Substantive:

Ohne Substantive geht es nicht. Keine Sprache kommt ohne die Wörter aus, die Sachen, Gegenstände, Abstraktes, Gegenständliches,  etc. bezeichnen, das Französische auch nicht.
Ausländer, die sich dem Französischen nähern, haben oft Ängste und Befürchtungen vor Kompliziertheiten bei diesen Substantiven, die wir reduzieren, wenn möglich sogar ausräumen wollen. Die Chancen dazu stehen eigentlich ganz gut, denn auch hier zeigt das Französische eine ausgeprägte Neigung zur Regelmäßigkeit und Transparenz, die man machen anderen Sprachen, auch dem Deutschen, wünschen könnte.
Wir sagen zuerst etwas über die beiden Geschlechter, die es bei Substantiven im Französischen gibt, und geben dann einen kleinen Ausblick auf Pluralbildungen im Französischen.

a) Genus: Maskulinum / Femininum - Weibliches und Männliches

Es gibt gute Gründe, die Schöpfung dafür zu preisen, dass sie sich auf zwei Geschlechter eingelassen hat. Wenn man fremde Sprachen lernt und dabei darauf stößt, dass manche Wörter weiblich, andere hingegen männlich oder neutral sind, dann ist das unter Umständen eine weniger willkommene Entdeckung. Auch hier ist das Französische gnädig, denn es kennt nur zwei Geschlechter: das männliche und das weibliche. Das Neutrum ist zwar auch noch da, hat sich aber so gelungen im Maskulinum versteckt, dass man sich darum nicht mehr kümmern muss.

Das Geschlecht (Genus) französischer Substantive geht zum allergrößten Teil auf die lateinischen Vorfahren dieser Wörter zurück, die, wie dies bei einer romanischen Sprache wie dem Französischen normal ist, mehr oder weniger deutlich durchscheinen. Für den Hausgebrauch haben aber nur wenige etwas wirklich von diesem Tatbestand, denn selbst bei soliden klassischen Lateinkenntnissen landet man häufig genug bei Fragezeichen, schlicht deswegen, weil das Französische aus dem Vulgärlateinischen entstanden ist, das zu Römerzeiten in den Provinzen Verkehrssprache war, während das klassische Latein der Gebildeten, das in den Klassenzimmern sein mehr oder weniger geliebtes Nachleben hat, schon zu Caesars Zeiten von Frau/Mann auf der Straße als überdreht und schwer verständlich empfunden wurde. Das betraf sowohl die Grammatik, die Neigung zu meterlangen Schachtelsätzen und nicht zuletzt den Wortschatz.

Zur Verständigung trägt die Tatsache, dass es im Französischen zwei Geschlechter bei den Substantiven gibt, so gut wie nichts bei, denn man wird ohne weiteres verstanden, wenn man (richtig) la lettre oder (ebenfalls richtig) le pain sagt oder le und la vertauscht. Auch dann gibt es kein Problem: man wird verstanden, auch wenn das Wohlbefinden eines französischen Gesprächspartners vielleicht etwas leidet.

Nur bei ganz wenig Substantiven kann der Gebrauch eines falschen Genus zu Verständnisproblemen führen:

Man beachte:

Le livre – das Buch

La livre - das Pfund

Le tour – die Tour, Rundfahrt (le tour de France)

La tour – der Turm (la tour Eiffel)

Le vase – die Vase

La vase – der Schlamm

Le manche – der Stiel

La manche – der Ärmel

Un aide – ein Gehilfe

Une aide – eine Hilfe

Le merci – der Dank

La merci – die Gnade

Le pendule – das Pendel

La pendule – die Wanduhr

Le vapeur – der Dampfer

La vapeur – der Dampf

Le voile – der Schleier

La voile – das Segel

Le page – der Page

La page – die Seite

Le poêle – der Ofen

La poêle – die Bratpfanne

 

Aber auch hier ist die Gefahr nicht groß, weil meist der Textzusammenhang vor Unheil schützt.

 

Wer sich vom Deutschen her der französischen Sprache nähert, empfindet es vielleicht als unpraktisch, dass französische Substantive vergleichsweise oft nicht das Geschlecht haben, das ihnen nach deutschem Sprachempfinden am besten stünde:

 

So sagen Franzosen beharrlich:

La table – der Tisch

La photo – das Foto

La voiture – der Wagen, das Auto

Le tram – die Straßenbahn

Le timbre – die Briefmarke

La pomme – der Apfel

La lune – der Mond

Le soleil – die Sonne

Le pont – die Brücke

La tête – der Kopf

Etc.

Gleichwohl kann man Franzosen für derlei unerwartete Dinge nicht verantwortlich machen. Die haben die Zuordnung ihrer Substantive zu Maskulinum oder Femininum auch nicht frei wählen dürfen, sondern vom Lateinischen vorgegeben bekommen.

 

Bei ein paar Substantiven könnte man allenfalls vermuten, dass hier Deutschsprachige geärgert werden sollen, doch sollte man diesen Gedanken schnell verscheuchen, wenn man nur ganz kurz daran denkt, was die deutsche Sprache einem Franzosen etwa an Merkwürdigkeiten präsentiert.

