena ist alles klar: „Du reist also auch nach Euronat.“ – Babsi bellt: „Das kann doch nicht wahr sein! Da können wir was zu dritt unternehmen.“ – „So?“ knurrte Pippo, „Was denn?“ – „Zum Beispiel eine zünftige Kaninchenjagd.“ – „Ist das nicht zu anstrengend?“ Lena warf Babsi einen Blick zu. Diese verstand: “Brauchen wir uns nicht mehr mit abzugeben!“

   Pippo und sein Herrchen verabschiedeten sich: „Wir sehen uns!“     


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Lena berichtet

Was mich im neuen Jahr glücklich macht

-         ein voller Napf

-         Gesundheit

-         Spaziergänge bei schönem Wetter

-         Schlafen bei Regenwetter

-         „Zeitungslesen“ im Stadtgarten

-         Spielen mit den Kindern

-         Begegnung mit lieben Hunden

-         Interessierte Zuwendung stattlicher Rüden

-         Streicheleinheiten, vor allem von Ulli hinter den Ohren

-         Herrchens morgendliches Streicheln, verbunden mit der Feststellung: “Was bist du für eine liebe Lena!“ (mindestens 20 mal)

-         Anerkennung meiner Treue

-         Ungestörtheit meiner Morgenruhe (nach lobender Erwähnung der pflichtgemäß durchwachten Nacht)

-         Siesta nach hinreichender Mittagsmahlzeit

-         sonnige / schattige Gartenplätze in Euronat

-         Duft / Rauschen von Kiefern und Meer

-         leise Mozartmusik

-         offene Türen: volle Erreichbarkeit meiner Ruheplätze zu jeder Zeit

-         Teppich- oder Holzböden in Restaurants

-         Jagdglück: zumindest Beschleunigung von Kaninchen, Katzen und Eichhörnchen

-         Kreativität beim Verfassen meiner Geschichten


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Lena berichtet


Besuch der Großfamilie

Das grausame Schellen des Telefons reißt mich aus den schönen Träumen in der Herbstsonne. Ich sah gerade Bilder vom menschenleeren Strand in Euronat. Nur ein Möwenschwarm zeichnete bizarre Figuren auf den Sand. Ein Bild der Ruhe und des Friedens!

   Frauchen beendet das Telefongespräch und berichtet Herrchen: „Eva-Maria will uns auf dem Weg nach Spanien besuchen und hier die Nacht verbringen.“ Ich bin begeistert. Fünf Kinder! Was kann ich da lecken und mich kümmern. Wenn man schon keine eigenen Welpen hat, muss man jede Gelegenheit nutzen.

   Herrchen macht kein begeistertes Gesicht. „Wie hat sich Eva-Maria das denn gedacht! Sie sind zu siebt, das bedeutet neun Personen und ein Hund  in unserem bescheidenen Häuschen!“ Frauchen meint: “Wir beiden mieten uns ein Studio. Und die Großfamilie, zum Wandern auf dem Jakobsweg bereit, hat Schlafsäcke und kann sich überall niederlassen.“

  Unsere Nachbarn Ellen und Helmut erfahren von der angekündigten Invasion bei uns und bieten meinen Leuten ihr Besuchszimmer an. Feierlich werde ich zur Hüterin des Hauses ernannt.

   Der Tag der Ankunft der Großfamilie ist da. Gegen 15 Uhr höre ich den Bully auf dem Kies knirschen. Ich begrüße die Kinder herzlich feucht.

   Eine halbe Stunde später gehen wir zum Strand. Nach kurzer Zeit rennen die Kinder nackt Richtung Meer. Doch die Wellen lassen sie vorsichtig werden. Ich ziehe vor, zu Herrchen oben auf die Düne zu klettern. Wir lassen uns am Fuß des Rettungsturms nieder.

   Inzwischen sind alle Kinder nass. Die Wellen schäumen über ihre Köpfe hinweg oder werfen sie um. Die Geschickten tauchen unter ihnen durch. Bei jedem höheren Brecher rennen sie mit Gekreisch zurück. Der zweijährige Rasmus bleibt auf dem Arm seiner Mutter, was mich beruhigt.

   Allmählich geht mir die Schreierei auf die Nerven. Meistens handelt es sich um Freudengekreisch, aber auch Angstschreie sind zu hören, wenn die Wellen allzu bedrohlich sind. Ich kann es gar nicht mit ansehen, wenn ein Kind fällt und es ganz vom Wasser überspült ist. Die Vorstellung, mir könnte es passieren, lässt mich schaudern. Schon der Gedanke an nasses Fell ist mir unangenehm. Ich lege mich dicht zu Herrchen. Er krault mich beruhigend.

   Endlich bestimmt die Oma, dass es Zeit zum Abendessen ist. Eine lange Prozedur beginnt. Im Waschhaus wird geduscht. Da Handtücher fehlen, geht man unabgetrocknet nach Hause. Man ist ja Naturist.

   Auf unserer Terrasse sieht es bald so aus wie bei Hempels unter dem Sofa: Slips, Socken, T-Shirts, Hemden, Hosen, Schuhe, Spielsachen liegen verstreut herum. Schließlich wird aufgeräumt. Ich wundre mich, wie schnell das geht. Alle packen an.

   Das Abendessen verläuft erfreulich. Ich werde nicht vergessen und kann den Rest des Abends in Ruhe auf mich zukommen lassen.

   Als die Kinder im Bett sind, wird ihnen vorgelesen, natürlich altersgemäß. Das gefällt mir besonders gut. Ich liege dann unter dem jeweiligen Bett und höre zu, ist doch oft von kleinen Heldinnen und Helden die Rede, die alle Schwierigkeiten des Lebens meistern. Ich fühle mich gestärkt.

   Schließlich wird Bettruhe angeordnet. Der Kleinste schläft schon, aber Sara hat Probleme: „Frederick zieht mir immer die Decke weg!“ – „Joschi spricht immer von Hexen, die uns überfallen, sobald das Licht aus ist.“ Ich lege mich mitten ins Zimmer, um zu sagen, dass ich aufpasse und die Kinder bewache. Die Zeit wird mir lang. In meinem Körbchen wäre es gemütlicher. Aber ich, Hüterin des Hauses, harre aus.

Schließlich sagen meine Leute „Gute Nacht“ und suchen die Nachbarn auf. Eva-Maria und Philipp verschwinden im Schlafzimmer. Es ist ruhig und bleibt ruhig. Die Grillen zirpen. Ich schlafe ein und schlafe, bis ich Schritte auf dem Kies höre. Es ist schon hell. Die Großfamilie hat bestens geschlafen. Ein kräftigendes Frühstück schließt sich an.

   Als die Familie nach Spanien hin aufbricht, winken wir heftig. Wir sind traurig und freudig gleichzeitig.

Später höre ich, dass die Nacht bei uns die entspannendste während der Woche auf dem Jakobsweg war. Wie gut, dass sie diese Erholung vor den Anstrengungen gehabt haben.  

 

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Lena berichtet

Weiße Weihnacht

   Hurra! Es schneit schon den ganzen Tag. Ich liege vor der Terrassentür und betrachte den Flockenwirbel. Immer höher wird die Schneeschicht auf den Bäumen. Alles sieht so festlich aus. Unser Weihnachtsbaum auf der Terrasse verbreitet in der Dämmerung ein hehres Glänzen. Es schneit unaufhörlich.

   Frauchen ruft: „Lena, auf’s Sträßchen!“

   Ich bin nicht begeistert. Da komme ich ja als Schneehund zurück. Aber Frauchen lässt nicht locker: „Komm, Du musst dich lösen!“

   Ich empfinde den Schnee als unangenehm nass. Der Wind heult und jagt die Flocken in mein Fell. Jetzt hilft kein Zögern. Schnell laufe ich dahin, wo ich das Beet vermute, hocke mich hin und lass es laufen. Dann aber zurück! Rascher als der Wind bin ich im Haus und schüttele mich. Die Nässe spritzt aus dem Fell

   Wiederum schaue ich aus dem Fenster. Es schneit kräftig. Ob wir morgen noch aus dem Haus kommen?

   Als ich am nächsten Morgen wach werde, ist es ungewöhnlich hell. Klar: der Schnee! Immerhin hat der Flockenwirbel aufgehört.

   Die Sonne geht auf. Märchenhaft sieht unser Garten aus. Wie ein Zaubergarten!

   Ich brenne darauf, raus zu kommen, stelle mich vor die Haustüre und junxse. Herrchen öffnet die Tür und lässt mich in den Garten, den ich mehrmals durchjage. Der Schnee stiebt nach allen Seiten. Dann wälze ich mich, springe auf, schüttele mich und renne wieder los. Herrlich! Weiße Weihnacht, für einen kleinen Hund ein Erlebnis , das die weihnachtliche Freude, aber auch den Zauber des Festes zum Ausdruck bringt.

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Lena berichtet


Der Rabe Jakob

Unser Nachbar Dieter, gerade in Euronat angekommen, sagt uns guten Tag. Er erzählt, dass er einen Raben mitgebracht habe, der zu Hause in Deutschland aus dem Nest gefallen sei und den er jetzt aufzieht.

   Neugierig gehen wir zu seinem Haus. Ich werde an die Leine genommen. „Damit du dem Raben nichts tust,“ meinte Frauchen. Ich bin etwas beleidigt. Raben sind gar nicht mein Fall. Sie sehen nicht sehr schön aus, und ihr Krächzen ist sogar hässlich.

   Jakob, so heißt der Rabe ungewöhnlicherweise, sitzt neben seinem Käfig und pickt etwas auf. „Ich habe ihm Leberkäs und Spätzle gegeben,“ erklärt Dieter. Man kommt aus Schwaben.

   Ich ziehe an der Leine, um dem Vieh näher zu kommen. Leberkäse schmeckt mir auch, vor allem als Zwischenmahlzeit. Ich mache einen Versuch. Mit lautem Bellen reiße ich an der Leine. Jakob erschrickt, fliegt ein wenig auf und hüpft dann über den Boden, um sich in einer Kiefer in Sicherheit zu bringen.

   Gegen Abend des nächsten Tages liege ich dösend in unserem Garten. Ein Krächzen weckt mich. Da sitzt Jakob auf unserem Gartentisch und hält Ausschau. Ich überlege, ob ich ihn vertreiben soll. In dem Moment sehe ich, wie Lune, die Katze der Nachbarin, sich heranschleicht. Völlig lautlos weiß sie sich zu bewegen, den Blick gierig auf Jakob gerichtet. Der krächzt abscheulich, dreht sich um und wendet Lune den Rücken zu. Er ist sich keiner Gefahr bewusst. Auch mich nimmt er nicht wahr. Ist solch Verhalten nicht degenerativ?

   Lune schleicht auf ihren Samtpfoten. Jakob merkt nichts. Was soll ich tun? Auf den Tisch kann ich nicht so schnell springen. Für Lune ist es eine Kleinigkeit. Soll ich sie gewähren lassen? Schließlich ist mir ein Rabe nicht unbedingt schützenswert, wie ich das mit den Wiedehopfen gemacht habe.

   Lune schleicht. Gleich springt sie. Und das wäre Jakobs Ende. Was tun? –

Mit lautem Bellen stürze ich mich auf Lune. Sie schafft es, vor mir zu fliehen. Ich verfolge sie, wohl wissend, dass ich sie nicht kriege.

   Als sie in die Flucht geschlagen ist, wende ich mich Jakob zu.  Er sitzt immer noch auf dem Gartentisch.  Was ist der blöd!  Er krächzt. Ich belle und frage ihn: „Meister Jakob, schläfst du noch?“ Er schaut mich verwundert an. Soll ich ihm nach der La – Fontaine – Methode Komplimente machen und loben, wie gut er fliegen kann, damit wir ihn loswerden? Ich glaube, das versteht er nicht. Also entschließe ich mich, eine Scheinattacke einzuleiten. Mit meinem aggressivsten Bellen springe ich auf die Bank vor dem Tisch. Jakob zeigt nun doch Fluchtverhalten. Er hüpft davon. Ich verfolge ihn ein wenig. Er verschwindet hinter den Mimosenbüschen und wird nie mehr bei uns gesehen.

 

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Jule berichtet

Jule zurück

Also, wir sind wieder zurück in heimatlichen Gefilden. Aber so richtig freut sich bei uns keiner darüber. Klar, wir sehen die, die sonst zu weit weg waren, aber ob man dafür den weiten Weg machen musste, ich weiß nicht. Dazu gibt es hier jede Menge Stress, den ich schon vergessen hatte. Gibt es hier Busse, groß wie Scheunen, die machen mir nicht mal Platz. Im Gegenteil, die sind richtig gefährlich. Mag ich nicht. Dann haben wir einen Postboten, von dem meine Obrigkeit ganz begeistert ist. Kann ich nicht verstehen, der kommt immer angejagt, als ob ihm unser Haus gehört und tut dann beleidigt, wenn er meinen Kommentar dazu hört.

