Die gallo-römische  Villa in Plassac

Seit unserem letzten Besuch in Plassac im Jahre 2008 sind umfangreiche Untersuchungen im Grabungsgelände durchgeführt und viele Maßnahmen ergriffen worden, um Besuchern einen noch besseren Einblick in die Geschichte der Villa zu geben. Wir hängen eine Reihe neuer Bilder unten an die schon bestehende Seite an.

(UM, 19. 06. 2015)

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So etwa wird die gallo-römische Villa in Plassac im 2. Jahrhundert n.Chr. ausgesehen haben.

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In Plassac sind seit den 60er Jahren des  20. Jahrhunderts systematische Ausgrabungen durchgeführt worden.

Die erste Villa in Plassac wurde um 20 – 40 n. Chr. errichtet. Sie orientierte sich ziemlich direkt an architektonischen Ideen aus Italien.

Namengebend war der erste Besitzer der Villa, ein Mann namens Blattius, daraus wurde Blattiacum und später im Mittelalter Plassac

Um 100 – 120 n. Chr. Erfolgt ein gründlicher Umbau der ersten Anlage. Die heute sichtbaren Mauerreste gehören überwiegend zu dieser zweiten Anlage. Auch diese Anlage ist inspiriert von Bauten in Italien.

Die dritte Villa entstand in mehreren Bauphasen im 4. und 5. Jahrhundert n.Chr.

Die Verwendung des Begriffs Villa ist in diesem Zusammenhang etwas verwirrend, denn das, was hier als Villa bezeichnet wird, ist eher ein landwirtschaftlicher Großbetrieb, der aus einer ansehnlichen Zahl von Gebäuden bestand, die zum größten Teil Zwecken der Landwirtschaft und der Viehzucht bestimmt waren. Die meist schmucklosen Wirtschaftsbauten haben nur wenig Vorzeigbares aufzuweisen, und demnach haben sie naturgemäß nur begrenzte Interessen bei den Ausgräbern mobilisiert. Die oft luxuriösen Wohngebäude der Besitzer der Villa brachten hingegen reichere Funde, da sie um vieles aufwändiger ausgestattet waren als die Wirtschaftsgebäude.  

Allen Gebäuden aus der Römerzeit ist hingegen in Plassac ein recht einheitliches Schicksal bereitet worden, denn sie sind nach dem Ende des Römischen Reiches verfallen und dann bald als Steinbruch genutzt worden. Dieses Schicksal hat viele Gebäude aus der Römerzeit ereilt, die heute nur noch in den Teilen fassbar sind, die unter der Grasnarbe vorborgen sind.

Wenn später Rekonstruktionsversuche unternommen werden, dann gehen in die Ergebnisse dieser Modelle zahlreiche Vermutungen ein, die sich aus der Kenntnis ähnlicher Bauten ableiten. Eine wirklich stichhaltige Beweisführung dafür, dass dieses oder jenes Gebäude so und nicht anders ausgesehen hat, ist daher in der Regel nicht möglich. Allerdings sind die Kenntnisse der Archäologen inzwischen so reichhaltig, dass sie bei ihren Annahmen meist auf sicherem Boden stehen.

Die für Besucher interessanten Teile der Villa in Plassac bestehen aus dem Freigelände und aus einem Museum, das in einem direkt an das Grabungsgelände anschließenden Gebäude untergebracht ist. In diesem Museum sind alle Funde aus den verschiedenen Grabungskampagnen untergebracht, wobei naturgemäß nicht alles gezeigt werden kann, was sich in den Magazinen befindet, dabei aber oft nur für Fachleute interessant ist. Gut ist auf jeden Fall, dass man die Funde vor Ort gelassen hat und sie nicht in ein weit entferntes bedeutendes Museum geschafft hat, wo sie in der Masse der dort schon vorhandenen Exponate wahrscheinlich untergegangen wären.

Das Museum selbst ist nach modernen museumsdidaktischen Grundsätzen angelegt. Es bietet zahlreiche Möglichkeiten, sich anschauliche Vorstellungen vom alltäglichen Leben in der Villa von Plassac zu machen.

Geöffnet ist es vom 1. April bis zum 31. Oktober täglich von 9.00h bis 12.00h und von 14.00h bis 18.00h. In der übrigen Zeit des Jahres sind Besuche nach vorhergehender individueller Anmeldung möglich.

