Elefantenhochburg Soulac

Heutzutage gilt das Médoc, und in Sonderheit der nördlichste Zipfel, als zuverlässig elefantenfrei. Das war  nicht immer so, wobei man allerdings den Blick auf geologisch relevante Zeitabläufe richten muss. Dann schrumpft die historisch mehr oder weniger exakt fassbare Zeit der Menschheitsgeschichte zu einer winzigen Episode, die deutlich überlagert wird von den Epochen und Zeitaltern, die von der Erdgeschichte diktiert worden sind. Wenn man sich auf diese Perspektive einlässt, dann fällt schnell auf, dass die vermeintlich stabile Welt, in der die kurzlebigen Menschen sich einrichten, alles andere als beständig ist, denn in der Erdgeschichte ist eigentlich der Wandel das Konstante. Das gilt auch für das Klima, das im Laufe der Erdgeschichte sich eigentlich nie konstant gab, sondern in beständigem Wechsel von Warm- zu Kaltzeiten und umgekehrt war.

In einer Zeit der tropischen Wärme im Bereich des  Médoc kommen dann auch Elefanten vor. Sie sind, soweit sich heute sagen lässt, die frühesten großen Säugetiere, die sich in und um das heutige Soulac nachweisen lassen. Der Nachweis gelingt deswegen, weil sich von Elefanten stammende Skelettreste im Jahre 1994 in dem Strandbereich La Balise bei Soulac gefunden haben. Das nicht vollständig erhaltene Knochengrüst stammt von einem männlichen Tier, das im Alter von etwa zehn Jahren starb. Es gehörte der Gattung Palaeoloxodon antiquus an und gilt als Vorfahre des heutigen afrikanischen Elefanten. Trotz seines jugendlichen Alters war der Elefant ein kapitaler Brocken von rund 3,50 m Schulterhöhe. Er hat vor rund 120.000 Jahren gelebt, als das Klima in den Breiten des heutigen Médoc Lebensbedingungen bot, die ein großer Pflanzenfresser braucht. Das, was von diesem Dickhäuter erhalten ist, ist in dem kleinen, aber feinen Museum von Soulac zu besichtigen, das, soweit wir bis jetzt wissen, bei den meisten deutschen Médocliebhabern zu den unbekannten Zonen gehört. Schade, und dringend änderungsbedürftig, zumal das Museum eine Fülle hoch interessanter  Exponate bietet, die durch geschickt aufbereitete Texthilfen auch für Deutsche mit geringen Französischkenntnissen einen guten Zugang zu den ausgestellten Objekten bietet.

(vgl. Cl. Busselini, Les éléphants de Soulac, in: L’estuarien, no. 35. jan. 2011, p. 6)