Der Grabhügel von Barbehère

Blick auf den Tumulus von Barbehère von der Straßenseite her.


Der Tumulus von Barbehère

Auf dem Gebiet der Gemeinde Saint Germain d’Esteuil im Médoc mangelt es nicht an historischen Kostbarkeiten. Eine davon ist das älteste im Médoc erhaltene Bauwerk, das vielleicht auch das älteste in dieser Region überhaupt errichtete ist. Das Bauwerk, um das es hier geht, ist ein Grabhügel, errichtet über einem Steinkammergrab, das vor rund 6000 Jahren angelegt worden ist.  Er stammt also aus der Zeit der Jungsteinzeitlichen Revolution, in der die Menschen gelernt haben, Ackerbau zu betreiben. Das gab ihnen die Möglichkeit, sesshaft zu werden.

Nach früheren, methodisch nicht sehr professionellen Grabungen ist der Tumulus 1997 bis 1992 fachgerecht  erforscht und ab 2008 restauriert worden. Die  Grabanlage ist bis auf die verschwundene Deckensteine komplett vor Ort erhalten geblieben. Da das Grab von weitem gesehen werden sollte, wurde die steinerne Grabkammer mit einem Hügel von 20 m Durchmesser und 2 m Höhe bedeckt. Dieser Zustand ist bei der Restaurierung wieder hergestellt worden.

Die eigentliche Grabkammer ist 4,30 m lang und 2,10 m breit. Die Deckenhöhe nimmt dabei vom hinteren Rand zum Eingang hin ab von 1,70 m auf nur noch rund 0,60m. Die Steinplatten, die eingebaut wurden, stammen aus einem Steinbruch in der Nähe.

Unter der Steinkammer des Grabes wurde eine kreisrunde Vertiefung von rund 0,30 m Tiefe und 0,90 m im Durchmesser gefunden, deren Funktion noch nicht geklärt ist. Sie ist offensichtlich älter als das darüber gebaute Hügelgrab und gehörte entweder zu einem Wohngebäude oder zu einer Kultstätte. Bei der  Restaurierung des Grabhügels wurde diese Vertiefung wieder zugedeckt, so wie es dem Zustand bei der Anlage des Tumulus entsprach.

Der Tumulus ist gut erreichbar, den Einheimischen aber erstaunlicherweise nicht immer bekannt. Man findet ihn, wenn man aus dem Ort Saint-Germain d’Esteuil in nordöstlicher Richtung auf Potensac zufährt. Die Zufahrt zu dem Grabhügel geht über die Route de Barbehère (hinter dem Ortsausgang zweite geteerte Straße nach rechts, Richtung Potensac. Es gibt keine Beschilderung, die auf den Tumulus verweist, der Hügel selbst hebt sich aber am Waldrand in rund 50m Entfernung von der Straße deutlich ab.

 (UM, 15. Sept. 2010)


Annäherung. Der Hügel ist mit kleineren bis mittelgroßen Steinen bedeckt.



Blick in den Zugang zur Grabkammer


Die Grabkammer, der zentrale Raum der Anlage. Die Deckensteine über der Grabkammer sind verschwunden, während sich die Wandsteine der Grabkammer bis heute an Ort und Stelle erhalten haben.

Die der Straße abgewandte Seite des Grabhügels. Hier hat man bei der Rekonstruktion gespart und die Abdeckung durch kleinere und mittlere Steine unterlassen.


Ein wenige Meter vom Rand des Grabhügels anzutreffender großer flacher Stein. Möglich, dass er zu den nicht mehr an der originalen Stelle befindlichen Deckenplatten gehörte.


Ein vom Musée d'Aquitainein Bordeaux aufgestellte Informationstafel.


Skelettfundstücke aus dem Grab


Gut bearbeitete Pfeilspitzen. Ein Zeichen dafür, dass die jungstein-zeitlichen Menschen im Médoc auch als Sesshafte immer noch gejagt haben.

An Ort und Stelle gefundenen Schmuckstücke aus verschiedenen Materialien


Karte des Médoc. Eingetragen sind Fundorte aus der Jungsteinzeit.




Blick auf den Tumulus von Barbehère aus der Satellttenperspektive


Der Weg zum Grabhügel. Links in der Bildecke der Ort Saint-Germain d'Esteuil. Ber helle Punkt in der rechten oberen Bildecke zeigt den Tumulus an.

(UM 15-09-2010