Alkoholteströhrchen in Frankreich

Uns erreichen immer wieder Fragen zu den ab 1. Juli 2012 in Frankreich vorgeschriebenen Alkoholteströhrchen. Wundert uns ein wenig, weil wir in den letzten Monaten drei Berichte dazu in den Médoc-Notizen hatten.

Wir klinken die der Einfachheit halber einfach nochmals ein. Der jüngste Bericht steht oben, der älteste unten.

(UM, 22. Januar 2013)

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Akoholteströhrchen

Wie schon berichtet ist der 1. März 2013 der neue Stichtag, von dem an Alkoholteströhrchen für Kraftfahrer in Frankreich verbindlich vorgeschrieben sind. Danach werden 11 Euro fällig, wenn man bei einer Kontrolle kein Teströhrchen vorweisen kann. In der Vergangenheit zu hörende Gerüchte, nach denen die Pflicht zur Mitführung der nicht unumstrittenen Teströhrchen ganz aufgehoben werden sollte, haben sich nicht bestätigt.

Mehr:http://www.service-public.fr/actualites/002384.html

(UM, 22. Jan. 2013)

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Alcotest

Ab 1. Juli 2012 müssen in Frankreich alle Autofahrer und fast alle Zweiradfahrer ein für wenig Geld erhältliches Testgerät mitführen, mit dessen Hilfe sie bei Bedarf feststellen können, ob ihr Alkoholspiegel noch oder schon nicht mehr im Bereich des Zulässigen liegt. Die Grenze der vom Gesetzgeber definierten Fahruntüchtigkeit liegt in Frankreich, genauso wie in Deutschland, bei 0,5 Promille, was jedoch nicht als Freibrief verstanden werden darf. Bei Unfällen können schon Werte unterhalb der 0,5 Promille zu schwerwiegenden Folgen bei der Ermittlung der Unfallschuld führen.

Die Teströhrchen, die ab 1. Juli mitzuführen sind, müssen von allen Verkehrsteilnehmern, einerlei welcher Nationalität und Herkunft sie sind, vorgehalten werden. Es ist zwar eine Art Schonfrist bis zum 1. November 2012 vorgesehen, in der es noch nichts kostet, wenn man die besagten Röhrchen nicht dabei hat, aber es wird eine Ermahnung und Belehrung geben, die vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Nach dem 1. November 2012 wird man mit 11 Euro zur Kasse gebeten, wenn man die vorgeschriebenen Testgeräte nicht vorweisen kann.

Die Teströhrchen zeigen erst dann halbwegs sichere Ergebnisse, wenn zwischen dem Genuss des letzten Schlucks Alkohol und der Benutzung des Teströhrchens mindestens 30 Minuten liegen. Wenn diese Frist nicht eingehalten wird, kann der vorschnell ermittelte Alkoholwert deutlich besser sein als der bei einer späteren Blutprobe ermittelte, und das ist zumeist nicht gut für den Betroffenen.

Es ist in den vergangenen Monaten viel Tinte wegen der Alkoholteströhrchen vergossen worden, leider nicht immer mit Verstand. In Frankreich spielt immer noch bei 31% der tödlichen Verkehrsunfälle der Alkohol eine bestimmende Rolle. In England sind es 17% und in Deutschland 10%. Die Statistiker haben ausgerechnet, dass es im Jahre 2010 in Frankreich 1150 Verkehrstote weniger gegeben hätte, wenn die 0,5 Promille-Grenze von allen Autofahrern eingehalten worden wäre. Dass Autofahrer erst unter Druck dazu gebracht werden, vermeidbare Risiken im Verkehr nicht einzugehen, zeigen übrigens auch die seit Einführung der massiven Radarkontrollen deutlich zurückgegangenen Unfallzahlen im Zusammenhang mit überhöhter Geschwindigkeit. Kein Ruhmesblatt für die motorisierten Verkehrsteilnehmer, aber ein Ansatz zum  Nachdenken.

