Erosion

Das Médoc ist wie alles auf dieser Welt in fortwährendem Wandel begriffen, der sich nicht immer auf den ersten Blick offenbart, aber dennoch das Äußere dieser Region nachhaltig bestimmt. Zu den auffälligsten Phänomen gehört dabei die Erosion, die dazu führt, dass die Küstenlinie sich kontinuierlich verlagert. Wir wollen diese Entwicklung für die letzten Jahrzehnte für drei Abschnitte der nördlichen Médocküste nachzeichnen und zwar für Montalivet, Euronat und Soulac.

Zuvor werfen wir aber einen Blick auf eine Karte, die zwar schon etwas älter ist, aber gut und übersichtlich zeigt, wie sich die Küstenlinien verändert haben.


Die Karte, die vielfach nachgedruckt wurde, zeigt den Zustand des Médoc vor dem Erdbeben von 580 n. Chr. Der aktuelle Küstenverlauf ist als rote Linie eingezeichnet. Um 580 gehört das Plateau von Cordouan noch zum Festland, und die Küstenlinie an der Ozeanseite verläuft deutlich weiter westlich als heutzutage. An der Girondeseite ist die Küste noch sehr zerklüftet. Sie wird erst mit den Eindeichungen im Rahmen der Trockenlegungen im 16. und 17. Jahrhundert begradigt und geschlossen. Weiter fällt auf, dass der Dünenwall im Westen noch nicht vorhanden ist. Folglich können mehrere kleine Flüsse ihr Wasser noch direkt in den Atlantik abführen.

Erdgeschichtlich sind die rund eineinhalb Jahrtausende, die die Karte darstellt, eine winzige Zeitspane, und wir wollen in der Folge aus dieser Spanne nur einen kleinen Ausschnitt von ein paar Jahrzehnten beleuchten, was aber den Vorteil hat, dass so der Prozess der Erosion erfahrbar gemacht wird.


1. Montalivet

Der Strand von Montalivet hat im Winter 2013/2014 besonders unter den Kräften der Erosion gelitten. Wir zeigen zunächst Bilder, die eine Vorstellung von den Kräften vermitteln, die in diesem Winter der Dünenkante zugesetzt haben.


1. Juli 2012: Die inzwischen verschwundene Betontreppe, die zum Hauptstrand herunterführte


13. Oktober 2013: Dieselbe Treppe aus anderer Blickrichtung


9. Sept. 2012: Das so nicht mehr existierende untere Ende des Parkplatzes vor der Betontreppe


Am 2. März 2014 : Die Betontreppe ist schon zerstört, aber die Kräfte des Ozeans setzen ihr Werk noch fort.



4. März 2014: Oben auf dem Parklatz sind hastig herbeigeschaffte große sandgefüllte Plastiksäcke aufgestellt worden, um weitere Schäden zu verhindern.


9. März 2014: Bei Sonnenlicht werden die Schäden noch sichtbarer

Auf älteren Postkarten ist die Welt am Hauptstrand von Montalivet noch in Ordnung. Die rote Linie zeigt den  Küstenverlauf  im Sommer 2016. Der größte Teil der inzwischen zurückgedrängten Dünenkante ist im Winter 2013/2014  verloren gegangen.





Aufnahme etwa 1960


Aufnahme Mitte der 60er Jahre


Ausschnitt aus der vorhergehenden Postkarte. Die rote Linie zeigt den Verlauf der Dünenkante im Sommer 2016.


Der Parkplatz am unteren Ende der Avenue de l'Océan mit der noch intakten Betontreppe. Aufnahme ebenfalls aus der Mitte der 60er Jahre.


Aufnahme ebenfalls aus der Mitte der 60er Jahre. Auch hier zeigt die rote Linie den Verlauf der Dünenkante Mitte 2016.


Eine Geoportail-Aufnahme von 2015 oder 2016, die zeigt, wieviel von der Dünenkante verschwunden ist.

2. Euronat

Am Euronatstrand kann man die Auswrkungen der Erosion anhand der Lage der Bunker und anhand der ehemaligen Verbindungsstraße für die Bunker gut einschätzen.