Stress hab ich auch mit der Fußbodenheizung. Können Sie vielleicht nicht verstehen, ist aber ein Problem. Stellen Sie sich mal vor, Sie hätten meinen Pelz und müssten sich damit auf warme Fliesen legen. Brr und Igittiggitt. Glücklicherweise bin ich ja clever, was meiner Obrigkeit übrigens gut gefällt.

Mal ein Beispiel. Gegen die warmen Fliesen kann ich ja nichts machen, aber ich weiß ein paar Stellen, wo das anders ist. Zum Beispiel direkt vor der Haustür. Da geht immer ein Lüftchen drunterher, das mir angenehm ist. Und dann noch die Treppe nach oben. Keine Fußbodenheizung. Super. Dazu noch Treppenstufen zum Verlieben. Mein Lieblingsplatz. Wenn es gar nicht anders geht, lege ich mich auf den Teppich im Wohnzimmer. Der isoliert super nach unten. Dass da noch keiner drauf gekommen ist, dass Teppich und Fußbodenheizung eigentlich keinen Sinn gibt, wenigstens nicht zusammen, wundert mich schon. Aber mich fragt bei so was ja keiner.

Aber noch ein Beispiel, warum meine Obrigkeit gern und allen sagt, dass ich ein cleverer Hund bin. Wird dabei sogar gesagt, ich könnte schlussfolgernd denken. Gut, oder etwa nicht? Vorweg ein Bekenntnis: Ich bin ziemlich verfressen. Ich nehme nicht alles, aber es gibt wenig, was ich liegen lasse. Ich mag besonders hart gewordene Baguettestücke. Hmm, richtig gut, die krachen so schön. Schmecken richtig geräuschvoll gut. Aber jetzt stellen Sie sich mal vor, Sie kriegen so ein leckeres supertrockenes Baguettestück auf einer Holzterrasse, mit lauter Ritzen zwischen den Brettern. Wenn Sie da eine trockene Baguette verputzen wollen, dann fällt Ihnen die Hälfte, vielleicht auch etwas weniger, zwischen die Ritzen und ist weg. Haben Sie eine Idee, wie man dann den vollen Genuss sichert. Nein? Na dann gebe ich Ihnen mal einen Tipp. Gehen Sie mit Ihrem knochentrockenen Baguettestück einfach auf einen Teppich oder einen Abtreter, der auf der Terrasse liegt, und zermalmen Sie da Ihre Baguettestück. Sie werden sehen , dass die Krümel auf Teppich oder Abtreter liegen und nachher sauber abgeleckt werden können. Kein Schwund durch Terrassenritzen. Daher clever, aber darüber haben wir ja schon gesprochen.

Ist auch klar, warum meine Obrigkeit sagt, ich könne schlussfolgernd denken? Besser ist, wenn es klar ist, aber ich erkläre es gerne ausführlicher. Jetzt muss ich aber erstmal weg. Der Postbote ist schon wieder da. Heute hat er sogar geklingelt.



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Lena berichtet

Lena: Eine Erziehungsmaßnahme

Ich bin inzwischen in einem Alter, in dem man anfängt, über sich und das Leben als solches nachzudenken. Dann reflektiere ich mein Verhältnis zu anderen Hunden und zu den Menschen. Und ich muss sagen, dass ich mich als wohl erzogen und beliebt bei meiner ganzen Umgebung fühlen kann. Ich bin allen Hunden und Menschen freundlich gesonnen. Ausnahme: Katzen, Kaninchen und Eichhörnchen.

Meine Leute schwärmen zuweilen von mir: „Die Lena ist so gut erzogen, sie kann überall frei laufen. Am Haus in Euronat scheint sie genau die Grundstücksgrenzen zu kennen. Ein sehr angenehmer Hund!" Das höre ich natürlich gern. Doch ich muss zugeben, das war nicht immer so.

Ich erinnere mich an Begebenheiten, da waren meine Leute gar nicht zufrieden mit mir. Ich liebte es nämlich, unter das Haus zu kriechen. Da roch es so herrlich nach Mäusen, Katzen und Kaninchen. Ich lebte in der Hoffnung, einmal Jagdglück zu haben. Ich verstand auch nicht, warum ich mich nicht unter dem Haus aufhalten sollte, war ich doch anwesend und nicht abgehauen. An einem Tag schaltete ich auf stur. Ich kam einfach nicht unter dem Haus hervor trotz freundlicher „Komm, Lena!" und schließlich energischer „Hier!" Das dauerte.

Ich hörte, wie meine Leute fluchten. Plötzlich hatte Frauchen eine Idee: „Wir holen Ben."

Ben war mein Freund, ein prächtiger Jagdhund. Wir liebten uns und hatten viele Pläne für gemeinsames Jagen.

Ben wurde also geholt. Freudig verließ ich meinen Unterschlupf und begrüßte Ben liebevoll, indem ich an ihm hochsprang und mit ihm spielen wollte. Da Ben an der Leine war, konnten wir uns nicht selbständig machen. Frauchen sagte: „Das hat also geklappt." und legte mir auch die Leine um. Es wurde nicht geschimpft. Ich vermisste aber meine Freiheit, und so beschloss ich, mich erziehen zu lassen und hörte auf, unter dem Haus mein Jagdglück zu erhoffen, zumal Ben gar nicht mit mir unters Haus passte. Er war zu groß. Ein prächtiger Jagdhund, dem ich zum Teil meine gute Erziehung verdanke.

 

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Lena berichtet

Lena: Ich bettele wirklich nicht mehr.

Meine Leute haben immer gesagt: „Unser Hund bettelt nicht!" Siehe meine Geschichte mit diesem Titel. Und ich habe es immer geschafft, etwas zu kriegen. Meiner Jammermine konnte keiner widerstehen. Einmal habe ich bei einem Aperitif, als Gäste da waren, neun Scheiben Wurst fressen können. Jeder wollte mir was geben, als er meinen schmachtenden Blick wahrnahm. Kein Essen, bei dem ich nicht einen Bissen gereicht bekam!

Und die Folgen?

Ich wurde dicker und fauler und schließlich krank. Ich hatte wahnsinnige Schmerzen, aß nichts mehr, auch nicht die besten Steakstückchen. Ganz apathisch lag ich da. Meine Leute wussten: Lena ist krank.

Ohne Termin zum Tierarzt. Lange Warterei. Schließlich untersuchte mich eine sehr sympathische Ärztin. Sie äußerte den Verdacht: „Das kann die Bauchspeicheldrüse sein." Sie nahm mir Blut ab und gab mir eine Spritze gegen die Schmerzen. Meine Leute bekamen noch weitere Medikamente für mich mit. Es ging mir etwas besser. Doch am nächsten Tag hieß die Diagnose wirklich: Bauchspeicheldrüsenentzündung, 3-4 Tage Tierklinik. Ich war entsetzt. Meine Leute brachten mich sofort hin. Die nette Tierärztin setzte mich in einen Käfig und legte mir einen Tropf an. Der Höllenaufenthalt begann. Ich hatte zwar keine Schmerzen mehr, fühlte mich aber sehr einsam. Meine Blase wurde durch die Infusion immer voller. Ich musste. Schließlich ließ ich alles laufen. Eine erniedrigende Situation!

Man machte mir den Käfig frisch. Niemand schimpfte. Ich dachte an meine Leute. Und vermisste sie so!

Am nächsten Tag rasierte man mir den Bauch. Allerlei Apparate wurden angesetzt. Bedenkliche Mienen! Offensichtlich eine ernsthafte Erkrankung! Ich dämmerte für mich hin. Wäre ich doch zu Hause!

Weitere Untersuchungen.

Die schreckliche Zeit dauerte vier Tage.

Endlich sagte meine Ärztin: „Du darfst nach Hause!"

Und meine Leute warteten. Wie groß war meine Freude! Minutenlang musste ich ihnen erzählen, was ich gelitten habe. Dann die Belehrungen: Kein Fett, am besten nur Diätfutter aus Dosen, die wir gleich als ganze Palette erhielten.

Tabletten!

Im Auto schaute ich Frauchen dankbar an, Immer wieder musste ich erzählen, wie ich gelitten habe.

Zu Hause große Freude. Ich raste durch alle Räume. Dann sollte ich fressen. Diätfutter aus der Dose! Ich roch dran. Widerwärtig! Ich wandte mich ab. Frauchen wirkte ratlos. Schließlich setzte sie einen Topf auf. „Hähnchenbrust ist auch so gut wie fettfrei. Sie kochte das Fleisch mit Kartoffeln und Karotten. Es schmeckte himmlisch. Und dabei blieb ich. Ich wurde schlanker, wendiger, lebensfroher. Die Krankheit war überwunden!

Und ich beschloss: Ich bettele wirklich nie wieder.



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Der folgende Bericht  stand bislang nur in der Rubrik Anreiseempfehlungen (unter Beaugency, dort gibt es auch Bilder der Brücke). Aus systematischen Gründen stellen wir ihn auch in diese Rubrik.


Jule berichtet (13)

 

Die Brücke von Beaugency

Wer sich die Brücke anschaut, die heutzutage in Beaugency über die die Loire führt, hat zwei Möglichkeiten: entweder er guckt nur kurz und desinteressiert, dann fällt ihm nichts auf, oder er sieht wirklich genau hin, und dann fällt ihm einiges auf. Sie/Er merkt dann, dass mit dieser Brücke irgendetwas nicht ganz im Lot ist. Und wer das merkt, der hat genau erfasst, dass bei dieser Brücke tatsächlich nicht alles so ist, wie  es sein sollte.

Wir haben jedenfalls genau hingesehen und uns gefragt, was bei dieser Brücke auffällig ist. Da wir das auch nicht sofort gemerkt haben, haben wir beschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen. Wie Sie alle wissen, steht in dem Organigramm unserer Redaktion, dass ich für alles, was mit Recherche zu tun hat, zuständig bin. Mach ich wirklich gern, obwohl es manchmal noch mehr Spaß macht, Beschwerden zu bearbeiten. Dafür hab ich nämlich auch so einige Argumente, aber das ist ein anderes Kapitel.

Also, hab ich mich daran gemacht, das auszugraben, was mit der Entstehung dieser Brücke zu tun hat. Dabei brauchte ich gar nicht lange zu suchen, denn schon der erste Einwohner von Beaugency, den ich befragt habe, hat mir alles haarklein erzählt.

Ich schreib das mal so auf, wie ich es gehört habe. Also, da war das Städtchen Beaugency, und das lag an der Loire. Da liegt es auch heute noch, aber heute hat man eine Brücke, mit der man von einer Seite der Loire auf die andere kann. Praktisch, aber längst nicht selbstverständlich. Über viele Jahrhunderte konnte man nämlich nicht so einfach über die Loire, weil es keine Brücke gab. Und da haben die Stadtväter in Beaugency überlegt, was zu tun war. Da die damals auch schon ganz schön pfiffig waren, wussten sie nach ein paar Minuten, dass die Lösung ihres Problems eine Brücke war. Dann hat einer gesagt, dass so eine Brücke ganz schön was kostet, und der Bürgermeister, der eine Schwester auf der anderen Loireseite hatte, hat geseufzt und gesagt, dass das genau der Punkt war, an dem er graue Haare kriegte. Denn, so sagte der Bürgermeister noch, Geld war das einzige, was man in Beaugency nicht hatte. Ende der Beratung, alle nach Hause.

Auf dem Heimweg sprach den Bürgermeister ein Fremder an und sagte, er habe gehört, dass man in Beaugency eine Brücke bräuchte, dass dafür aber das Geld fehlte. Er hätte da so eine Idee. Tuschel, tuschel, tuschel.

Ich habe, wie das so meine Art ist, kräftig nachgebohrt, und dabei kam folgendes heraus: Der Fremde hat dem Bürgermeister angeboten, die besagte Brücke zum Nulltarif, und das noch in einer einzigen Nacht, zu bauen. Das sei jedoch nicht ganz umsonst. Und, fragte der Bürgermeister, was der Fremde denn haben wolle. Sagte der, die erste Seele, die die neue Brücke überquert. Der Bürgermeister glaubte nicht richtig zu hören, denn das schien ihm ein überaus gutes Geschäft zu sein. Er fragte nur, ob man sofort einen Vertrag machen könnte. Sagte der Fremde, ja natürlich. Und das passierte dann auch.

