Elektrisch nach Euronat

Ein anderes Gefühl des Reisens –

Fahrt mit einem Elektrofahrzeug nach Euronat

Anreise

Seit mehr als 30 Jahren verbringen wir unsere Urlaube in Euronat, zunächst als Camper und Mieter seit 1989 als Besitzer eines Perigords. Wenn immer möglich versuchen wir es 2x jährlich mit den beruflichen Gegebenheiten zu vereinbaren, unsere wertvollen freien Tage hier verbringen zu können. Um unsere Ferienzeit so effektiv wie möglich zu nutzen haben wir unsere An- und Abfahrt zumeist ohne Unterbrechung „in einem Rutsch“ gestaltet und die knapp 1.100 km von Mainz nach Euronat in durchschnittlich 11 Stunden (inkl. Fähre) mit nur kurzen Unterbrechungen praktisch ausschließlich auf Autobahnstrecken geschafft.

Unser letztes Auto war ein Hybridmodell, das rein elektrisches Fahren auf sehr begrenzten Strecken ermöglichte. So trugen wir uns schon längere Zeit mit der Idee auf reine Elektromobilität umzusteigen, was in unserem Alltag problemlos realisierbar ist - wenn da nicht diese lange Strecke nach Euronat und die große Reichweitenangst gewesen wäre. Nach langem Abwägen haben wir uns schließlich doch für den Kauf eines Elektroautos entschieden und so konnten wir 1 Woche vor unserem Urlaub das neue Fahrzeug in Empfang nehmen. In dieser kurzen Zeit blieb kaum Zeit sich an das tatsächlich doch deutlich andere Fahren zu gewöhnen und so starteten wir mit etwas Bange unseren Trip. Wir hatten uns zuvor unzählige Male auf den Karten die Standorte der Ladestationen angeschaut und verschiedene Alternativrouten überlegt und hatten schließlich das Gefühl gut vorbereitet zu sein, aber wer weiß schon wie es wirklich sein wird?

Und dann ging es los! Der erste Zwischenstopp war in Maizieres les metz bei Metz geplant und bis dahin verlief die Fahrt bei jeweils erlaubter Maximalgeschwindigkeit auch vollkommen unproblematisch und der Akku verfügte noch über einen erheblichen Ladestand. Die schnellen Ladestationen für unser Auto befinden sich hier in Autobahnnähe in einem Gewerbegebiet direkt beim Leclerc und wir stellten erfreut fest, dass auch für andere Elektrofahrzeuge direkt vor dem Haupteingang weitere Ladestationen kostenlos genutzt werden können. Hierzu bedarf es lediglich einer „Leclerc Karte“, die dann das Laden ermöglicht. Wir haben uns im Einkaufszentrum kurz umgesehen, einen Kaffee getrunken, ein Eis genossen und nach 40 Minuten ging es dann weiter Richtung Paris, wo wir in dem Vorort Collégien eine Übernachtung gebucht hatten.

Die Autobahn war wie üblich kaum befahren, mit dem Tempomat auf 130 km/h ist ein schnelles Vorankommen möglich, aber es geht Berg hoch und runter und das kostet viel Akkuladung. Der Bordcomputer meldete es könnte bin Collégien nicht ganz reichen und so überlegten wir die Geschwindigkeit zu drosseln oder noch einen weiteren Zwischenstopp einzulegen. Wir entschieden uns für die letztere Variante und halten in Reims, wo sich die schnellen Ladestationen erfreulicherweise direkt an der Raststätte Aire de Reims-Champagne-Sud auf der Autobahn befinden. Hier „tankten“ wir ganz kurz nach und es reichte in der 15-minütigen Haltezeit gerade für den kurzen Gang zur Toilette.

Bis Collégien klappte alles Weitere vollkommen reibungslos. Wir erreichten die Ladestation, die sich auf dem Gelände eines sehr gepflegten Novotels befinden mit 15% Restakku, hängen unser Auto an das Ladekabel und gehen in ein nahes Restaurant zum Abendessen. Noch während wir unser Diner genießen meldete uns die Fahrzeug App auf unserem Smartphone, dass der Akku nun vollständig geladen ist.

