Ur-Wald vor Vensac

Nachtrag 25. 02. 2016: unten auf dieser Seite

Gemeinhin denkt man, wenn von Wald im Médoc gesprochen wird, an die heutigen, hauptsächlich aus Kiefern bestehenden Wälder, die im Wesentlichen im 19. Jahrhundert im Rahmen staatlich geförderter und gelenkter Anpflanzaktionen entstanden sind. Dabei vergisst man, dass das Gebiet des heutigen Médoc einst dicht bewaldet war, bevor die Dünen entstanden und den Typ der Landschaft grundlegend geändert haben. Dabei wurden die uralten Wälder von meterhohen Sandschichten bedeckt und unsichtbar.

Wenn diese dicken Sandlagen abgetragen werden, wie dies derzeit durch die harten Schäge der Erosion an vielen Abschnitten der Küste des Médoc geschieht, dann können lange Zeit verdeckte Erdschichten wieder freigelegt werden. Und dabei gibt es mit ein wenig Glück Einblicke in lange zurückliegende Abschnitte der Geschichte dieses Landstriches. Dabei gibt es manchmal Entdeckungen wie die, die wir in der Folge dokumentieren wollen.


Blick oben von der Düne auf den Strand von Vensac-Océan. Es gibt Auffälliges, dessen Bedeutung sich nicht sofort erschließt.


Wenn der Blick weitergeht, verfestigt sich der Eindruck, dass hier nicht Alltägliches zu sehen ist.



Bald steht fest, dass sich Antworten nicht von oben finden lassen.


Perspektivenwechsel. Die Aufklärung wird nach einem gewagten Abstieg von der steilen Dünenkante unten auf dem Strand fortgesetzt.


Die erste Nahaufnahme liefert schon die Erklärung: Hier sind Überreste von Bäumen zu sehen.


Ein paar Schritte weiter entdeckt man recht ausgedehnte Wurzeln.



Auf engem Raume mehrere Stammreste samt Wurzeln


Bei jedem Schritt neue Entdeckungen


Hier müsste man sogar Jahresringe entziffern können.


Wenn man den Blick hebt, sieht man, wie dicht dieser urzeitliche Wald gewesen ist.



Ein besonders gut erhaltenes Prachtstück.



Und noch eins



Im unteren Teil sind sogar noch Reste der Rinde erhalten.


Eine Bruchfläche, die  erstaunlich gut erhalten ist.



Die Fundstelle erstreckt sich über rund 500 m



Ein Beispiel für gut erhaltene Rinde an dem gesamten Fundstück



Ein Waldboden, der ein paar Jahrtausende von Sand zugedeckt war.


Wenn man genauer hinsieht, kann man Wurzeln unterscheiden.,



Hier geht es noch leichter.


Und hier erst recht.



Der Befund ist eindeutig, wenn auch erstaunlich. Hier ist unter den von der Erosion zurückgedrängten Dünen ein Einblick in die Erdgeschichte dieser Region freigelegt worden, der über viele Jahrhunderte vom Sand der Dünen zugedeckt war. Für eine exakte Bestimmung des Alters dieses Ur-Waldes müsste man Datierungsmethoden einsetzen, die zu sehr genauen Ergebnissen führen würden, wie die Dendrochronologie oder die C14-Bestimmung, die wir natürlich auf die Schnelle nicht anwenden können. Auch wenn wir nicht mit genauen Zeitangaben aufwarten können, lässt sich aber aus der Stratigraphie erschließen, das dieser Wald vor mehr als dreitausend Jahren unter dem Sand begraben wurde.

Wir werden unsere Nachforschungen fortsetzen und diese Darstellung ergänzen, wenn es neue Erkenntnisse gibt.
(UM, 2. März 2014)

Nachtrag, 26. März 2014


Bei einem zweiten Besuch der Fundstelle haben wir uns einige der Stämme näher angeschaut, und bei diesem haben wir etwas entdeckt, was in der Draufsicht allerdings nur erkennbar wird, wenn man weiß, was man sucht.