Danach ging der Bürgermeister langsam und hochzufrieden nach Hause. Da war es dann allerdings mit dem Frieden zu Ende, denn seine Frau fragt ihn ziemlich grob, wo er denn jetzt noch herkäme. Der Bürgermeister holte weit aus und erzählte. Als er an der Stelle ankam, an der er das Geschäft wegen der Brücke abgeschlossen hatte, guckte ihn die Frau Bürgermeisterin jedoch nicht so an, wie er das erwartet hatte, denn die sagte nur, das sei mal wieder typisch. Was denn, fragte der Bürgermeister. Sagte die Bürgermeisterin, na, dass er mal wieder übers Ohr gehauen worden sei. Wer, bitte schön, baute schon eine Brücke, noch dazu über die Loire, und wollte dafür kein Bargeld sehen. Höchst verdächtig, wenn da mal nicht der Teufel im Spiel sei. Der Bürgermeister, der sowieso nicht viel Selbstvertrauen besaß, sagte dann, ihm sei bei seinem Gespräch wegen des Brückenbaus schon unbehaglich gewesen, denn der Fremde habe irgendwie gerochen. So schweflig etwa, fragte die Bürgermeisterin. Ja, sagte der Bürgermeister, und seine Frau fragte weiter, war denn der Fremde auch schlecht zu Fuß? Ja, sagte der Bürgermeister, der hinkte, und er schien einen Fuß zu haben, der nicht ganz so wollte wie er.

Da holte die Bürgermeisterin tief Luft und sagte laut und deutlich ein paar Dinge, die ich wegen der aktuellen Datenschutzlage nicht weitergeben darf. Ich blende uns da wieder ein, wo die Bürgermeisterin sich beinahe beruhigt hatte, was aber nicht hieß, dass sie ruhig war. Sie sagte ihrem Mann klipp und klar, dass er sich etwas einfallen lassen müsste, sonst, na ja, er wisse schon. Dem Bürgermeister fiel aber nichts ein, er wurde immer mutloser und seine Frau immer resoluter. Schließlich sagte sie, also, wenn er keine vernünftige Idee hätte, sie hätte da einen Vorschlag. Wieder tuschel, tuschel, tuschel.

Am nächsten Morgen stand der Bürgermeister zeitig auf, um nachzusehen, wie es um die Brücke stand. Die stand tatsächlich da, wo am Vortag noch keine Brücke gewesen war, ziemlich genau so, wie man sie heute noch sehen kann. Und am anderen Ende stand der Fremde und schaute gespannt auf die Brücke. Klar, der wartete auf seinen Lohn. Dem Bürgermeister war mulmig zu Gemüte, aber er wusste, dass er handeln musste, denn weder mit dem Fremden, das dachte er sich, noch mit seiner Frau, das wusste er aus Erfahrung, war zu spaßen. Der Bürgermeister ging also auf die Brücke zu, machte eine Tasche auf, die er über die Schulter trug und setzte eine schwarze Katze auf die Brücke. Kaum saß die da, kam einer von meinen Vorfahren und jagte dem armen Tier einen solchen Schrecken ein, dass das wie ein gut geölter Blitz über die Brücke schoss, mitten auf den gierig guckenden Fremden zu. Als der die Katze sah, war ihm schlagartig klar, dass er hereingelegt worden war. Aber, Vertrag ist Vertrag, die Brücke war ja gebaut und der Vertrag wenigstens formal erfüllt worden. Trotzdem war er wütend wie schon lange nicht mehr. In seiner Wut ließ er die Katze aus den Augen, die an ihm vorbei jagte und im Schilf verschwand. So hatte der Fremde nicht mal die Katzenseele gekriegt, auch deswegen trat er mit seinem Klumpfuß gegen die Brücke, sonderte eine Menge Schwefel ab und verschwand.

Die Katze tauchte bald darauf beim Bürgermeister auf und sah den anklagend an. Das sah die Bürgermeisterin und sie verdonnerte ihren Gemahl dazu, dieser Katze bis an das Ende ihrer Tage ein sorgenfreies Leben zu bereiten. Was der dann auch tat. Und als die Katze sich zu ihren Vorvätern versammelte, wurde sie an einer Stelle begraben, an der sie einen unverbaubaren Blick auf die Brücke hat. Hat sie verdient, oder?

Übrigens, dass der seelengierige Fremde der Brücke einen mächtigen Tritt verpasst hat, das können Sie noch heute sehen. Schauen Sie sich das Bild der Brücke noch mal genau an. Stimmt’s?

Schließlich noch ein Tip: Wenn Sie mal nach Beaugency kommen (sollten Sie übrigens unbedingt tun), fragen Sie die Eingeborenen, was die über die Entstehung der Brücke wissen. Hören Sie ruhig zu und denken Sie sich ihr Teil. Wenn die Ihnen nicht haarklein das erzählen, was ich aufgeschrieben habe, dann sind das Zugereiste, also keine echten Beaugenciens. Die wissen natürlich diese Dinge nicht so richtig. Aber seien Sie taktvoll, sagen Sie denen nicht, dass  Sie erkennen können, wer zugereist ist. Sie wollen doch niemanden traurig machen, oder?

Wenn Sie sich die Bilder der Brücke anschauen wollen, dann klicken Sie hier.

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Jule's Ecke (12)

Euronat ist schöner

Also früher, da gab es einen Spruch, den ein begnadeter Euronat-Fan erfunden oder zumindest breitflächig eingesetzt hatte, in dem es hieß, das Paradies sei noch nicht ausverkauft. Nun habe ich ja mit ein-, aus-, und verkaufen nichts im Sinn, geht ja auch nicht, da müsste man ja bisweilen was unterschreiben, und?

Aber bei Empfinden, da kann ich mithalten, denn Euronat ist schon was Feines. Wie schnell man da in der Natur ist, das ist schon was. Und dann, für unsereins, da gibt es einen Strand, nicht ganz allein für mich, aber für alles, was wasserfest ist und vier Hundebeine hat. Und das, das ist etwas, wofür ich meine Obrigkeiten jeden Umweg machen lasse. Denn, nehmen wir mal zum Beispiel die Ostsee. Da gibt es auch Hunde, Wasser und Strand, aber das funktioniert ganz anders. Guck ich da mal aufs Wasser, kommt sofort einer und sagt, was das kostet. Guck ich eben nicht aufs Wasser. Kostet auch was, denn nicht aufs Wasser gucken ist auch gebührenpflichtig.

Und dann der Strand, also da ist an der Ostsee eher Verwaltung des Mangels, denn die bringen ja nicht mal eine ordentliche Ebbe zustande. Da ist der Strand immer mickerige zehn bis elf Meter fünfzig breit. Mehr schaffen die nicht. Die müssten mal zum Euronat kommen. Nein, lieber nicht, die gingen gar nicht mehr weg, die holten ihre Gebührentafel raus und fingen an zu kassieren. Da hätten die dann allerdings schlechte Karten, denn dann würde ich meine Kumpane mobilisieren und dann, also bleibt lieber an der Ostsee und plündert da die Sommergäste aus.

Aber nochmal zum Paradies. Da haben wir einen Strand, bei Ebbe breiter als so mancher gucken kann, der ist einfach so da. Da kann man buddeln, Höchstgeschwindigkeitstests machen, ins Wasser toben, also einfach obersuper. Und das bei Himmel wolkenlos blau, Sand und Sonne für alle. Manchmal denke ich so, was wäre, wenn da einer käme, der das alles gebührenpflichtig machen würde. Na, der soll ruhig kommen, dem würden wir schon zeigen, wohin er flüchten muss, Richtung Westen, dann wären wir ihn bald los. An der Ostsee würde das nicht funktionieren. Wegen der Entfernungen. Da ist hinter der nächsten Ecke schon wieder eine Insel oder so etwas.

Ist jetzt klar, warum wir am Atlantik sind? Wenn nicht, Sie kennen ja unsere eMail-Adresse.

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Lena berichtet

„Unser Hund bettelt nicht“

 

„Lena, du bekommst nichts am Tisch, das weißt du doch!“

Was meine Leute immer reden! Sie lügen, ohne rot zu werden. Ich bekomme oft etwas. Da habe ich meine Methode. Ein Milchtritt, der bei mir ein Schnauzenstoß ist, und ein Hungergesicht, und schon gibt’s was. Ein Hungergesicht ist übrigens eine ganz ernste, sehnsuchtsvolle Miene, die gleichzeitig ein wenig vorwurfsvoll  („Ihr fresst und gebt nichts ab!“) und Mitleid erregend ist. Mein Herrchen sagt immer: “Nie ist die Lena so hübsch, wie wenn sie bettelt. Unwiderstehlich!“ Frauchen: „Ich denke unser Hund bettelt nicht.“

Auf jeden Fall habe ich mit meinem Hungergesicht – es ist übrigens schwer zu erlernen – und den Wadenstupsern schon manchen Brocken erhalten, auch wenn Frauchen sagt: „Wir haben uns doch vorgenommen, Lena nichts mehr am Tisch zu geben, seien wir doch mal konsequent!“

Wenig konsequent ist es, dass meine Leute mich manchmal drängen, etwas aufzusuchen, was ihnen hingefallen ist. Ich bin natürlich bereit zu helfen. Das habe ich schon bei den Enkelkindern gern gemacht, als sie im Hochstühlchen saßen.

So werde ich zum Fressen am Tisch bestellt. Und dann heißt es wieder „Unser Hund bettelt nicht!“

Der Satz scheint sie zu beruhigen und von ihren Inkonsequenzen abzulenken.

 

Heute Abend kommen scheinbar wieder Gäste. Dann werde ich wieder meine Erfolge haben, übrigens auch bei jemandem der seinem Hund nie am Tisch etwas gibt. So gut ist meine Methode.  

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Lena berichtet

"Ich helfe den Wiedehopfen!“

Bei uns im Dach brüten Wiedehopfe, schon zum zweiten Mal in diesem Jahr. Fleißig fliegen die Alten Futter beschaffen. Jedes Mal setzt ein Piepsen und Schreien ein, wenn Vater oder Mutter mit Beute eintrifft. Der Lebenswille der Kleinen ist da.

Und dass ihr Leben geschützt wird, dafür sorge ich. Denn neulich schlich Lune, Nachbars schwarze Katze, unterhalb des Nestes herum und legte sich schließlich auf die Lauer. Ängstlich hüpften die Alten auf unserem Dach hin und her und gaben Warnlaute von sich.

Da bin ich gekommen. Lune suchte sofort das Weite. Bis zu ihrem Haus habe ich sie verfolgt.

Jetzt liege ich immer unter einem Mimosenbusch in der Nähe des Nestes. Vater und Mutter Wiedehopf kennen mich. Sie stören sich nicht an mir. Offensichtlich können sie Hunde und Katzen unterscheiden. Ich freue mich immer, wenn neues Futter eintrifft und die Kleinen zetern und schreien: „Ich bin dran!“ – „Her mit der Larve!“ – „Nein, ich, ich, ich!“

Natürlich werde ich zuweilen müde auf meinem Posten. Die Augen fallen mir zu. Einmal muss ich tief eingeschlafen sein. Aber meine Nase schläft nie. Sie witterte Lune. Sofort war ich auf. Und Lune rannte.

Spannend und gefährlich wird es, wenn die Kleinen flügge werden und das Nest verlassen. Ob sie sofort fliegen können? Ich werde auf jeden Fall auf meinem Posten sein und Lune hat keine Chance. 

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Lena berichtet


EURONAT: OB BESUCH KOMMMT?

„Lena, du bleibst zu Hause, wir gehen einkaufen!“ Herrchen versucht streng zu sprechen. Ob er meinen Widerstand erwartet? Völlig überflüssig. Supermärkte mag ich nicht aufsuchen. Zum Metzger in Euronat gerne, und vor allem in die Markthalle von Soulac. Ich sondere immer Speichel ab angesichts des Fischangebots.

Also, ich bleibe gerne zu Hause. Aber warum werde ich eingesperrt? Im sonnigen Garten ist es interessanter. Meine Leute wissen doch, dass ich nicht weglaufe. Na ja, vielleicht haben sie Angst, dass mich jemand mitnimmt. Ich akzeptiere also den Bungalow.

Frauchen trägt große Körbe zum Auto. Sie haben wohl einen großen Einkauf vor. Vorräte sind überlebenswichtig. Ob Besuch kommt?

Kaum höre ich den Wagen abfahren, da träume ich schon in meinem Körbchen. So ein Schlaf am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen. Etwa zwei Stunden Ruhe sind mir vergönnt.

Auf dem Kies knirschend rollt der Wagen in die Einfahrt. Die Begrüßung ist wie immer stürmisch. Sie sind ja so dankbar, dass ich das Haus bewacht habe. Die hoch bepackten Körbe stehen auf der Terrasse. Ich prüfe den Inhalt. Es duftet verführerisch nach Crevetten, Fisch und Lammfleisch. Einen Geruch kenne ich nicht. Später stelle ich fest, dass es sich um Jakobsmuscheln handelt. Etwas ganz Köstliches, wie ich beim Abendessen durch Betteln erkenne.

