Beaugency- empfehlenswerter Etappenort an der Loire

Beaugency liegt wenige Kilometer von Orléans an der Strecke Orléans-Blois, in der Nähe der Autobahn A 10. In der Ferienzeit ist der Platz meistens ziemlich belegt. Wir haben beobachtet, dass Wohnmobile, die sich vor den Platz stellen, nicht behelligt werden. Der Platz hat eine Toilette und Entsorgungsmöglichkeiten.

Der Wohnmobilstellplatz in Beaugency, rechts die Loire

Die Hauptattraktion von Beaugency: die Brücke über die Loire. Sie ist vom Stellplatz aus etwa 200 m entfernt und nicht zu übersehen. Aber es gibt noch mehr Vorzeigbares in Beaugency. Kommen Sie mit.

Die Brücke aus anderer Perspektive

Ruine des château

Ein Gässchen in der Altstadt


Das Rathaus


Die Auffahrt zur Brücke von der Stadtseite aus. Rechts oben ein beziehungsreiches Schild


Ein Schild mit historischem Hintergund (die angeknabberte Pizza und die Bezeichnung Pizzeria sind allerdings Zutaten des 20. Jahrhunderts.) Wenn Sie wissen wollen, was es mit dieser Katze auf sich hat, dann sollten Sie  lesen, was Jule herausgefunden hat.

 


Jule berichtet (11)

 

Die Brücke von Beaugency

Wer sich die Brücke anschaut, die heutzutage in Beaugency über die die Loire führt, hat zwei Möglichkeiten: entweder er guckt nur kurz und desinteressiert, dann fällt ihm nichts auf, oder er sieht wirklich genau hin, und dann fällt ihm einiges auf. Sie/Er merkt dann, dass mit dieser Brücke irgendetwas nicht ganz im Lot ist. Und wer das merkt, der hat genau erfasst, dass bei dieser Brücke tatsächlich nicht alles so ist, wie  es sein sollte.

Wir haben jedenfalls genau hingesehen und uns gefragt, was bei dieser Brücke auffällig ist. Da wir das auch nicht sofort gemerkt haben, haben wir beschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen. Wie Sie alle wissen, steht in dem Organigramm unserer Redaktion, dass ich für alles, was mit Recherche zu tun hat, zuständig bin. Mach ich wirklich gern, obwohl es manchmal noch mehr Spaß macht, Beschwerden zu bearbeiten. Dafür hab ich nämlich auch so einige Argumente, aber das ist ein anderes Kapitel.

Also, hab ich mich daran gemacht, das auszugraben, was mit der Entstehung dieser Brücke zu tun hat. Dabei brauchte ich gar nicht lange zu suchen, denn schon der erste Einwohner von Beaugency, den ich befragt habe, hat mir alles haarklein erzählt.

Ich schreib das mal so auf, wie ich es gehört habe. Also, da war das Städtchen Beaugency, und das lag an der Loire. Da liegt es auch heute noch, aber heute hat man eine Brücke, mit der man von einer Seite der Loire auf die andere kann. Praktisch, aber längst nicht selbstverständlich. Über viele Jahrhunderte konnte man nämlich nicht so einfach über die Loire, weil es keine Brücke gab. Und da haben die Stadtväter in Beaugency überlegt, was zu tun war. Da die damals auch schon ganz schön pfiffig waren, wussten sie nach ein paar Minuten, dass die Lösung ihres Problems eine Brücke war. Dann hat einer gesagt, dass so eine Brücke ganz schön was kostet, und der Bürgermeister, der eine Schwester auf der anderen Loireseite hatte, hat geseufzt und gesagt, dass das genau der Punkt war, an dem er graue Haare kriegte. Denn, so sagte der Bürgermeister noch, Geld war das einzige, was man in Beaugency nicht hatte. Ende der Beratung, alle nach Hause.

Auf dem Heimweg sprach den Bürgermeister ein Fremder an und sagte, er habe gehört, dass man in Beaugency eine Brücke bräuchte, dass dafür aber das Geld fehlte. Er hätte da so eine Idee. Tuschel, tuschel, tuschel.

Ich habe, wie das so meine Art ist, kräftig nachgebohrt, und dabei kam folgendes heraus: Der Fremde hat dem Bürgermeister angeboten, die besagte Brücke zum Nulltarif, und das noch in einer einzigen Nacht, zu bauen. Das sei jedoch nicht ganz umsonst. Und, fragte der Bürgermeister, was der Fremde denn haben wolle. Sagte der, die erste Seele, die die neue Brücke überquert. Der Bürgermeister glaubte nicht richtig zu hören, denn das schien ihm ein überaus gutes Geschäft zu sein. Er fragte nur, ob man sofort einen Vertrag machen könnte. Sagte der Fremde, ja natürlich. Und das passierte dann auch.