Am nächsten Morgen setzten wir unsere Fahrt fort und als nächste Ladestation war Tours geplant. Die Autobahn war an diesem Tage sehr frequentiert was eine deutlich geringere Reisegeschwindigkeit erlaubte, was aber wiederum mit einem geringeren Akkuverbrauch einherging. So erreichen wir Tours mit einer höheren Restkapazität als kalkuliert. Wir staunen über die imposante Location wo wir unser Auto aufladen können, die Ladestationen befinden sich am Arthotel, einem prachtvollen Schloss in einer tollen Park/Waldanlage. Wir überlegen ob wir uns dort einen Kaffee gönnen fuhren dann aber doch ohne diesen Genuss nach 40 Minuten weiter. Der Akku würde nun voraussichtlich bis Euronat ausreichen, aber es gibt in und um Euronat herum weit und breit keine schnelle Ladestation, daher entschließen wir uns einen letzten Stopp in Saintes einzulegen, um hier ein letztes Mal aufzuladen, um dann für die ersten Tage in Euronat die Lage vor Ort besser einschätzen zu können.

Wir sind erneut begeistert über den Standort der dortigen Ladestationen, im Park des Hotels Relais du Bois Saint Georges befinden sich zahlreiche Stationen, wo auch parallel mit uns einige anderen Elektrowagen im Schatten der Bäume nachgeladen wurden. Auch hier treffen wir ausschließlich auf sehr nettes Hotelpersonal, die sogar unserem mitreisenden Vierbeiner frisches Wasser anbieten.

Erstes Fazit als wir Euronat erreichen: viel zu viele Gedanken gemacht was passieren könnte, die Reichweitenangst ist absolut unbegründet und die Stopps haben eine ganz andere Qualität als auf den üblichen Rastplätzen.

 

In Euronat

 

Während unseres Aufenthalts in Euronat identifizieren wir immerhin 4 weitere Elektrofahrzeuge, die ihre Fahrzeuge entweder an der haushaltsüblichen Schuko Steckdose aufladen oder sich bereits eine eigene Ladestation am Haus haben montieren lassen (siehe Foto)

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Wir selbst laden unser Auto während unseres Aufenthalts auch zweimal an der Schuko Steckdose auf, was vollkommen unproblematisch klappt aber natürlich deutlich mehr Zeit erfordert. Da wir aber ohnehin, wenn immer möglich das Fahrrad nutzen schränkte uns das in keiner Weise ein.

Wer auswärts laden möchte findet in Soulac sogar 3 Standorte (L’Amelie, Place de la Baleine und Rathaus) mit insgesamt 6 Lademöglichkeiten, die kostenpflichtig sind und von der Gesellschaft MobVie unterhalten werden. Hierzu bedarf es einem Batch, der mit dem Abschluss eines Jahresabonnements (Kosten 18 €) erworben werden kann, aber auch die Zahlung ohne Abonnement ist mittels Kreditkarte möglich, allerdings sind dann die Ladekosten geringfügig höher.

Daher können wir die ganz neu eröffnete Ladestation beim ALDI in Montalivet empfehlen, die während der Ladeöffnungszeiten unbegrenzt kostenlos genutzt werden kann, auch wenn man kein ALDI Kunde ist. Hierzu bedarf es lediglich einer Anmeldung beim Personal im Laden, die die Station freischalten, was in unserem Falle sehr entgegenkommend und schnell erfolgte (siehe Foto).


 

Heimreise

Unsere Fahrt nach Hause nach 3-wöchigem Aufenthalt wollten wir nun auch erstmalig mit einer Übernachtung auf halber Strecke und unter weitgehender Nutzung der Nationalstraßen einmal anders gestalten, vor allem um andere Gegenden Frankreichs kennen zu lernen. So planten wir eine Hotelübernachtung in Auxerre ein und nahmen nicht die erste Fähre am frühen Morgen sondern erreichten Royan erst um 12 Uhr.

Unser erster Ladestopp erfolgte dann in Poitiers direkt am Futuroscope, wo ebenfalls an einem Novotel die Ladestationen etabliert wurden. Nach ca. 35 Minuten Ladezeit und einigen Gesprächen mit anderen Besitzern von Elektroautos ging es weiter (immer noch auf der A 10), um in Orleans einen weiteren Stopp zur Sicherheit durchzuführen, denn danach sollte es auf der Nationalstraße nach Auxerre ohne weitere Pause weitergehen.

Diesmal befanden sich die Ladestationen an einem Ibis Hotel, von wo aus wir nach einer Kaffeepause frisch gestärkt weiterfuhren.