Haben meine Leute ein Gelage vor oder kommt Besuch? Ich werde es im Laufe des Nachmittags erfahren. Erst gibt es einen Spaziergang Richtung Strand. Heinrich, mein schöner Dackelfreund, begegnet uns. Ich freue mich. Er aber ist zurückhaltend: kurzes Wedeln, einmal Schnuppern und schon will er weiter. Ist er noch immer hinter Finchen her?

Nach dem Fressen am Mittag genießen wir die Siesta. Alle liegen im Schatten und dösen vor sich hin. Ein Schnarcher weckt mich. War ich’s vielleicht selbst? Als die Hitze vorbei ist, fängt Herrchen an, Spargel zu schälen, der Menge nach gibt’s Besuch. Das freut mich. Dann kommen auch die Crevetten auf den Tisch. Wenn die gepuhlt werden, bekomme ich immer eine, eine riesige Crevette royale.

Frauchen deckt den Tisch. Herrchen bereitet den Apéritif vor. Wer mag wohl kommen? Die meisten bringen mir ein Leckerchen mit. Gabi und Inge, Ulla und Ulli sind sehr zuverlässig. Irmchen hat zuweilen noch was von der letzten Lammkeule. Besuch lohnt sich. Vielleicht habe ich auch Glück mit dem Betteln.

Auf jeden Fall ist es Zeit, sich auf den Begrüßungsposten zu begeben. Da habe ich eine Stelle vor dem Haus unter einer dichten Mimose. Nachbarn, die vorbeigehen, sehen mich nicht. Tarnie ist zu dieser Tageszeit nicht unterwegs. Die Nachbarkatze Lune bleibt in sicherer Entfernung.

Ich warte. Wer mag wohl kommen? Wenn es Spargel gibt, tippe ich auf Ulli und Ulla.

Ich warte. Auf der Terrasse höre ich Gläser klingen. Gleich muss es soweit sein. Da!  Der Besuch kommt auf dem Fahrrad. Es sind Ulla und Ulli. Ich begrüße sie gebührend. Mein Leckerchen ist sicher und vor allem eine geschickte Hand, die mich hinter den Ohren krault mit der Feststellung: „Die Lena hat keine kahlen Stellen hinter den Ohren. Sie wird zu wenig gekrault.“

Ich bin einverstanden.       

 

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Lena berichtet

30. Mai 2010    Lenafieber

„Du bist Lena!“ – „Lena ist Deutschland!“ – „Lena ist unser Sommermärchen!“ -  „Heute sind wir Lena!“

Ich höre meinen Namen überall. Eine Lena hat den europäischen Gesangswettbewerb gewonnen. Ich freue mich für sie.

Aber der Name ist doch schon immer was Besonderes, nicht nur weil ich eine einzigartige Hündin bin, sondern auch von der Namenstradition her. Ist doch Lena von Helena abgeleitet, der schönsten Frau der Antike. Keinesfalls von Magdalena, der berühmten Sünderin.

Ich billige die Euphorie um Lena, ich akzeptiere die Freude der Fans, die doch sonst nichts haben. Aber es stört mich, wenn mein Herrchen ruft „Lena komm!“ und die Leute erheitert, überrascht und mitleidig lächeln.

 

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Lena berichtet

April 2010: Rückkehr nach Euronat

Die Vorfreude ist groß: „Lena, wir fahren nach Euronat! Morgen geht’s los!“

Euronat ist mir ein Schalmeienklang, steht doch der Ort für gutes Klima, zunächst wettermäßig. Aber auch mit meinen Leuten herrscht immer herzliches Einverständnis und Entspanntheit. Die Bekanntschaft vieler Hunde bringt mir Geselligkeit, obwohl ich auch das Alleinsein schätze. Kurz: Euronat ist das Paradies auf Erden.

Die Fahrt nach Euronat ist wie immer langwierig, aber ich habe meine Methode: die meiste Zeit wird geschlafen, sonst herrscht Vorfreude, die am stärksten wird, wenn die Strecke von der Barriere zum Haus gefahren wird. Der Meeresduft schaukelt sich auf, das Geräusch der Brandung, das so oft meine Träume begleitet, schwillt an.

Nach elf Stunden – Pipimachen im Schnelldurchgang – sind wir da. Beglückt springe ich aus dem Auto. Alle herrlichen Düfte sind versammelt. Das würzige Harz atme ich tief ein. Die fischige Meeresbrise belebt. Der warme Duft der Erde beruhigt.

Die schwarze Lune räkelt sich provozierend in der Auffahrt gegenüber. Sie hat Glück, dass ich Nachbarkatzen nicht mehr jage. Aber wo ist Lili, die mich immer freudig begrüßt?

Meine Leute sprechen mit Corinne. Lili ist schon im Herbst in den Hundehimmel gewechselt. Ich bin sehr traurig. Eine Seele von Hund. Immer guter Laune, immer freundlich.

Die Nachbarn Michèle und Alain sind auch schon da. Ich begrüße sie, doch wo ist Mija, die Berner Sennenhündin. Alain schweigt. Ich sehe Tränen in seinen Augen. Schließlich schafft Michèle es: „Elle est morte en novembre.“

Wieder ein Schock! Mit Mija war ich gut befreundet. Wir strichen wechselweise und zusammen durch unsere Gärten.

Am nächsten Morgen besuchen wir Gabi und Inge. Es ist verdächtig ruhig. Kein Bellen. Sollte etwa....?  Nur langsam folge ich meinen Leuten auf die Terrasse. Tatsächlich, keine Jule! Wir erfahren, dass sie vor einigen Wochen die ewigen Dackel-Jagdgründe aufgesucht hat. Ich bin nicht fähig, ein Leckerchen anzunehmen. Gibt es denn nur noch Tod, Elend und Kummer? Wie soll das weitergehen?

Den Nachmittag verbringe ich ganz deprimiert im Garten. Kein Bellen nirgends. Wann bin ich dran? Ich sage mir, dass ich noch Zeit habe. Meine sieben Jahre sind vielleicht die Hälfte des Lebens. Dennoch kommen mir immer wieder die Tränen des Mitgefühls mit den verstorbenen Freundinnen.

Da plötzlich bebt die Erde unter dem Galopp eines herannahenden Etwas. Das ist Tarnie, gefolgt von Venu. Das Leben ist wieder da. Das Leben geht weiter.

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Jules Ecke (11)

Turm im Versteck und Schuh im Morast

Zu Beginn unseres diesjährigen Betriebsausfluges zu den Wasserflugzeugen in Bordeaux und Biscarosse machten sich der Chef der Médoc-Notizen und seine Cheflektorin in meiner Begleitung auf die Suche nach dem Turm von Bessan in Soussans, zwischen Margaux und Macau. Einheimische beschrieben uns sehr freundlich den Weg zu dem alten Gemäuer, an dem wir zunächst einmal vorbeifuhren, ohne es zu bemerken. Erst auf dem Rückweg haben wir etwas entdeckt, was von weitem grau und unscheinbar durch die Bäume lugte. Das war dann tatsächlich der Turm, den wir suchten. Ich habe bis heute noch nicht herausgekriegt, warum die Leuten den so verstecken. Den nimmt doch bestimmt keiner mit.

Also, wir haben angehalten und uns auf den Weg gemacht. Aber war nichts mit Weg, über einen tief gefurchten, mit allerlei Gesträuch und dornigen Brombeeren bestandenen Acker mussten wir uns vorarbeiten. Dabei habe ich mal wieder gesehen, dass ich viel geländegängiger bin als meine übrige Meute. Dann wurde es matschig, was mir natürlich im Gegensatz zu meiner Obrigkeit, die heftig zu kämpfen hatte, mächtig gefiel. Wir arbeiteten uns vorsichtig an der Turmmauer entlang, bis ich plötzlich einen Entsetzensschrei hörte. Was war passiert? Unsere Lektorin saß fest im Morast und einer ihrer Schuhe war weg! Mit Mühe konnte sie ihn herausziehen und sie gelangte auf einen schmalen, zugewachsenen Pfad, der an der Turmmauer entlang nach oben ins Trockene führte. Von dort konnte man in die Ruine hinabschauen. Und was sah man? Nix, alles alt und demoliert. Unser Chef machte, wie das so seine Art ist, ein Foto nach dem anderen und hatte nur Augen für das alte kaputte Mauerwerk. Mir wären da schon noch ein paar spannendere Sachen eingefallen, aber ich durfte mal wieder nicht. Da ein mehrere Meter breiter Wasserlauf, von dem mein Chef sagte, der habe früher mal die Burg, deren Reste wir soeben beguckten, ganz umgeben, auch mir auf dieser Seite ein Weiterkommen verwehrte, ging es auf dem uns bekannten Weg  ohne erschwerende Vorkommnisse zurück zu unserem Wohnmobil, das uns freudig erwartete. Dieser Ausflug, der uns alle ziemlich verschlammt hatte, war ein Erlebnis, dem weitaus aufregendere in Bordeaux, wo wir unsere Lektorin kurzzeitig verloren, und Biscarosse folgten. Hoffentlich machen wir bald wieder einen solchen Betriebsausflug! Da bin ich wie immer dabei!

(Einen Bildbericht über das, was wir am Turm von Bessan entdeckt haben, gibt es demnächst bei unseren Bildberichten.)


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Jules Ecke (10)

Wissen Sie, was ein Nomenklator ist? Nein? Na, macht nichts, hab ich auch nicht gewusst, aber Ignace, der weiß so was. Na ja, bei dem Kopf, was da so alles reinpasst. Also, ein Nomenklator war im alten Rom ein Bediensteter, meist ein Sklave, der vor seinem Herrn herging und die Leute auf der Straße beäugte. Sobald er jemand entdeckte, den sein Herr kannte (oder eigentlich hätte kennen sollen), hat er den Betreffenden lauthals begrüßt. Der Begrüßte war zufrieden und der Herr, der seinen Nomenklator funktionieren hörte, auch. Aber vielleicht fang ich mal vorne an.

Also mein Chef, der ist da, wo er einen großen Teil des Jahres seine Zeit zubringt, bekannt wie ein vielfarbiger Hund. Hat seine Vorteile, aber auch Nachteile. Bei meinem Chef bisweilen letzteres, weil der ein lausiges Personengedächtnis hat. Und dazu hat er wohl noch eine Brille, bei der nur in der Blickmitte so richtig genau sieht, wen er da vor sich hat.

Ich hab ja gute Ohren und krieg so ziemlich alles mit. Ich höre Leute dann öfter über meinen Chef sagen, na der kennt auch nur die Leute, die er kennen will.

Damit ist das Problem klar. Klar ist auch, dass wir so was mitkriegen und uns fragen, was man da machen kann. Passieren muss wohl was, denn dass unser Chef Leute, die er kennen könnte oder sollte, nicht standesgemäß begrüßt, häuft sich. Und so wie wir das einschätzen, wird das auch nicht besser.

Wir haben also überlegt, was wir tun sollten, aber das wäre gar nicht nötig gewesen, wenn wir gleich auf Ignace gehört hätten. Der hat nämlich gesagt, unser Chef braucht einen Nomenklator. Haben wir alle ein bisschen unstet geguckt, weil nämlich außer Ignace keiner wusste, was das auf sich hat mit dem Nomenklator. Ignace, der ja meist recht geduldig ist, hat uns dann das erklärt, was Sie jetzt alle schon wissen, und wir waren alle Feuer und Flamme. Nur, hat dann einer nach ein paar Minuten gesagt, wo kriegen wir einen Nomenklator her? Hat Ignace gesagt, das ist lediglich ein Kostenproblem. Guckt ins Internet und stellt fest, was so ein Nomenklator heute kostet. Haben wir gemacht. Ist ganz schön teuer, jedenfalls mehr, als wir zur Zeit in unserer Kaffeekasse haben.

Deswegen sparen wir jetzt. Wenn Sie was dazulegen wollen, ist das gut, dann melden Sei sich bei Fred, der kommt vorbei und regelt das Formale.

 

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Lena berichtet

 Letzte Tage in Euronat

Ein wunderschöner Sommer! Er macht eine kurze Pause und ist wieder voll da. Ich liege im Garten. Die Sonne küsst mein Fell. Der Wind streichelt mich. Wie angenehm alles ist! Da höre ich Herrchen fragen: Wann müssen wir denn zu packen beginnen? Wenn wir Samstag fahren wollen, müssen wir Donnerstag anfangen.“ Frauchen weiß, was zu tun ist. Die verschiedenen Sitzecken müssen abgebaut werden. Die Terrassenmöbel, die Fahrräder, die Vogeltränken und die Solarlampen. Alles muss versorgt werden.“

Ich werde melancholisch. Ich hasse es von einem Ort wegzugehen, der das Paradies ist. Zu Hause gehen wir zwar spazieren, aber ich habe keinen Garten. Mit Rilke kann ich sagen: “Der Sommer war sehr groß“. Doch das „war“ bedeutet Abschied nehmen und das ist traurig.