Danach ging der Bürgermeister langsam und hochzufrieden nach Hause. Da war es dann allerdings mit dem Frieden zu Ende, denn seine Frau fragt ihn ziemlich grob, wo er denn jetzt noch herkäme. Der Bürgermeister holte weit aus und erzählte. Als er an der Stelle ankam, an der er das Geschäft wegen der Brücke abgeschlossen hatte, guckte ihn die Frau Bürgermeisterin jedoch nicht so an, wie er das erwartet hatte, denn die sagte nur, das sei mal wieder typisch. Was denn, fragte der Bürgermeister. Sagte die Bürgermeisterin, na, dass er mal wieder übers Ohr gehauen worden sei. Wer, bitte schön, baute schon eine Brücke, noch dazu über die Loire, und wollte dafür kein Bargeld sehen. Höchst verdächtig, wenn da mal nicht der Teufel im Spiel sei. Der Bürgermeister, der sowieso nicht viel Selbstvertrauen besaß, sagte dann, ihm sei bei seinem Gespräch wegen des Brückenbaus schon unbehaglich gewesen, denn der Fremde habe irgendwie gerochen. So schweflig etwa, fragte die Bürgermeisterin. Ja, sagte der Bürgermeister, und seine Frau fragte weiter, war denn der Fremde auch schlecht zu Fuß? Ja, sagte der Bürgermeister, der hinkte, und er schien einen Fuß zu haben, der nicht ganz so wollte wie er.

Da holte die Bürgermeisterin tief Luft und sagte laut und deutlich ein paar Dinge, die ich wegen der aktuellen Datenschutzlage nicht weitergeben darf. Ich blende uns da wieder ein, wo die Bürgermeisterin sich beinahe beruhigt hatte, was aber nicht hieß, dass sie ruhig war. Sie sagte ihrem Mann klipp und klar, dass er sich etwas einfallen lassen müsste, sonst, na ja, er wisse schon. Dem Bürgermeister fiel aber nichts ein, er wurde immer mutloser und seine Frau immer resoluter. Schließlich sagte sie, also, wenn er keine vernünftige Idee hätte, sie hätte da einen Vorschlag. Wieder tuschel, tuschel, tuschel.

Am nächsten Morgen stand der Bürgermeister zeitig auf, um nachzusehen, wie es um die Brücke stand. Die stand tatsächlich da, wo am Vortag noch keine Brücke gewesen war, ziemlich genau so, wie man sie heute noch sehen kann. Und am anderen Ende stand der Fremde und schaute gespannt auf die Brücke. Klar, der wartete auf seinen Lohn. Dem Bürgermeister war mulmig zu Gemüte, aber er wusste, dass er handeln musste, denn weder mit dem Fremden, das dachte er sich, noch mit seiner Frau, das wusste er aus Erfahrung, war zu spaßen. Der Bürgermeister ging also auf die Brücke zu, machte eine Tasche auf, die er über die Schulter trug und setzte eine schwarze Katze auf die Brücke. Kaum saß die da, kam einer von meinen Vorfahren und jagte dem armen Tier einen solchen Schrecken ein, dass das wie ein gut geölter Blitz über die Brücke schoss, mitten auf den gierig guckenden Fremden zu. Als der die Katze sah, war ihm schlagartig klar, dass er hereingelegt worden war. Aber, Vertrag ist Vertrag, die Brücke war ja gebaut und der Vertrag wenigstens formal erfüllt worden. Trotzdem war er wütend wie schon lange nicht mehr. In seiner Wut ließ er die Katze aus den Augen, die an ihm vorbei jagte und im Schilf verschwand. So hatte der Fremde nicht mal die Katzenseele gekriegt, auch deswegen trat er mit seinem Klumpfuß gegen die Brücke, sonderte eine Menge Schwefel ab und verschwand.

Die Katze tauchte bald darauf beim Bürgermeister auf und sah den anklagend an. Das sah die Bürgermeisterin und sie verdonnerte ihren Gemahl dazu, dieser Katze bis an das Ende ihrer Tage ein sorgenfreies Leben zu bereiten. Was der dann auch tat. Und als die Katze sich zu ihren Vorvätern versammelte, wurde sie an einer Stelle begraben, an der sie einen unverbaubaren Blick auf die Brücke hat. Hat sie verdient, oder?

Übrigens, dass der seelengierige Fremde der Brücke einen mächtigen Tritt verpasst hat, das können Sie noch heute sehen. Schauen Sie sich das Bild der Brücke noch mal genau an. Stimmt’s?

Schließlich noch ein Tip: Wenn Sie mal nach Beaugency kommen (sollten Sie übrigens unbedingt tun), fragen Sie die Eingeborenen, was die über die Entstehung der Brücke wissen. Hören Sie ruhig zu und denken Sie sich ihr Teil. Wenn die Ihnen nicht haarklein das erzählen, was ich aufgeschrieben habe, dann sind das Zugereiste, also keine echten Beaugenciens. Die wissen natürlich diese Dinge nicht so richtig. Aber seien Sie taktvoll, sagen Sie denen nicht, dass  Sie erkennen können, wer zugereist ist. Sie wollen doch niemanden traurig machen, oder?