Le groupe (mask.!) – die Gruppe

Un étage (mask. !) – eine Etage

Un étape (mask.!) – eine Etappe

Le banc (mask.!) – die Bank (zum Sitzen)

La salade – der Salat

Le garage – die Garage

 

 

Bei einer ganzen Menge von Substantiven kann man an der Endung sehen, dass sie mit ziemlicher Sicherheit maskulin oder feminin sind.

 

Wir zählen erst typisch maskuline Endungen auf:

-age: le courage, le visage, le garage

-ège : le manège, le collège

-ail : le travail, le portail, le détail

-al : le cheval, le signal, le capital

-eau : le bureau, le tableau, le chapeau

-ent : le talent, l’argent, un agent

-et : le billet, le parquet

-ier : le panier, un encrier

-isme : le communisme, le capitalisme

-ment : un appartement, le logement

-on : le coupon, le frisson

-oir : le miroir, le dortoir, le tiroir

 

Und jetzt Endungen, die typisch weiblich sind :

-ade: la promenade, la ballade, la salade

-aille : la bataille, la pagaille, la canaille

-aine : une trentaine, une quarantaine

-ance : une esperance, la perséverence

-ence : la concurrence, une essence

-aison : la livraison, la comparaison, la congjugaison

-elle : la femelle, la tourelle,

-esse : la polittesse, la rudesse, la grossesse

-ette : la maisonnette, la superette

-eur : la chaleur, la douceur, la douleur

-ise : la bêtise, la prise, la chemise

-son : la saison, la chanson

-çon : la leçon, la rançon

-ion : la religion, la démonstration, la civilisation

-té : la liberté, la bonté

-tié : la moitié, l’amitié, la pitié


Sonderfall Schiffe

Schiffe sind im Deutschen und auch Im Englischen eigentlich immer weiblich, einerlei, was für einen Typ  sie verkörpern. 

Im Französsichen hingegen sind sie eigentlich immer männlich, was wohl daran liegt, dass le bateau  dem Maskulinum zuzurechnen ist.

Tatsächlich ist die französische Sprache hier nicht von der sonst üblichen Konsequenz, und dies aus verschiedenen, allesamt eher weniger rationalen Gründen. Ein einst beühmtens Passagieschiff mit Namen Normandie müsste eigentlich als Le Normandie angesprochen werden und das letzte große französische Passagierschiff mit dem Namen France folglich Le France heißen. Mit dem gleichen Recht müsste ein Hbschrauberträger, der nach Jeanne d'Arc beannt war,  Le  Jeanne d'Arc heißen. Das ginge dann jedoch zu weit, in den genannten Fällen findet man fast immer La Normandie, La France, La Jeanne d'Arc, einfach, weil es einen Franzosen graust, wenn er die eigentlich korrekten Artikel sieht. Wenn man gute französische Freunde hat, die man ein bisschen ärgern will, dann kann man schon mal danach fragen,  wie es denn mit dem Genus von Schiffsnamen im Französischen steht.

Findige Geister wissen sich auch hier zu helfen, die sagen nämlich z.B. Le porte-hélicoptère Jeanne d'Arc, und schwupp, ist das Problem weg.



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b) Einzahl- und Mehrzahl / Pluralbildung

Französische Substantive können wie zu erwarten im Singular oder im Plural einherkommen. Die meisten wenigstens.

Als Unterscheidungsmerkmal wird in der Regel ein –s an das Substantiv angehängt.

Le père – les pères, le jour - les jours, le livre – les livres etc.

 

Diese einfache Standardmuster gilt für die allermeisten Substantive des Französischen. Beruhigend: in den meisten Fällen ist das angehängte –s nicht zu hören, so dass man beim Sprechen sich in dieser Beziehung wenig Gedanken machen muss.

Substantive, die im Singular bereits ein –s haben, bekommen kein zusätzliches Plural-s: le bras – les bras.

 

Gleiches gilt für Substantive mit –z oder –x am Ende: Le prix –les prix, le nez – les nez etc.

 

Einige Substantive leisten sich einen etwas auffälligeren Plural :

le château –les châteaux, le manteau – les manteaux, aber auch hier hört man das Plural-x in der Regel nicht.

 

Bei ganz wenigen Substantiven unterscheiden sich Singular und Plural richtig hörbar: le cheval – les chevaux, le journal – les journaux, le travail – les travaux, l’œil –les yeux.

 

Nun kann man fragen, warum es im Französischen Pluralformen gibt, wenn man sie nicht hören kann. Eine Antwort darauf wird auf das Schriftliche hinweisen, wo die Unterschiede zwischen Singular und Plural in den allermeisten Fällen sichtbar sind und Verständnishilfe sein können. Im gesprochenen Französisch geht die Information darüber, ob ein Substantiv im Singular oder Plural steht über den Determinanten (Artikel, Zahlwort etc.): le livre, les livres, des livres, mes livres, dix livres ...., so dass in der Regel Klarheit darüber hergestellt werden kann, ob einem oder mehreren Büchern die Rede ist.