Plötzlich fällt mir auf: Die Schwalben sind schon weg. Es geht zum Ende.

Ist das Ende nicht auch ein neuer Anfang? Zu Hause laufen wir jeden Tag auf den Schlossberg.  Oder wir machen richtige Wanderungen im Hunsrück, besuchen Ilse und Arnim, und Hansjörg reicht mir wieder beste Brocken.

Die Traurigkeit verfliegt. Die Erinnerung an diesen Sommer wird bleiben.

Und im März fahren wir wieder hierher. Wenn ich dann auf der Terrasse liege und die blühenden Mimosen und den herrlich gelben Ginster sehe, fühle ich mich wieder wie im Himmel.

Einige dunkle Tage sind zu überstehen und dann ist da noch das Fest des Lichts.


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Jules Ecke (9)

Also, wir hatten wieder Redaktionssitzung. Das heißt, wollten wir eine machen. Aber der Reihe nach. Als wir alle ruhig waren, hat unser Chef gesagt, er habe was zu sagen. Hat der eigentlich immer, aber wir haben ihn erwartungsvoll angeguckt. Also hat er gesagt, es gibt noch mal was zum Thema Datenklau bei den Médoc-Notizen. Also mal ehrlich, haben wir alle weggeguckt, will doch keiner mehr hören. Das hat wohl auch unser Chef gemerkt, denn er hat schnell den Beamer angemacht und uns einen Text gezeigt, der so geht:

„Alle bei www.xxxxxxxx.de, erschienenen Artikel und Meldungen sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte an jeglicher weiteren Verwendung liegen ausschließlich bei der xxxxxxxxx . Reproduktionen gleich welcher Art sowie die schriftliche oder elektronische Auswertung nur mit Zustimmung der xxxxxxxxx “

Haben wir fragend geguckt, aber der Chef hat gesagt, dass er das auf einer Internet-Seite so gefunden hätte, und er wollte wissen, wie wir das fänden. Haben wir alle gesagt, gut so, denn dann kann keiner mehr im Internet was klauen, zumindest auf dieser Seite nicht.

Na prima. Hat unser Chef gesagt, dann hat er weitergeschaltet. Dann stand auf dem Beamer:

„xxxxxxxxxxx versucht, für all seine Websites, die Urheberrechte des verwendeten Materials zu beachten. Sollte sich auf den xxxxxxxxxxx-Websites dennoch ein durch fremdes Copyright geschütztes, aber nicht als solches kenntlich gemachte Material befinden, so konnte das fremde Copyright von xxxxxxxxxxxx nicht festgestellt werden. Im Falle einer solchen, nicht beabsichtigten Verletzung fremden Copyrights wird xxxxxxxxxxxx nach entsprechendem Hinweis das beanstandete Material aus seinen Websites entfernen bzw. auf Wunsch mit einem Copyright-Vermerk kenntlich machen.“

 

Na und, haben wir gesagt, ist doch ganz vernünftig. Ja, hat unser Chef gesagt, ist es auch. Jetzt setzt aber euch alle fest hin, habt Ihr eine Ahnung, wo ich das gefunden habe? Wusste natürlich keiner. Haben wir den Chef angeguckt, der hat aber eine Kunstpause gemacht, und dann hat er gesagt, das stammt von der Internetseite, die uns beklaut hat. Ganz sicher weiß  ich nicht, ob er das so gesagt hat, bei seinem Hang zu gewählter Ausdrucksweise wird er wohl gesagt haben, dass er das auf einer Internetseite gefunden habe, die bei uns unberechtigt Daten entnommen hat. Ist aber eigentlich egal, wie er das gesagt hat. Jedenfalls war ein par Sekunden Schweigen im Redaktionssaal. Aber nur ein par Sekunden. Dann ging Ignace los. Wenn der lacht, dann wackelt nicht nur der Tisch, an dem er sitzt, der schlägt aus, dass man sich fürchten muss. Am schlimmsten war Fred, glaube ich, der hat so schrill gelacht, dass alle Fliegen Schreckstarre gekriegt haben. Rocco wurde unplanmäßig wach und blieb es für mindestens fünf Minuten. Lena dachte eher an geordneten Rückzug und ich, ich war sauer, denn bei mir wirkt Lachen nicht. Wenn ich mich abreagieren soll, dann muss das anders gehen.

Als keiner mehr richtig Luft kriegte, hat der Chef gefragt, wie es weiter gehen sollte. Hab ich als erste meinen Vorschlag gemacht, den wollte der Chef aber nicht so gerne hören. Dann hatte Ignace auch etwas Handfestes vor, was der Chef ebenfalls nicht wollte. Schließlich kam Lena und sagte, am besten, wir machen gar nichts, wir haben den Datenklau jetzt dingfest gemacht, und dann warten wir mal, wie der reagiert. Vielleicht sieht er ja ein, was er angerichtet hat und besinnt sich noch.

Ich konnte nicht sehen, wer das war, aber einer hat gesagt, wer’s glaubt wird selig.

Also ich hab gedacht, wenn ich mit den paar Kilo von Lena auskommen müsste, wäre ich auch so vorsichtig, aber mit meinen Möglichkeiten, kann man schon mehr Phantasie entfalten. Irgendwie blöd, dass mein Chef dann immer sagt, Jule, Du bist ein liebes Hundemädchen, denk dran und bleibe es. Ich wünsch mir zum nächsten Geburtstag, dass mein Chef mal sagt Jule, leg mal los und zeig, was Du drauf hast. Wird wohl nicht passieren, aber schön wäre es schon.

 

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Lena berichtet

Hundstage in Euronat.

Was für ein Sommer! Wie für mich gemacht! Fast kein Regen. Herrchen mault schon mal, weil die Regentonne seit Wochen leer ist. Aber er genießt das schöne Wetter auch.

Manche sprechen von Hundstagen oder canicule und stöhnen dabei und wischen sich den Schweiß. Geht man richtig mit diesen Hundstagen um, wie es zum Beispiel ein Dackel macht, ist es gar nicht so schlimm.

Bei meinem morgendlichen Strandspaziergang ist die Luft noch frisch, da der Wind vom Meer her kommt. Später stellt sich dann Ostwind ein. Auf jeden Fall genieße ich die Morgenfrische, umlaufe die Priele nicht, sondern begebe mich zügig rein; muss ich schwimmen, schadet das auch nicht. Das Wasser ist ja anders als der Regen, der meine Ausgänge zu Hause unangenehm gestaltet. Nach dem Frühstück lege ich mich eine Zeitlang unter den Minzenstrauch Von dort aus kann ich alles um mich herum überblicken und die lieben Nachbarn begrüßen. Sollte sich die schwarze Katze von gegenüber nähern, brauche ich mich nur zu zeigen, um ihr den gehörigen Respekt beizubringen.

Gegen 12 Uhr wird es richtig heiß. Markisen und Sonnenschirme sind in Funktion. Im Schatten lässt es sich angenehm ruhen. Doch nach dem Mittagessen ziehe ich mich zu einer ausführlichen Siesta unter Frauchens Bett zurück. Vor 17.30 Uhr sieht man mich nicht mehr.

Hoffentlich schnarche ich nicht so wie Herrchen, der auf der Terrasse immer einschläft.. Von dem sagt Frauchen, dass er es ziemlich laut kann, während Herrchen behauptet, man verleumde ihn, er habe sich noch nie schnarchen gehört. Ich bin da neutral, aber ich kann sagen, Herrchen ist ziemlich gut.

Nach dem Abendessen ruhe ich im Garten, natürlich von Kiefern beschattet. Wenn meine Leute gegessen haben, brechen wir gegen 20 Uhr zum Spaziergang auf. Der Meereswind bringt gute Abkühlung. Die suchen meine Leute bei kaltem Weißwein auf der Düne bei Fred&Damian. Die Stöhnerei über die Hundstage verstehe ich nicht. Womöglich macht man die Hunde noch für die Hitze verantwortlich, dabei ist die Zeit von Ende Juli bis Ende August durch den Sirius, den hellsten Stern des Großen Hundes, geprägt.

Kluge Dackel wissen das!


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Jules Ecke (8)

Nach Datenklau nun Brillenklau – was kommt danach?

Über den Datenklau bei den Médoc-Notizen habe ich berichtet. Auch darüber, dass der Datendieb seinen Klau nicht als solchen sieht. Muss er mit sich und dem für die Verwaltung seiner Seele zuständigen Ressort abmachen. Vielleicht gibt es aber bald eine Interessenvertretung für alle, die mit Mein und Dein nicht säuberlich umgehen können. Zu wünschen wäre, dass dann auch etwas organisiert wird für alle Beklauten.

Mir wird berichtet, dass in Europe ein dem Lesen zugeneigter Bewohner seine Lesebrille aus hier nicht relevanten Gründen kurzzeitig auf einer Zeitung deponierte und sich einer anderen Verrichtung zuwandte. Was er besser nicht getan hätte, denn, kaum in Ruhestellung, wurde die besagte Brille von einer Elster erspäht und geklaut. Ich weiß zwar nicht genau, ob diesem Tier das Problematische seines Tuns bewusst war, für das Schicksal der Brille wäre dies aber wohl belanglos gewesen. Die befand sich nämlich, als der rechtmäßige Inhaber der Nutzungsrechte an dieser Brille sich der Fortsetzung seiner Zeitungslektüre zuwenden wollte, einige Meter über dem Erdboden im Schnabel der bereits angesprochenen Elster. Die hätte nun die Chance gehabt, das Unrechtmäßige ihres Tuns einzusehen. Dann hätte sie die Brille etwa formlos fallen lassen können, sie eventuell sogar zurückbringen können, sie hätte jedenfalls mehrere Möglichkeiten gehabt. Die hier aktive Elster öffnete zwar ihren Schnabel, worauf die problemschaffende Brille sich erdwärts bewegte, allein damit war nicht die Möglichkeit verbunden, dass der Nutzungsrechtsinhaber an der Brille seine Lesehilfe hätte einsammeln können. Er konnte zwar sehen, dass die Brille fiel, jedoch nicht wohin. Da alle Varianten für den Verbleib der Brille durchgeprüft wurden, bleibt angesichts der immer noch manifesten Unauffindbarkeit des besagten Hilfsmittels nur die Option, dass die Elster ihre Beute just über dem Schornstein des Geschädigten fallen lassen hat.

Das muss ich dann allerdings als perfide und verwerflich einstufen, woraus ich schließe, dass Brillendiebe vom Lieben Gott mit einem Charakter ausgestattet wurden, der bestimmt nicht erste Wahl war.

Kommt bei mir natürlich die Frage auf, ob das für Datenklauer auch gilt. Wäre ja möglich und vielleicht für die Klauer eine Entschuldigung, auf die sie selbst noch gar nicht gekommen sind.

Ich mache mir allerdings Gedanken und frage mich, was jetzt wohl als nächstes geklaut wird und welche Klimmzüge die Klauer dann machen, um den Eindruck zu erwecken, sie hätten gar nicht geklaut, sie wüssten lediglich nicht, wo Mein anfängt und Dein aufhört.

Wenn mal wieder schlechtes Wetter ist, werde ich darüber nachdenken und Laut geben, wenn ich was herausgefunden habe.


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Lena berichtet

Venu perdu?

Wie ich schon mehrmals berichtet habe, mache ich jeden Morgen noch vor dem Frühstück einen Strandspaziergang mit meinen Leuten. Eine herrliche Tageszeit! Wie neu geschaffen sieht die Welt aus.

Regelmäßig treffen wir Hunde. Während unsre Herrchen und Frauchen miteinander plaudern, toben wir ein bisschen. Bewundernd sehe ich zu, wie Tarnie ein Loch nach dem anderen gräbt. Sie ist flink und ungewöhnlich schnell. Ihr Herrchen, Helmut S. läuft jeden Morgen lange Strecken mit ihr, um ihrem Bewegungsdrang zu genügen.

Vor drei Wochen sahen wir einen schwarz-grauen Rüden, der offensichtlich allein war am Strand. Er näherte sich, schon entfernte er sich wieder. Er trug kein Halsband. Ich hatte den Eindruck, dass er herrenlos war. Von zu Hause weggerannt oder gar ausgesetzt. Das gab mir einen Stich ins Herz. Ich versuchte, den hübschen Hund anzulocken. Er blieb aber unsicher auf Distanz.

