Die Paradiesstiftung: die ideale Problemlösung

Im Médoc gibt es ein Fleckchen, von dem es einst hieß, das Paradies sei noch nicht ausverkauft. Mancher Feriengast hat sich davon anstecken lassen und noch schnell ein Häuschen gekauft, um eines kleinen Eckchens dieses Paradieses teilhaftig zu werden.

Und alle glauben seither, dass sie wenigstens für einen Teil des Jahrs in diesem Paradies residieren können. Alle? Nein, es gibt  Menschen auf diesem Fleckchen Erde, die  an die Bewohner des bekannten kleinen Dorfs erinnern, die partout nichts mit den Römern zu tun haben wollen. Nun haben diese Gegner  der Römer ein klar definiertes Feindbild, das sich witzig in Szene setzen aber kaum auf das Médoc übertragen lässt. Während Asterix, Obelix und Co. ihre Aggressionen dadurch kompensieren können, dass sie im Wechsel Römer verhauen, Wildschweine vertilgen und kräftige Feste feiern, haben die armen Paradiesbewohner, die überzeugt sind, dass sie von finsteren Mächten ausgebeutet, über das Ohr gehauen und hinter das Licht geführt werden, diese Kompensationsventile nicht. Sie sind, bedauerlich aber nicht zu ändern, gezwungen, sich schröcklich zu erregen, üble Nachrede zu praktizieren, Prozesse zu führen, kurzum sich in Erregung und Erbitterung zu steigern, was nicht gesund ist.

Eigentlich tragisch, aber nicht hoffnungslos, denn es gibt auch für diesen Konflikt einen Ausweg, der zudem einen eigenen Charme hat: die Paradies-Stiftung.

Die wird in Kürze das Licht dieser Welt erblicken und dann den Rechtsnormen, die für Stiftungen im Bereich der Europäischen Union gelten, entsprechen. Sie wird jedoch nur Stifter aufnehmen, die Besitztitel einbringen, die in besagtem Paradies gelegen sind.

Die Stifter erhalten nach Vollzug ein notariell bestätigtes Zertifikat, aus dem sie entnehmen können, dass sie fürderhin keinerlei Repressalien oder Willkürmaßnahmen seitens der Paradies-Verwaltung ausgesetzt sein werden. Sie erfahren überdies, dass sie nach Einbringung ihrer Besitztitel in die Stiftung weiterer finanzieller Verpflichtungen für das Stiftungsgut ledig sind. Und sie können sicher sein, dass ihre Leber-, Gallen- und Blutdruckwerte wieder so sein werden, wie sie es bei der großen Mehrheit der mehr oder weniger zufriedenen Paradiesbewohner  sind.

Die  besagte Stiftung wird  einen Beratungsservice initiieren, der den Stiftern Ratschläge geben wird für die geographische Orientierung künftiger Engagements. Nach dem gegenwärtigen Stand der Erhebungen wird denen empfohlen, künftig näher bei ihren derzeitigen Hauptwohnsitzen zu investieren, also zum Beispiel in der Eifel, wo es reizvolle Objekte gibt, die guten Gewissens empfohlen werden können. Und wer das braucht, kann sich auch dort über Dinge erregen, die andere kalt lassen. Wer nicht schnell genug etwas findet, was die Gallen- und sonstigen Werte explodieren lässt, kann sich an den Beratungsservice der Paradiesstiftung wenden. Der wird helfen, gratis, schnell, diskret. Natürlich nur, falls gewünscht.

(UM, 1. April 2015)