Wie der Weihnachtsmann nach Frankreich kam

Dass die Existenz des Weihnachtsmannes nicht mehr angezweifelt wird, hat sicher vielfältige Ursachen.

Die Vorstellung vom gütigen, besonders den Kindern zugetanen Mann im roten pelzbesetzten Mantel hat sich allerdings auf zum Teil verschlungenen jahrhundertelangen Wegen gebildet.

Am Anfang steht der Hl. Nikolas von Myra, der um 270 n. Chr. an der Küste Kleinasiens geboren und 303 zum Bischof seiner Geburtstadt ernannt wurde. Als er am 6. Dezember 343 starb, ein Datum, das allerdings nicht verbürgt ist, stand er im Ruf eines allseits verehrten Wundertäters.

Obwohl er seither immer als Heiliger angesprochen wird, hat es kein förmliches Verfahren der Heiligsprechung gegeben. Damit ist er jedoch kein Einzelfall, er zählt zu der nicht kleinen Schar von Heiligen, deren Verehrung die Kirche toleriert, sicher eine weise Entscheidung.  

Der Ruf des Hl. Nikolaus beschränkte sich lang auf den engeren Raum, in dem er gelebt hatte. Erst im 10. Jahrhundert wurde er bei den Deutschen bekannt. Die Mittlerin war die byzantinische Prinzessin Theophanu, die Gattin des Kaisers Otto II. Diese Vermittlung zeitigte Folgen im ganzen westlichen Europa, wobei besonders ein dem Hl. Nikolaus zugeschriebenes Wunder gefiel, bei dem er drei von einem habgierigen Herbergsinhaber zerstückelte Kinder wieder zum Leben erweckt haben soll. Das trug ihm den Ruf des Kinderfreundes ein, den er bis heute behalten hat. Langsam bürgerte sich auch, mit vielen regionalen Unterschiedlichkeiten, der Brauch ein, Kindern Geschenke zum Fest des Heiligen zu machen.

Einen gewissen Bruch erfuhrt die Verehrung des Hl. Nikolaus in der Reformation, da Luther die exzessive Heiligenverehrung seiner Zeit ablehnte. Folglich wurde in den protestantischen Gebieten das Nikolausfest abgeschafft und dafür das Christkind in die Rolle des gabenbringenden Kinderfreundes eingesetzt. Damit einher ging die Verlegung des besonders von den Kindern geschätzten Festes auf den Weihnachtstag.

Bis hierhin ist alles relativ klar. Das änderte sich, als die Holländer Neu-Amsterdam gründeten und natürlich in die Neue Welt ihre Gebräuche und Gewohnheiten mitnahmen. Zu denen gehörte auch die Vorstellung des Hl. Niklaus, der bei ihnen Sinterklaas hiess. Die Bewohner von Neu-Amsterdam blieben bei ihren Traditionen, als die Engländer ihre Stadt an sich brachten und in New York umtauften.

Daran änderte sich auch nichts, nachdem die ehemals englischen Kolonien in Nordamerika als USA eine eigene staatliche Existenz begannen. Bald wurde aus Sinterklaas über Sante Klaas, St. A. Claus schließlich Santa Claus. Er nahm allmählich Konturen an, wurde sogar bildlich dargestellt in  einer Weise, die auch heutigen Betrachtern das Wiedererkennen ermöglicht. Während die Popularität von Santa Claus jenseits des Atlantiks stieg, blieb es in Frankreich vergleichsweise ruhig um den rot gekleideten bärtigen Mann.

Ein erster Schub setzte mit dem Ersten Weltkrieg ein, als rund zwei Millionen amerikanische Soldaten neben vielen anderen Dingen auch ihre Vorstellungen von Santa Claus mitbrachten.

Der Durchbruch in Frankreich vollzog sich allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Seither ist Père Noël fest im französische Brauchtum verankert. Allerdings ist der französische Weihnachtsmann international nicht einsatzfähig. Er hat nämlich die Angewohnheit, seinen Weg in die Häuser durch den Schornstein zu nehmen, und dazu braucht es einerseits besondere physische Fähigkeiten und andererseits weihnachts-manntaugliche Schornsteine.

Welche Rolle Père Noël in der Vorstellungswelt der französischen Kinder spielt, lässt sich an den Briefen ablesen, die ihm geschrieben werden. Seit 1962 ist beim Postamt in Libourne ein Dienst eingerichtet, der sich um die Beantwortung alles dessen kümmert, was per Post an den Weihnachtsmann adressiert ist. 2007 waren es 1.430.000 Briefe, die so beantwortet wurden und, die Zeiten wandeln sich, 181.200 eMails.

Lange überfällig erschien 1993 auch die erste französische Briefmarke zu Ehren des Père Noël. (siehe oben)

 

Auch ein so gütiger Mann hat nicht nur Freunde. So wird mit boshafter Absicht mancherorts erzählt, der Weihnachtsmann sei eine kapitalistische amerikanische Erfindung, hinter der zu allem Überfluss Coca Cola stecke. Hier kann beruhigt werden. Das Berufsbild des Weihnachtsmannes war schon lange vor Coca Cola definiert. Außerdem kann man nicht um alles Bögen machen, was irgendwann in einer Coca-Cola-Reklame verwendet wurde.

 

Für weitere Informationen:

Mit Genuss zu lesen, die liebevoll und kenntnisreich gemachte Internet-Seite:

http://pagesperso-orange.fr/oncle.dom/histoire/pere_noel/histoire.htm

 

Für Kurzinformationen ausreichend:

http://fr.wikipedia.org/wiki/P%C3%A8re_No%C3%ABl

 

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