(A.Négroni: Éthylotest obligatoire : le mode d'emploi, in : Le Figaro. 02.03.2012/ UM, 2. Juni 2012)

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alcootest, éthylotest, éthylomètre

Autofahrer, die darauf aus sind, möglichst nichts falsch zu machen, haben auch in Frankreich auf eine Menge Dinge zu achten. Ab 1. Juli 2012 haben sie eine weitere Sache, die sie zwecks Kostenminderung nicht vergessen dürfen. Ab diesem Datum ist in Frankreich nämlich das Mitführen eines kleinen Geräts verpflichtend, das man je nach Stimmung und Temperament éthylotest, éthylomètre oder alcootest nennen kann. Damit lässt sich, sachgerechter Gebrauch vorausgesetzt, der Alkoholgehalt in der Atemluft messen. Aus diesem Tatbestand ergibt sich die Möglichkeit, festzustellen, ob der gemessene Wert noch zulässig ist oder nicht. Während der erste Fall unproblematisch ist, stellt sich beim zweiten dem Betroffenen die knifflige Frage, ob er seinen Weg zu Fuß fortsetzt oder ob er, im Wissen darum, dass er eigentlich zu Fuss gehen sollte, doch losfährt, dann aber weiß, dass er besonders darauf achten muss, dass er nicht erwischt wird.

Eigentlich sollen die Teströhrchen aber dafür sorgen, dass der in Frankreich immer noch hohe Anteil von Unfällen, bei denen Alkohol eine Rolle spielt, reduziert wird. In Frankreich ist bei 31% der tödlichen Verkehrsunfälle Alkohol im Spiel, in Großbritannien bei 17% und in Deutschland bei 10%.

Die Vorschrift, ein unbenutztes Alkoholteströhrchen mitzuführen, gilt für alle Autofahrer in Frankreich ab 1. Juli 2012. Nach einer viermonatigen Einführungsphase werden ab 1. November Bußgelder von 11 Euro verhängt, wenn kein Teströhrchen an Bord ist. Obwohl auch dies eine der ansonsten wenig beliebten staatlich verordneten Reglementierungen darstellt, sind die Automobilclubs einhellig dafür. Wenn man auf die Statistik schaut, eigentlich vernünftig. Die Röhrchen werden zu Preisen zwischen 1 Euro und 1,50 Euro angeboten, sie sind zwei Jahre lang verwendungsfähig, dann allerdings nur einmal.

(Soufflez avant de prendre le volant, in : SUD OUEST, 2. März 2012)

 

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Straßenverkehr

In einem von Präsident Sarkozy einberufenen Sitzung des französischen Ministerrats vom 4. Januar 2012 wurde unter anderem zur Sicherheit im Straßenverkehr eine Reihe von Beschlüssen gefasst oder bekannt gemacht. Nach der Feststellung, dass die in den letzen Jahren getroffenen Maßnahmen zu einer Reduzierung der Opfer im Straßenverkehr geführt haben, wurde die vorläufige Zahl der Verkehrstoten im Jahre 2011 mit 3.959 angegeben und betont, diese Zahl sei immer noch zu hoch und solle auf einen Wert unter 3.000 gebracht werden. Um dieses Ziel zu erreichen sei es erforderlich vor allem die Faktoren im Straßenverkehr in den Blick zu nehmen, die sich als besonders unfallträchtig erwiesen hätten. Daher müsste weiter daran gearbeitet werden, die Problematik der Geschwindigkeitsüberschreitungen in den Griff zu bekommen. Dazu sollen weitere Radargeräte aufgestellt werden. Weiterhin hätten sich die von den Präfekturen angeordneten Stilllegungen der Fahrzeuge von rücksichtslosen Verkehrsteilnehmern bewährt, ebenso wie die Maßnahmen zur Eindämmung des Alkoholmissbrauchs. Dafür werde an der  für das Frühjahr 2012 geplanten Einführung von Alkoholteströhrchen, die danach in allen Kraftfahrzeugen mitgeführt werden müssen, festgehalten. Nach dem 5. Januar 2012 sei es verboten, in Kraftfahrzeugen Geräte zu benutzen, die vor Radarkontrollen warnen könnten.

(In: CONSEIL DES MINISTRES, du 4 JANVIER 2012, Communiqué de presse)

http://www.elysee.fr/president/les-actualites/conseil-des-ministres/comptes-rendus/2011/compte-rendu-du-conseil-des-ministres-du-mercredi.12700.html