Auch an den folgenden Tagen begegnete uns dieser Hund regelmäßig. Manchmal schon im Wald, immer aber am Strand. Er lief sehr schnell, verschwand irgendwo und tauchte plötzlich wieder auf, wie gehetzt. Täglich hörte ich, wie die Hundebesitzer sagten: Wir müssen was für den armen Hund tun

Er wird immer dünner. Wo mag er wohl die Nacht verbringen? Helmut S. erläuterte:“Nein, er wird nicht dünner, wir haben ihm bei uns Futter hingestellt. Das holt er sich.“  Alle freuten sich, dass der streunende Hund nicht verhungern musste. So vergingen die Wochen. Jeden Morgen die Angst, was mit unserem fremden Hund war.

Eines Morgens auf dem Weg zum Strand nahm ich zusätzlich zu Tarnies Geruch eine andere Witterung auf. Sie war mir nicht unbekannt, genau wusste ich aber nicht, um wen es sich handelte. Am Strand sah ich Helmut S. mit zwei Hunden an der Leine uns entgegenkommen. Neben Tarnie ging der bisher Herrenlose. Wir waren alle überrascht und erfuhren, dass Helmut S. am Vortag  Venu, so nannte er den Hund bezeichnend, habe festhalten können. Er habe schon in der Gendarmerie Meldung gemacht. Der Arzt hat keinen Chip finden können. Wenn kein Besitzer aufzutreiben sei, behalten er und seine Frau den Hund.

Beifall, Lob und Dank wurden von allen Seiten geäußert. Venu war nicht perdu! Vielleicht wird er mein Freund.

 



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Jules Ecke (7)

Datenklau im Internet.

Eigentlich wollte ich ja nur meine Meinung sagen, aber das geht nicht. Erst muss ich loswerden, was wir in unserer letzten Redaktionssitzung verhandelt haben. Also, wie wir zufällig herausgefunden haben, hat sich ein sogenannter „Veranstaltungskallender“ (steht da wirklich in dieser individuellen Schreibweise!) in der Rubrik Veranstaltungen der Médoc-Notizen bedient und eine ganze Menge Daten bei uns geklaut. Wir haben nachgezählt: Alle Veranstaltungen bis auf vielleicht eine sind bei uns abgekupfert worden! Macht man unter halbwegs erzogenen Erwachsenen nicht.

Zumal wir (einstimmiger Redaktionsbeschluss!) schon im Herbst des letzten Jahres festgelegt und auf unserer Impressumseite auch veröffentlicht haben, unter welchen Bedingungen wir Entlehnungen bei den Médoc-Notizen erlauben. Wir haben nichts dagegen, dass einzelne Beiträge bei uns ausgeliehen werden, wenn der Entleiher die Fundstelle (Médoc-Notizen) deutlich angibt und uns per eMail von der Entleihung unterrichtet. Wir haben dabei an faire und rechtsbewusste Internetnutzer gedacht, Datendiebe wollten wir damit eigentlich vom Klauen abhalten. Wollten wir, hat aber nicht geklappt.

Als wir den oben angesprochenen „Veranstaltungskallender“ zu Gesicht bekommen hatten, haben wir dem für dessen Inhalt Zuständigen und Verantwortlichen eine eMail geschickt und ihn aufgefordert, seinen Datenklau einzustellen, die geklauten Daten aus seinem „Veranstaltungskallender“ zu löschen und zu versichern, dass er künftige Räubereien bei den Médoc-Notizen unterlassen werde.

Unsere eMail wurde prompt beantwortet. Die Antwort hat uns jedoch beinahe die Sprache verschlagen, obwohl wir eigentlich nicht zur Sprachlosigkeit neigen.

Der Datenklau versuchte uns zu belehren:

„Datenklau ist eine der Nebenerscheinungen des Internets die nicht so toll sind.“ Dem stimmen wir zu, jetzt kommt es aber recht dick:

Das Internet ist frei und die dort aufgeführten Informationen stehen jedem frei zur Verfügung es sei denn, dort steht etwas gegenteiliges. Die Informationen die ich auf meinen Webseiten verwende sind alle frei zugänglich oder sind mir zur freien Verwendung zur Verfügung gestellt worden.“

Darauf muss man erst mal kommen: Das Internet ist ein Selbstbedienungsladen, es gibt keine Urheberrechte etc., man nimmt sich, was gefällt und ist niemandem zur Rechenschaft verpflichtet!  Wir teilen diese Wildwestmentalität nicht, haben wir auch gar nicht nötig. Vielleicht muss man dazu mal sagen, dass das, was bei uns in die Rubrik Veranstaltungen eingestellt wird, manchmal erst nach teilweise mühsamen Recherchen gefunden wird und dann ja auch noch übersetzt werden muss. Machen wir ja gerne. Aber wir lassen uns nicht gerne etwas klauen, für das wir uns angestrengt haben. Außerdem haben wir (siehe oben!) Regeln aufgestellt für die Übernahme von Daten aus den Médoc-Notizen.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Jeder Gebrauch von Informationen aus den Médoc-Notizen für den individuellen privaten Gebrauch ist in Ordnung und von  uns so gewollt! Wir ärgern uns nur darüber, wenn  bei uns Daten geklaut  und in andere Internetzusammenhänge eingefügt werden. Ein redlicher Internetnutzer schmückt sich nicht mit fremden Federn, zumal wenn er weiss, wo und bei wem er sich bedient!

Wir hätten eigentlich als Antwort auf unsere eMail eine Entschuldigung verbunden mit der Bitte, aus dem Ärgernis keinen Skandal werden zu lassen, erwartet. Kam jedoch nicht. Sagt aber einiges über den Datendieb aus.

Ach so, wenn Sie sich selbst einen Eindruck von dem (inzwischen vielleicht desinfizierten?) „Datenkallender“ machen wollen, tun Sie das. Dort standen am 27. August 2009 um 0.10h immer noch 9 Termine (von ingesamt 10), die bei den Médoc-Notizen entwendet worden sind. Als wir den Datenklau entdeckt haben, waren es rund doppelt so viel. Wieviel Termine insgesamt bei uns geräubert worden sind (wir schätzen, dass der Klau im Frühjahr erfolgt ist), wissen wir nicht, da der Betreiber des "Datenkallenders“ erledigte Termine schnell gelöscht hat. War ja auch angezeigt, um Spuren zu verwischen.

Wenn Sie jetzt selbst nachsehen, werden Sie feststellen, dass der „Datenkallender“  nun „Datenkalender“ heisst.  Macht die Sache aber nicht weniger unerfreulich.

Hier ist die Internetadresse, bei der Sie nachprüfen können, ob wenigstens beim Datenklau bei den Médoc-Notizen sorgfältig und systematisch verfahren worden ist:

http://www.ferienhaus-euronat.de/Touristik/veranstaltungen.php

Wenn Sie jetzt fragen, ob der für die eben genannte Internetseite Verantwortliche nicht der sei, der ...., dann sagen wir Ihnen, dass Sie Recht haben. Vielleicht finden wir das bald normal.

 

Bis hierhin habe ich die Mehrheitsmeinung von unserer letzten Redaktionskonferenz wiedergegeben. Jetzt will ich noch etwas loswerden, was mich als Redaktions-Jule richtig ärgert. Dafür ist aber nicht der Datenklauer verantwortlich, sondern mein Chef. Den habe ich nämlich gefragt, ob er sich noch an die Redaktionssitzung erinnern könnte, auf der wir die Regeln für Entlehnungen aus dem Médoc-Notizen beschlossen haben. Konnte er. Habe ich dann gefragt, ob er noch wüsste, dass ich dafür eingeteilt worden sei, Datendieben anständiges Benehmen beizubringen. Hat mein Chef gesagt, ja, weiß ich. Aber, hat er hinzugefügt, das galt und gilt nur für Datendiebe, die einsehen können, dass sie geklaut haben. Hier liegt der Fall anders, und außerdem müsse man bei Vorstandsmitgliedern etwas großzügiger sein. Die seien ja etwas Besonderes und dürften demzufolge auch Dinge tun, die Normalbürgern verwehrt wären. Hab ich meinen Chef schräg angeguckt und ihn gefragt, ob er das alles so meinte, wie er das sagt. Hat er den Kopf geschüttelt, wäre ja auch noch schöner. Trotzdem hat er mich zur Friedfertigkeit vergattert. Find ich richtig blöd. Was hätte ich für einen Spaß gehabt! Na, man kann nicht alles haben. Vielleicht klappt es beim nächsten Datenklau.

 Mehr zum Thema Datenklau bei den Médoc-Notizen auf unseren Redaktionsseiten, zu denen Sie kommen, wenn Sie hier klicken.

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Lena berichtet

Die köstliche Baguette

Morgens pflegen meine Leute mit mir durch den Wald zum Strand zu gehen. Dort bin ich gern. Die Luft ist noch frisch. Die Frühsonne wärmt angenehm, ohne gleich Hundstage auszulösen. Der Meeresduft ist unvergleichlich. Nach dem Strandspaziergang begleite ich Herrchen in unsere hervorragende Bäckerei. Wir fahren mit dem Fahrrad dorthin, ich bin vorne im Körbchen. Es ist wunderschön gefahren zu werden und die Welt von oben betrachten zu können.

Herrchen kauft nicht nur die schöne weiße Baguette, sondern auch Körnerbaguette und sogar „Holzscheite“.

Zu Hause beim Frühstück bekomme ich regelmäßig Proben von den leckeren Brotsorten, entweder mit Leberpastete oder mit Enten- oder Gänserillette.

Brot, das wir nicht aufessen, wird getrocknet und mitgenommen, wenn wir meine große Freundin Jule besuchen. Die frisst das gern und ihr Herrchen sagt: „Das ist zum Zähneputzen.“ Er mag ja Recht haben. Ich halte  nicht soviel vom Zähneputzen.

Wenn wir morgens so unterwegs sind, sehe ich Leute ihren Abfall in die Mülltonnen werfen. Ich bin jedes Mal entsetzt, dass oftmals halbe Baguettes in den Müllbehältern landen.

Ich will nicht dazu aufrufen, alles alte Brot zu meiner Freundin Jule zu bringen. Sie würde das nicht bewältigen können, auch die Pferde am Eingang des Zentrums können und dürfen nicht so viel Brot fressen.

Vor Jahren sah ich mal irgendwo in Frankreich, dass ein Bäcker vor seinem Laden eine Tonne aufgestellt hatte, in die die Kunden ihr altes Brot werfen konnten, damit es der Tierfütterung zugeführt werden konnte. Hühnern und Schweinen wäre das alte Brot eine Köstlichkeit.

Zur Nachahmung empfohlen!

 

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Lena berichtet

 

Radfahren in Euronat

Neulich nahm mich mein Frauchen mit ins Centre zum Einkaufen. Mit dem Fahrrad! Radfahren ist meine große Leidenschaft. Aber denkt nicht, kann eine Zwergdackelhündin denn Rad fahren? Ich lasse natürlich fahren. Vorne am Rad habe ich einen Korb mit Drahtdeckel, der natürlich völlig überflüssig ist. Ich springe doch während der Fahrt nicht auf oder ab!

Auf jeden Fall ist Radfahren genauso schön wie einer Kaninchenspur nachwittern. Wenn der Wind meine Löwenmähne aufstellt und ich die Welt von oben sehe, viel größer bin als alle anderen Hunde und ich sie von oben betrachten kann! Herrlich! Ich liebe die gute Luft, denn fast alle Euronatler lassen das Auto stehen und fahren Rad. Eine Versammlung der schönsten Räder morgens vor der Bäckerei.

Vor dem Centre gibt es viele Fahrradständer. Dort machte auch mein Frauchen halt, zwischen Zeitschriften- und Weinhandlung. Ich durfte mit, leider an der Leine, eine Zeitung kaufen. Etwas eng und schummerig in dem Laden! Ich musste höllisch aufpassen, nicht getreten zu werden. Frauchen achtete natürlich auf mich. Ich freute mich, als wir den Laden verließen und zwischen den Ständern ins Freie traten. Die Sonne blendete. Was war das? Etwas zischte an uns vorbei: ein Radfahrer, der uns beinahe umgelegt hätte. Und sich selbst wahrscheinlich auch. Mein Frauchen konnte mich noch gerade zurückziehen. Leinen haben also doch Vorteile.

Der Schrecken konnte uns nicht abhalten, weitere Dinge einzukaufen. Gegenüber beim Metzger. Herrlich! Frauchen kaufte etwas für mich. Leider wurde ich draußen an den Picknickbänken festgemacht. Unmöglich, dass der Metzger mir etwas zuwarf.

Ich legte mich auf die warmen Steine und versuchte Frauchen von hinten zu hypnotisieren. Ein Stück aus der Lammkeule wäre schön!