Eine Aufnahme, die Anfag dre 80erJahre geamcht wurde. Sie zeigt die großen Bunker der nördlichen Bunkergruppe, die 1942 und 1943 oben auf der Dünenkante errichtet worden waren, um vor dort aus den Strand zu beherrschen. Die Bunker sind abgerutscht, liegen aber noch nicht ganz unten auf dem Strand.


Aufnahme etwa aus derselben Zeit. Zu sehen sind die Bunker der südlichen Zweiergruppe.


Auch diese Aufnahme zeigt die Strandsituation Anfang der 1980er Jahre. Interessant und aufschlussreich ist der Verlauf der hier noch gut zu erkennenden Verbindungsstraße, die einst zur Versorgung der Bunker angelegt worden war. Sie verlief ursprünglich nicht direkt an den Bunkern vorbei, sondern einige Meter dahinter. Auf der Aufnahme sieht man im rechten unteren Teil diese Verbindungsstraße, die nach der Überquerung der Euronat-Hauptachse mit dem Abgang zum Hauptstrand sich erst links zur Bildmitte hin erstreckt und dahinter mit Biegungen nach Le Gurp führt. In dem Teil der Aufnahme, in dem sich Verbindungsstraße der Dünenkante am weitesten annähert, ist die Betonpiste inzwischen vollständig abgestürzt.


Diese Draufsicht zeigt im unteren Teil die Euronat-Hauptachse und, relativ nah an der Dünenkante, einen Teil der ehemaligen Verbindungsstraße. Die bricht unvermittelt ab, weil sie erst von dem Sand einer Düne zugedekct wurde, dahinter abe bald ganz vrschwunden ist, weil sie zusammen mit der zurückweichenden Dünenkante abgestürzt ist und mittlerweile in Plattenfragmenten unten auf dem Strand liegt.



Reste der Verbindungsstraße nach dem Absturz von der Dünenkante.



Draufsicht der Bunker etwa 2015 oder 2016



Die Bunker auf dem Nordstrand von Euronat im März 2015. Im Vergleich mit dem ersten Bild der Euronat-Serie kann man den Abstand abschätzen, der mittlerweile zwischen dem Fuß der Düne und den Bunkern besteht. Dabei ist am Euronatstrand die Erosion vergleichweise gnädig gewesen. Ein erheblicher Teil dürfte dabei auf das Konto der Dünenschutzmaßnahmen gehen, die die Firma Euronat alljährlich durchführt. Die dafür eingerammten massiven Pfahlreihen sieht am z. B. auf dem oben gezeigten Foto und auch auf der Draufsicht ein Bild höher.

3. Soulac


In Soulac lassen sich die Folgen der Erosion besonders deutlich sehen im Bereich des Attarementhausew Le Signal, dfas heir in der echten unteren Ecke der Luftaufnahme zu sehen. Aufnahme kurz vor 1970. Die rote Lnie zeigt hier wie bei den anderen Aufnahmen den ungefähren Verlauf der Dünenkante im Jahr 2016.


Ein paar Jahre später, ca 1990-1995 ist ein großer Tel des einst vor dem Appartementhaus gelegenen Dünenstreifens bereits verschwunden.


Le Signal etwa Mitte 2014


Aufnahme entlang der aktuellen Dünenkante, Juni 2016. Das Bild zeigt aus der Nähe, wie dramatisch und gefährlich die Situation des Gebäudes mittlerweile ist. Le Signal ist inzwischen gesperrt. Es darf nicht mehr betreten werden. Die Besitzer versuchen, eine Entschädigung zu erstreiten. Ausgang Anfang 2017 noch unsicher.


Ein Stück weiter südlich kann man an den inzwischen weit vor der Dünenkante liegenden Bunkern sehen, wieviel Sand das Meer weggetragen hat.


Ein Bunker wenige hundert Meter entfernt von Le Signal. Dieser Bunker lag bis Ende 214 noch oben auf der Düne, ähnlich weit von der Dünenkante entfernt wie Le Signal. Zum Zeitpunkt der Errichtung war dieser Bunker etwa soweit von der Dünenkante entfernt wie einst Le Signal.

Die Befunde, die wir zusammengestellt haben, lassen sich mit ähnlichen Ergebnissen auf die gesamte Médoc-Küste übetragen, wobei es allerdings lokale Unterschiede gibt hinsichtlich der Zurückdrängung der Dünenkante.