Hier sieht man im unteren Teil der Abbildung scharfkantige Linien.


Wenn man näher herangeht, stellt sich heraus, dass dies Schnittkanten sind, die mit axtähnlichen Gerätschaften erzeugt worden sind, als der Baum gefällt wurde. Zu sehen sind also Spuren von Werkzeuggebrauch, die Belege dafür liefern, dass sich an diesem Baum Menschen zu schaffen gemacht haben.


Derselbe Stamm aus anderer Perspektive, aus der der oben verdeutlichte Befund nicht so eindeutig abzulesen ist.

______________________ Nachtrag 1. April 2014 _________________

Die oben gezeigten Reste des längst untergegegangenen Waldes waren nur ein paar Tage lang sichtbar, bevor sie vom Sand wieder verdeckt wurden. Dafür tauchten ein gehöriges Sück weiter entfernt von der Dünenkante andere Teile dieses Waldes auf, die nur für kurze Zeit bei tiefer Ebbe vom Wasser freigegeben wurden. Die folgendne Aufnahmen wurden bei einem Koeffizienten 109 ziemlich genau zur Zeit der tiefsten Mittagsebbe gemacht.


Annäherung an die Fundstelle


Einer der Stammüberreste, der nur wenig aus dem Sand herausragte.


Die an dieser Stelle aufgetauchten Stammreste stammen von schnellwachsenden Baumarten mit recht weichem Holz.



Ein Stamm, der etwa einen Meter aus dem Sand ragte.


Auch hier wieder breite Jahresringe, Zeichen von schnell gewachsenem, weichen Holz.


Und noch deutlicher


Hier haben sich allerhand Nachmieter auf dem Stammrest niedergelassen.


Noch eine Übersichtsaufnahme. Im Hintergrund die Dünenkante.

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Aufnahmen vom Februar 2016

Im Febraur 2016 wurden am Fuß der Dünen am Strand von Vensac Océan Überreste von Baumstämmen freigespült, die auf den ersten Blick an die oben gezeigten Bilder denken lassen. Tasächlich gibt es aber einige Beobachtungen, die zu dem Schluss führen, dass diese Stammüberreste nicht aus der selben Zeit stammen wie die oben auf dieser Seite gezeigten.


Der erste Untrschiede zeigt sich hier deutlich, denn diese Fragmente finden sich in einer höheren  Schicht. In der Archäologie heißt das ausnahmslos: was höher liegt ist jünger.


Ein zweites nicht zu übersehendes Indiz: Der Stamm, der einst auf diesem Überrest saß, ist mit einer Säge von seiner Unterlage getrennt worden, andernfalls gäbe es nicht die hier zu sehende gatte Fläche am oberen Ende des Fundstücks.


Auch hier sind glatte, offensichtlich von Sägen verursachte Schnittstellen zu sehen. Derartige Sägen gab es weder in der Bronzezeit noch in der Eisenzeit. Sie kamen erst in der Zeit in Gebrauch, in der die Römer auch das Médoc eroberten. Das lässt alerdings nicht den Schluss zu, dass dieser Stamm zur Zeit Cäsars abgesägt worden ist, wahrscheinlich passierte das wohl deutlich später.


Dieselbe Fundstelle aus einem anderen Blickwinkel.



Die Stelle, an der diese Stämme freigespült wurden erstreckt sich über eine beträchltiche Länge.


Und noch ein besonders beeindruckendes Fundstück.

Die zugegeben grobe Datierung über die Höhenlage der Fundstelle ist nur ein erster Ansatz. Viel genauer wäre eine dendrochronologische Untersuchung, bei der über die Jahresringe der gefundenen  Stämme  Aussagen über deren Lebenszeit gemacht werden könnten, die unter günstigen Umständen  das Jahr genau angeben können, in dem ein Baum aufgehört hat zu wachsen.