Plassac liegt ca. 3,5 km südlich von Blaye auf dem rechten Ufer der Gironde. Der Anfahrtweg ist von Blaye aus gut ausgeschildert.

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Ein Blick auf das Grabungsgelände. Die Gebäude im Hintergrund sind neuzeitlich. Sie stehen allerdings über noch nicht ergrabenen Überresten aus der Römerzeit.


Noch eine Rekonstruktionszeichnung des Wohngebäudes


Mosaikfußboden aus dem Wohngebäude


Den Augen der Bewohner einst verborgen: Hohle Ziegel, durch die die unter dem Fußboden zirkulierende warme Luft noch oben stieg und über kleine Öffnungen ins Freie entwich. Schornsteine im heutigen Sinne waren daher bei fußbodengeheizten Gebäuden der Römerzeit überflüssig. Die gezeigten Ziegel waren verputzt, so dass man sie nicht sah.


Der Wandputz in den Wohnräumen war bemalt. Hier sind Fragemente zu sehen, die die Archäologen in mühsamer Kleinarbeit geborgen und so präsentiert haben, wie sie im Originalzustand einst an der Wand zu sehen waren.


Ein richtiger Glücksfund: Mehrere Fragmente, die nahtlos aneinander passen.



Rekonstruktionsvorschlag für eine Wand in einem repräsentativen Saal des Hauptgebäudes. Dabei wurden die Grabungsergebnisse zur Grundlage genommen und mit den Kenntnissen ähnlicher Wandgestaltungen kombiniert.


So hat es auf dem Hauptgebäude ausgesehen. Man sieht, dass diese Art der Dacheindeckung seit der Antike im Prinzip unverändert geblieben ist.



Prägestempel von Ziegeleien auf Dachziegeln. Gezeigt werden die Fundstücke und die dazu gehörenden Nachzeichnugnen auf Karton, die die Stempel meist besser erkennen lassen.


Gegenstände des privaten und häuslichen Gebrauchs. Gezeigt wird nur ein kleiner Ausschnitt der reichhaltigen Ausstellungsstücke des Museums zu diesem Bereich. 



Fragmente von Tongefäßen. Auch hier sind die Muster durch Nachzeichnungen verdeutlicht.


Kleinplastik eines Stiers aus Eisen


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Neue Bilder 2015


Die freigelegten Mauerreste sind vorsichtig ergänzt worden, um die Grundrisse der Villa deutlicher werden zu lassen.


Bereiche, die vor Witterungseinflüssen geschützt werden müssen, sind überdacht worden.






Ein restauriertes Mosaik, das wieder an der Originalstelle liegt.


Fortsetzung des Mosaikfußbodens


Detail des Randes des Mosaiks. Am Bildrand eine rechteckige Öffnung, durch die unter dem Fußboden zirkulierende erhitzte Luft nach außen abgeleitet wurde.





Das Grabungsgelände aus einer anderen Perspektive. Die Kirche steht zum Teil über Grundmauern der Villa.



Ein kleiner Raum, in dem ein Teil des von unten beheizten Fußbodens rekonstruiert worden ist. Bei dieser Form der Fußbodenheizung ruhte der gesamte Fußboden auf niedrigen Säulen, so dass die erwärmte Luft den gesamten Fußboden des Raumes bstreichen und erwärmen konnte.


In diesem Raum wurde eine andere Form der Fußbodenheizung installiert, bei der die erwärmte Luft durch schmale Luftkanäle geleitet wurde. Das bewirkte, dass der Fussboden weniger erwärmt wurde als bei dem sonst üblichen Konstruktionsverfahren.


Eine Rekonstruktionszeichnung dieser Variante der Fußbodenheizung, bei der eigentliche Fußboden nicht dargestellt ist.



Nochmal ein Raum mit Fußbodenheizung


Eine Rekonstruktionszeichnung für den Gartenhof


Ein Raum mit Inneneinrichtung, ebeffalls eine Rekonstruktionszeichnung


Fragmente der Wandbemalung, hier ein Schwan


Noch ein Fragment der Wandbemalung


Blick aus dem Museum auf das Freigelände


In der Bildmitte die Abschlussmauer des Geländes, auf dem die Villa steht.