 

Anschließend haben wir das Fahren in für uns unbekannte Gefilde bis nach Auxerre sehr genossen! Wir kamen recht zügig voran, die Eindrücke der verschiedenen Landschaften und Orte haben uns sehr gefallen, der Stromverbrauch war auf Grund der reduzierten Geschwindigkeit hoch signifikant geringer und schließlich erreichten wir noch mit beachtlicher Akkuladung unser Hotel Normandie*** in Auxerre erreicht (siehe Foto oben) .

 

Dieses Hotel bietet als besonderen Service kostenlose Aufladungen für Elektrofahrzeuge, was wir selbstverständlich gern in Anspruch genommen haben (siehe Foto) um am nächsten Morgen mit voller Akkuladung starten zu können. Auch ansonsten können wir dieses Hotel uneingeschränkt empfehlen, das Personal beeindruckt durch eine tolle Servicebereitschaft und Freundlichkeit, das Haus entspricht typischen 3 Sternen Standard und ist auch preislich in Ordnung. Die Buchung sollte besser telefonisch erfolgen da auf den üblichen Internetseiten nur bedingte Kapazitäten angeboten werden.

Die Reichweite bis Metz am nächsten Tag wäre unproblematisch möglich gewesen, aber wir wollten auch so viele andere Lademöglichkeiten wir möglich kennenlernen und so nahmen wir einen kleinen Umweg nach Nancy in Kauf, um die dortige Ladestationen aufzusuchen. Erneut landeten wir an einem Ibis Hotel ganz nahe der Autobahn, wo wir aber nur einen kurzen Stopp einlegten, da in Kaiserslautern der letzte Aufenthalt geplant war. So haben wir die sensationelle Sonnenterrasse des Ibis Hotels zum Einkehren nicht genutzt, da wir bereits nach ca. 20 Minuten unsere Reise fortsetzen.

Kaiserslautern erreichten wir ebenfalls nach Plan, die Ladestationen befinden sich hier ganz nah an der Autobahn in direkter Nachbarschaft des  sehr idyllisch gelegenen 4 Sterne Hotels „Barbarossahof“ inmitten des Pfälzer Waldes. Hier verbrachten wir eine gemütliche Kaffeepause und stellten bei dieser Gelegenheit fest, wie entspannt die gesamte Rückfahrt doch verlaufen war, waren dann erstaunt wie schnell unser Auto schon wieder geladen war und so nahmen wir die letzten Kilometer nach Hause bestens erholt in Angriff.

Zusammenfassung unser Erfahrungen

Elektrisch zu fahren bietet eine völlig neue Erlebniswelt, wir empfinden dies sowohl unter ökologischen Aspekten als auch unter Aspekten der Reisequalität als deutlichen Fortschritt. Die Stromkosten für 2.500 km Autofahren beliefen sich in unserem Fall auf praktisch 0 €, einmal abgesehen von einer Aufladung an unserem Haus. Das hängt natürlich von dem jeweiligen Vertrag mit dem Autohersteller ab aber unserer Kenntnis nach sind diese Verträge immer noch möglich. Die Reichweitenangst ist vollkommen unbegründet, vor allem in Frankreich gibt es zum jetzigen Zeitpunkt flächendeckend deutlich mehr Ladestationen als in Deutschland. Aber auch hierzulande gibt es immer mehr Anlaufstationen. So bieten in unserer direkten Mainzer Umgebung der Globus Markt in Bischhofsheim als auch Möbel Martin in Mainz-Hechtsheim kostenlose Ladeoptionen, ALDI und IKEA planen auch für Deutschland in naher Zukunft eine deutliche Erweiterung ihrer kostenlosen Ladestationen ähnlich wie in Montalivet.

Einfache Strecken bis 300 km können ohne jede Einschränkung wie mit einem „ganz normalen Auto“ zurückgelegt werden und wer sich zu Hause eine eigene Ladestation montieren lässt kann jeden Morgen mit einem vollen Akku seine täglichen Fahrten gestalten.

Der (geringfügige) Zeitverlust auf längeren Strecken wird bei weitem durch qualitativ besseres Fahren sowie durch sehr angenehme Erholungspausen abseits der üblichen Tank- und Raststätten an der Autobahn kompensiert.

Sollten sich Leser ebenfalls mit dem Gedanken der Elektromobilität tragen können wir dies voller Begeisterung nur empfehlen!

                                                                                      (D. Lapsit 2017)