Plötzlich fuhr eine Radfahrerin an meiner  Nase vorbei in den Laden. Vor der Theke stieg sie ab. Mein Frauchen musste auf dem Weg zur Kasse um das Rad herumgehen. Als sie bezahlt hatte, stieß sie fast mit einem jungen Radfahrer zusammen, der Pommes holen wollte. Kopfschüttelnd kam sie zu mir.

Wir brauchten noch Brot und bewegten uns auf die Bäckerei zu. Das war aber gar nicht einfach. Zwischen Spielhalle und Restaurant sausten Radfahrer in beiden Richtungen. Wir konnten uns an die Hauswand drücken, um nicht angefahren zu werden. Als endlich mal frei war, eilten wir Richtung Bäckerei. Da! Ein schrilles Klingelzeichen. Da wurde mein Frauchen doch ärgerlich. Sie sagte dem unbekümmerten Radfahrer: “Das Centre ist gesperrt für Räder. Sehen Sie die Schilder nicht?“ – „Wieso? Alle fahren hier.“

 

 

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Lena berichtet

Oh Schreck, meine Leute fasten!

Heute morgen. Ich kuschele mich noch in mein Körbchen, denn ich bin noch sehr müde. Gute Freunde waren gestern Abend da, mit denen meine Leute gegessen und getrunken haben, währen ich in der Dämmerung auf Jagd ging. Einmal wurde ich ermahnt: Lena, du bleibst ja schön am Haus!“ Wie überflüssig! Heute morgen also.

Ein tiefes Stöhnen erklingt aus dem Schlafzimmer. Von den begleitenden Geräuschen her weiß ich: Herrchen hat sich gewogen. Ich höre Frauchen sagen:“Ich wiege mich erst gar nicht.“

Herrchen betritt das Wohnzimmer. Ich sehe sofort. Üble Laune. Jeden Morgen begrüßt er mich im Körbchen, streichelt mich, spricht mit mir. Kein schöner Tagesbeginn! Heute kein Wort. Es ist, als wäre er völlig zerknirscht. Der Weltuntergang nahe. Und das wegen ein paar Kilos! Gestern Abend war er noch so lebenslustig. Wie kann man es sich so unnötig schwer machen?

Beim Frühstück isst er nichts, trinkt nur eine Tasse Kaffee, mault: „Mir passt bald keine Hose mehr, am Hemd reißen die Knöpfe aus. Schrecklich! Dieses französische Essen! Man ist schon satt, dann gibt es noch fetten Käse und der Wein dazu! Ab sofort gibt’s Diät“ Das Wort trifft mich wie ein Blitz. Ich höre Frauchen zustimmen: „Wir machen 10 Tage Null-Diät. Das wirkt am besten.“ Herrchen protestiert: “Nein, dann ist mir immer so flau. Wenn man nichts isst, schaltet der Körper auf Sparflamme. Dann nimmt man nicht mehr ab.“ „Gut, was hältst du von der Mittelmeerdiät? Viel Salat, Gemüse, Fisch, etwas Fleisch, keine Kartoffeln, kein Brot.“ – „Was, keine frische Baguette mehr?“ – Du musst dich schon etwas schikanieren, sonst geht es so weiter wie bisher.“

Ich lag ganz erstarrt in meinem Körbchen. Wenn meine Leute abnehmen wollen, fahren sie nicht mehr zum Einkauf. Dann gibt’s auch für mich nichts mehr zu fressen. Schreckliche Vorstellungen! Man kann sich doch im Urlaub nicht kasteien.

Die machen auch alles falsch! Statt mit Freunden zu feiern, sollten sie sich mehr bewegen. Meine Spaziergänge könnten durchaus länger und zahlreicher sein. Sie könnten sich auch mehr aufs Rad setzen , auch mich spazieren fahren. Jeden Tag nach Soulac zum Metzger, Traiteur, Fischhändler. Das macht schlank. Und es ist etwas im Haus. Vielleicht lesen sie das in den Médoc-Notizen. Ich kann zwar schreiben, beim Sprechen habe ich doch erhebliche Schwierigkeiten.

Es scheint nicht so schlimm zu werden. Sie einigen sich auf Mittelmeerdiät. Da sind immer noch mal Leckerbissen im Haus. Und sie wollen auch mich mehr bewegen. Sag ich doch!

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Lena berichtet


Genießen am Meer.

Die alte Oranginadose am Südstrand, attraktiv durch neue Pächter, ist das Ziel meiner Leute und einiger Freunde.

Kurz nach 19 Uhr machen wir uns auf den Weg. Ich denke zunächst an meine geliebten Abendspaziergänge an den Strand, doch wir machen an der Oranginadose Halt und setzen uns an reservierte Tische mit Blick aufs Meer. Das gefällt mir. Ein herrlicher Platz. Die Sonne wärmt noch. Der Wind bläst sanft. Nur kleine Wellen schwappen auf den Strand und bieten eine angenehme Hintergrundmusik.

Während meine Begleitung sich die Stühle zurecht setzt, nehme ich an der Dünenkante Platz. Die Menschen werden erst interessant, wenn sie etwas auf dem Teller haben. Ich sehe noch einige Badende, Spaziergänger und Sonnenanbeter im Sand. Ein herrliches Plätzchen Erde, vielleicht die schönste Stelle im paradiesischen Euronat.

Am Nebentisch erhalten Leute ihr Essen. Muscheln mit Fritten. Herrlicher Duft! Ich setze mich neben das essende Paar und hypnotisiere jeden Bissen. Schließlich nimmt man mich wahr: „Was bist du für ein großer Hund!“ Der Mann gibt mir ein Kartoffelstäbchen. Ich rieche mal dran, fresse es aber nicht. Die Frau sagt: “Die ollen Pommes mag so ein edler Hund nicht. Hier hast du eine Muschel.“ Nicht nur die Worte tun mir gut. Ich bekomme noch weitere Muscheln. Da ruft mich mein Frauchen und schimpft was von Bettlerin. Ich überhöre die Beleidigung und gehorche sofort.

Denn auch bei uns wird das Essen aufgetragen. Ich setze mich neben Günther. Sein Platz riecht verführerisch. Er sieht mich gar nicht, also springe ich an seinen Beinen hoch. Da! Was ist das? Er gibt seinen Teller der Bedienung zurück. Das Steak hätte ich schon gefressen.

Ich nehme die anderen Gerüche auf. Salat! Salat!

Ah! Da gibt es auch Muscheln. Ich hypnotisiere. Ohne Erfolg! Da! Günther bekommt seinen Teller zurück. Das Steak dampft ordentlich. Er und die anderen essen genüsslich. Ich will die Hoffnung schon aufgeben, meinerseits zu genießen, als mir Günther nacheinander zwei Stücke Fleisch heruntergibt. Sie schmecken köstlich, obwohl sie etwas knorpelig sind.

Alle haben gegessen und sehen glücklich aus, wozu sicher auch der Wein beigetragen hat. Zwei Flaschen stehen auf dem Tisch. Mir wird schon schlecht, wenn ich so etwas rieche.

Zufrieden durchstreife ich das Dünengras. Ich wittere Kaninchen, leider alte Spuren.

Da wird meine Gesellschaft wieder aktiv. Sie zücken Fotoapparate. Die Sonne ist kurz davor ins Meer zu tauchen. Wie verrückt drücken sie auf die Auslöser. Würde ich nie machen. Denn ich habe Heinrich Heine gelesen:

 

Das Fräulein stand am Meere

Und seufzte lang und bang,

Es berührte sie so sehre

Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein, sei’n Sie munter.

Das ist ein altes Stück;

Hier vorne geht sie unter

Und kehrt von hinten zurück.

 

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Afrikanisches am Hundestrand

Lena berichtet.

Ein Nachmittag am Meer. Tiefblauer Himmel, mäßige Brandung. Bei frischem Nord-West angenehme Stunden am Strand. Ich döse in der Sonne, die Nase in Windrichtung auf dem Sand. Meine Leute neben mir ausgestreckt. Paradiesische Idylle. Die Ruhe herrscht jedoch nur kurze Zeit. Andere Hunde treffen mit ihren Leuten ein: der schöne Heinrich, der schnelle Rocco, die wilde Jule, die Heinrich und mich nicht in Ruhe lassen. Nach einem sinnbetäubenden Toben bringt ein bittendes Knurren Jule zur Mäßigung.

Wir Dackel und die beiden Großen liegen friedlich im Sand und beäugen unsere Leute, die redend, meistens durcheinander, zusammen stehen statt endlich den Strandspaziergang Richtung Le Gurp zu beginnen. Aufgeregte Gespräche! Endlich geht’s los!

Wir Hunde dürfen vorausrennen. Jule nervt, weil sie ständig ins Wasser geht und sich dann trockenschüttellt. Wobei wir Dackel ungewollt nass werden. Ich renne los. Die anderen überholen mich schnell. Herrlich, so zu galoppieren! Ich bewundere, wie elegant Rocco läuft, leicht wie eine Gazelle. Noch schneller ist Jule, kraftstrotzend. Heinrich und ich laufen Schweinsgalopp.

Da! Was ist das?

Drei Hunde ziehen an uns vorbei. Afrikanische Windhunde, so mager, dass sie wohl nur Diät halten.

Ich habe diese drei noch nie gesehen. Ich frage die anderen: „Was sagt ihr zu diesen Eindringlingen?“ „Hergelaufenes Pack!“ „Das muss verboten werden!“ „Es sind genug Hunde am Strand.“ „Die passen hier nicht hin.“ „Viel zu groß!“ „Wir werden uns beschweren!“ „Wir werden sie wegbeißen.“ Wir werden klagen!“

Während unserer Schimpftiraden haben wir uns völlig verausgabt. Die drei Eindringlinge kommen zurück. Ohne uns vier Freunde wahrzunehmen, stürmen sie drauflos, fast über uns weg. Wir sind empört, beraten uns, bis unsere Leute uns einholen. „Was ist denn mit euch los? Ihr hockt zusammen, als soll es eine Verschwörung geben!“

Ich antworte: “Hier sind fremde Hunde eingedrungen, sie sind zu groß und zu schnell! Sie passen hier nicht hin. Wir wollen sie nicht.“ „Spinnt ihr? Hier ist Platz genug. Ihr müsst die Windhunde ja nicht mögen. Akzeptiert sie einfach!“

Heinrich, Rocco, Jule und ich sehen einander an. Es bleibt uns wohl nichts anderes übrig.  

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Lena, freie Mitarbeiterin der Médoc-Notizen: Ankunft in Euronat oder wo ist das Paradies?

 

Endlich, der Duft der Kiefern wird immer stärker!

Als sich noch der etwas fischige Meergeruch dazugesellt und der Ozean hörbar wird, ist es klar, wir sind in Euronat!

Ich kann kaum erwarten, dass sich die Autotür öffnet! Ein Sprung, das Glück beginnt. Erst mal unters Haus. Gibt es Katzen oder gar Kaninchen? Nein, es riecht nur nach Mäusen!

Frauchen und Herrchen leeren das Auto. Was die nur immer mitnehmen? Klamotten braucht man hier nicht, zu fressen gibt es auch genug! Dicke Taschen mit Büchern, eine Lampe, Pfannen. Geräte, Decken. Wozu das alles?

Wer lesen will, soll die Kaninchenfährten aufnehmen, Spuren von tausend Wesen sind auszumachen. Wozu ein Grill? Das Fleisch schmeckt roh am besten! Wozu Decken? Es sind genug da, außerdem ist Sommer! Ich lasse sie schleppen und gehe in den Garten. Ein wenig Wasser aus der Vogeltränke: köstliche Regengaben!. Ich lege mich. Di e Sonnenstrahlen wärmen angenehm. Leise umstreichelt mich der Wind! Herrlich! Als ob mich Frauchen liebkost! 

Ob der schöne Heinrich schon angekommen ist? Oder der schnelle Rocco? Oder die wilde Jule? Na, wir werden sehen!

Auf dem warmen Sand zwischen gelben Blumen liegt sich’s bestens. Ich schnuppere Käfer, höre Bienen, ja, sogar einen Kuckuck in der Ferne . Unmerklich nicke ich ein. Das ist Entspannung!

Ich träume vom Strandspaziergang. Meine Pfoten donnern über den festen Sand. Die Möwen erheben sich respektvoll. Da kommt Heinrich. Wir rennen zusammen. Er schnappt im Lauf nach meinem Ohr. Was will er nur? Ich schlage einen Haken, da bin ich ihn los. Doch nicht! Er durchquert einen Priel. Na, mal sehen? Zärtlich knabbert Heinrich an meinem Ohr und schleckt es. Wie schön!

Eine Stimme reißt mich aus dem Traum: „Lena, Leckerchen!“ Als ich die Augen öffne, steht Frauchen da mit einem Napf, den sie auf die Terrasse stellt. Ich will meinen Hunger nicht zugeben und nähere mich gesittet. Hm, Lammfleisch, eine hinreichende Portion! So Lässt sich’s leben. Euronat ist mein Paradies!

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Jules Ecke (6)


Also, wir hatten wieder Redaktionssitzung. War nicht so lustig wie sonst. Ginevra war zum letzten Mal da. Na ja, geht nicht anders, irgendwann muss sie ja ihre Diplomarbeit loswerden. Fred hat sie gefragt, ob sie uns jetzt das über die Vereine im Médoc sagen würde, was sie bislang für sich behalten hätte.

Da hat Ginevra etwas gezögert, dann aber doch geantwortet. Sie hat gesagt, dass Vereine im Médoc wirklich etwas Besonderes sind, weil da das Irrationale schon mächtig wirke. Sie fügte hinzu, sie wisse nicht warum das so sei, aber es sei schon auffällig, wieviel in Médoc-Vereinen aus dem Bauch oder noch tiefer liegenden Regionen entschieden werde.

Dann wollte Ignace wissen, was man denn tun könnte, um diesen Unfug zu beenden. Da hat Ginevra gesagt, das sei schwierig, aber man könne hoffen; manchmal geschehe es, dass die Götter Hirn vom Himmel werfen, und wenn das zufällig über dem Médoc passierte, dann könnte es sein, dass mancher Krawall ganz plötzlich zu Ende sei.

Wir hoffen jetzt, dass Ginevra ihre Diplomarbeit gut beendet, dass die Götter das gewünschte Hirn genau über dem Médoc abwerfen, und dass die, die das brauchen können, dann genau unter der Abwurfstelle stehen.


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Jules Ecke(5)

Also, wir hatten wieder eine Redaktionssitzung, und als wir eigentlich fertig sind, klopft es und eine sympathische Stimme fragt, ob sie reinkommen darf.

Als Ignace, der sonst meistens etwas brummelig ist, herein gesagt hat, geht die Tür auf.

Eintritt Ginevra

Ich habe gesagt, guten Tag, ich glaube, Sie sind eine Nachfahrin der Arbeitgeber meiner Vorfahren.

Sagte sie, genau, so ist das. Aber die Zeiten haben sich geändert und unsere Berufsbilder auch. Dann hat sie gesagt, dass sie ein Interview mit uns machen möchte. Sie schreibe nämlich eine Diplomarbeit über Vereine im Médoc unter besonderer Berücksichtigung des Irrationalen, und dafür brauche sie noch ein paar Detailinformationen.

Plötzlich haben alle den Kopf eingezogen, weil, mit Vereinen im Médoc ist nicht zu spaßen.

Das hat sie wohl gemerkt und gesagt, Spaß mache ihr das auch nicht, aber vielleicht sei es nützlich, wenn man etwas nachdenkt.

Und da haben ein paar von uns gefragt, ob es Auffälliges bei den Vereinen im Médoc gebe.

Ginevra sagte, da gebe es schon einiges, aber bevor sie darüber reden könnte, hätte sie noch ein paar Fragen. Und dann hat sie losgelegt. Wir haben geantwortet, was das Zeug hält und sie war richtig zufrieden.

Dann hat sie gefragt, ob sie bei uns einige Zeit hospitieren dürfte, das wäre für sie bestimmt nützlich. Ehe einer was sagen konnte, hat Ignace, der doch manchmal recht brummelig ist, gesagt, gern, dann haben wir jetzt eine nette Hospitantin.

Und die werden wir demnächst mal fragen, was sie so bei ihren Forschungen herausbekommen hat. Wir sind schon ganz gespannt, ob wir dann verstehen, warum bei den Vereinen im Médoc nicht alles rund läuft.

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Unser Teammitglied Pepsi greift erstmals zum Bleistift. Hier ein Augenzeugenbericht mit besonderer Perspektive zum Sturm Quinten :

Bericht von Pepsi zu Quinten:

total erledigt- schon 2 Tage Unruhe im Haus- aufladen von Rasierer,Zahnbürsten und Handys bzw Portables-- man hatte ja von Klaus noch Erinnerungen im Kopf- - der Weltempfänger steht bereit. Kaffee in Isolierkanne- Aufregung den ganzen Tag -besser auch noch ein Süppchen für den nächsten Tag vorbereiten -und den Kühlschrank auch noch hochdrehen- ob der Strom diesmal wieder ausfällt? Und dann- geht’s los-22.00 Uhr- Frauchen flüchtet aufs Sofa- kein Licht mehr: Natürlich wieder kein Strom. 15 Minuten später -  nur noch Kerzen --- und draußen tobt der Sturm -- nichts mit Gassi gehen --- einhalten !! - wie lange noch ? - Um 1.00 Uhr nachts verlege ich mein Quartier in die letzte Ecke der Dusche-- Nicht nur Frauchen hat Angst -- Bäume um unser Haus beugen sich fast bis zur Erde----- aber sie brechen nicht-- erstaunlich! Um 4.00 kriechen Frauchen und ich zusammen -( Herrchen schläft und schnarcht.) -- Nein, das ist nicht meine Welt!

Endlich - es wird wieder hell -- 8.15 --- es ist nicht mehr zum aAshalten -bzw. Einhalten- schnell mal raus---- und schnell wieder rein ! Stöckchen suchen - und spielen? Es sind viel zu viele- die Auswahl macht einen ja krank! - aber ich muß doch sehen, was sich so in der Nacht ereignet hat! Schließlich bin ich ein pflichtbewußter Hund - Reporter der weltberühmten Médoc-Notizen!!

Am Abend- siehe Bild - total erledigt! - Zum letzten Ausflug -- zum "lauen Lüftchen" am Atlantik- habe ich gestreikt - : ich hatte recht damit: Frauchen und Herrchen mußten die letzten Meter vor der Orangina-Dose vom Rad absteigen-- der Sturm war stärker, wie sie berichteten. Einige Bilder haben sie dennoch "geschossen" - Herrchen wäre dabei beinahe in 5 Meter Höhe von einer Welle überrascht worden-!

Also das war's vom 10. Februar und Quinten- hört das nicht endlich mal auf? Wann kommt der Sommer?

wau,wau-woof-woof

eure Pepsi

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Jules Ecke (4)

Also, da hatten wir wieder eine Redaktionssitzung, und da hat Ignace gefragt, wo bleibt denn unser Wörterbuch? Hat er noch gesagt, dass er dauernd  was übersetzen muss. Klar macht er, der ist ja nett und nicht fremdenfeindlich, aber ist schon lästig, wenn man auch sonst voll ausgelastet ist.

Und dann haben wir überlegt, wie wir das anstellen, das mit unserem Wörterbuch. Hat einer gesagt, ganz einfach, wir machen eine Befragung, und dann kriegen wir raus, was wir jetzt noch nicht wissen.

Alle waren einverstanden, und dann haben wir Teams gebildet und die sind losgezogen.

Als die zurückgekommen sind, haben wir uns erst angehört, was die so gesagt haben, und dann haben wir es aufgeschrieben. Erst wollten wir es einsprachig Französisch machen, aber da hat Ignace gesagt, das ist nicht gut, denkt mal an die armen, die noch kein Französisch können, wollt Ihr, dass die sich grämen?

Wollten wir natürlich nicht, deswegen haben wir unser Wörterbuch zweisprachig gemacht.

Alle wollten, dass das Jules Wörterbuch heißen sollte.

 

Also hier ist es nun, unser Wörterbuch:

 

Ein Tier macht

In Frankreich

In Deutschland

Eine Kuh macht

meuhhh

Muh

Ein Schwein macht

Ron ron ron

Öff öff öff

Ein Huhn macht

Cotcotcotcotcot

tucktucktuck

Ein Hahn macht

Cocorico

Kikeriki

Eine Katze macht

Miaou miaou

Miau miau

Ein Hund macht

Ouah ouah

Wau wau

Eine Ente macht

Coin coin coin

Quak quak quak

Ein Frosch macht

Couac couac

Quak quak

Ein Esel macht

i-an i-an  i-an

Iah iah

Eine Ziege macht

Mêeeh

Mähh

 

Als wir damit fertig waren, hat Ignace gesagt, ihr wisst, dass auch bei unsereins Dialekte vorkommen. Das, so hat er noch gesagt, kann bei manchen unserer Wörterbucheinträge bedeuten, dass in manchen Gegenden anders gesprochen wird. Wenn Ihnen so etwas begegnet, informieren Sie uns bitte mit genauer Angabe der Region, aus der Sie berichten.

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Jules Ecke (3)

Neulich hatten wir Redaktionssitzung, und wir waren mal wieder schnell fertig. Nein, nicht, was Sie jetzt denken! Ein paar von uns haben zwar immer noch Beulen, aber das soll nicht wieder vorkommen, wir sind nämlich wirklich Freunde. Wenn wir etwas erreichen wollen, dann müssen wir zusammenhalten. Machen wir, wir sind doch nicht blöd!!

Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen.

Also, die Redaktionssitzung ist vorbei, da geht die Tür auf und kommt einer reingegockelt und macht Cocorico. Ich guck den an und denke, da bist du mal höflich und mach Kikeriki. Macht der noch mal Cocorico. War ich mit meinem Französisch erst mal am Ende.

Sagt Ignace, das ist schon richtig, der spricht so. Wenn der Kikeriki macht, lachen alle Hühner und meinen, er ist im Stimmbruch, und das ist für das Sozialprestige (der kennt Wörter, der Ignace!) nicht gut, besonders unter Hähnen.

Kommt von der anderen Ecke des Tisches mjuu, mjuu!, (schreibt sich miaou, miaou,  weil, ist nämlich französisch für miau, miau!) So ging das noch etwas weiter, manchmal ist es bei uns wirklich total lustig!

Und da sagt einer, wisst ihr was, wir sollten mal ein Wörterbuch für unsereins machen, damit Hund und Katz und Kuh und Kalb und wer sonst noch da ist, richtig miteinander reden kann. Und das machen wir nun. Sobald wir fertig sind, sagen wir Bescheid.

Wenn Sie glauben, das ist nicht nötig, machen Sie einen Test. Stellen Sie sich mal vor eine französische Kuh und machen Sie muh! Was macht die dann? Probieren Sie es aus, die antwortet bestimmt nicht so, wie Sie das denken.

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Jules Ecke (2)

Also, neulich hatten wir Redaktionssitzung. Und dabei waren eine Menge Zaun- und sonstige Gäste. Und dann ging alles wie geölt und wir waren fertig. Da sagte einer, aber was machen wir jetzt mit dem angebrochenen Abend? Sagte einer, wir spielen Verein. Fragte einer, welchen Verein?, na den.

Nun gut, haben wir Verein gespielt. Ich hab mich gefreut, denn ich hab gedacht, jetzt kannst du deinen Turbo mal so richtig auslasten. Hab ich dann auch, aber die andern waren auch voll drauf. Fred hat seinen gefürchteten Nahkampfschrei gemacht, Ignace hat vorn und hinten ausgeschlagen und dann hat er den armen Fred so überschrieen, dass der sich die Ohren zugehalten hat. Und ich, ich hab in alle Waden gebissen, die ich kriegen konnte und gekeift hab ich dabei, dass sogar Ignace neidisch wurde.

Das ging eine ganze Zeit so, bis alle dicke Beulen und jede Menge blaue Flecken hatten und außer Puste waren und einer sagte, aber wir sind doch Freunde! Da haben wir uns alle angeguckt, und keiner wusste so recht, was er sagen sollte.

Und dann haben wir was Vernünftiges gemacht, und der Abend war gerettet.


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Jules Ecke

Also, meine Obrigkeit sagt immer, ich hab Glück, dass ich mit meinem dicken Pullover in Euronat geduldet werde. Stimmt wohl, aber: mein Pullover ist Natur und angewachsen, und außerdem, ab 25 Grad ist das gar nicht so lustig. Da ich von meiner Obrigkeit weiss, dass Menschen manchmal um die Ecke denken, wundere ich mich nur noch selten.
Hier in Euronat, wenn es so richtig heiss ist, kapier ich es aber nicht. Laufen da doch Leute voll aufgerüstet rum, als ob sie in Bordeaux oder sonstwo unterwegs wären. Auch am Strand, wo Naturismus pur angesagt sein sollte, werden die Textiler immer mehr. Und warum? Weiss man nicht. Vielleicht eine besondere Form von Snobismus: Seht her, wir leisten uns Euronat, aber wir tun so, als ob wir woanders wären.
Nur gut, dass die nicht wissen, was ich von denen halte.
            Bis demnächst    Jule