Basilika Notre-Dame-de-la-Fin-des-Terres in Soulac

Die Basilika Notre-Dame-de-la-Fin-des-Terres in Soulac, eine Kirche mit bewegter Vergangenheit


 

Die Kirche Notre Dame de la Fin des Terres in Soulac hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Der heutige Bau steht an einer Stelle, an der schon in frühchristlicher Zeit eine Kapelle gestanden haben soll, die der Legende nach von der Hl. Veronika und ihrem Mann Zachäus gestiftet worden sein soll, unmittelbar nachdem sie zusammen mit dem Hl. Martial im 1. Jahrhundert n. Chr. in das Médoc gekommen sein sollen, um diese Region zu christianisieren. Von diesem frühesten Bau sind keine nachweisbaren Überreste vorhanden. Erste quellenmäßig sichere Spuren für ein sakrales Bauwerk in Soulac sind aus den Jahren 1035 und 1079 erhalten, für die das Bestehen eines Prioriats bezeugt ist, das der Abtei Sainte-Croix in Bordeaux untergeordnet war.

Der Kirchenbau, der den Kern der heute noch zu bewundernden Basilika in Soulac darstellt, wurde um das Jahr 1100 fertiggestellt. Den architektonischen Vorstellungen der damaligen Zeit entsprechend wurde er im romanischen Stil ausgeführt, wobei sich deutliche Spuren der in der Saintonge und im Poitou ausgebildeten Besonderheiten der Romanik finden. Der ursprüngliche Grundriss hatte die Form eines lateinischen Kreuzes, das seine Form jedoch verloren hat, weil das einst vorhandene Querschiff nicht mehr besteht.

Die Kirche war seit ihrer Entstehung eingebunden in die im Mittelalter stark ausgeprägte Pilgerbewegung zum Grab des Hl. Jakob in Compostella. Soulac war zu dieser Zeit ein florierender Hafenort, in dem viele Pilger aus nördlichen Gefilden  ankamen, die dann ihren Weg zu Lande fortsetzten.

Im 14. Jahrhundert stieg der Grundwasserspiegel um die Kirche herum stark an, so dass der Fußboden um 3,60 m höher gelegt wurde. Gleichzeitig wurden der heutige Eingang an der Westseite eingerichtet und die früheren Zugänge an der Südseite  verschlossen. Die schmucklose Westseite, in der sich heute der Eingang befindet, war anfänglich von Klostergebäuden verdeckt. Reste davon lassen sich nachweisen neben der nördlichen Längsseite, wo Spuren des Kreuzgangs sichtbar sind.

Der heutige Turm ist erst im 16. Jahrhundert bei umfangreichen Umbauarbeiten entstanden, die die Kirche in Folge der Religionskriege zu einer regelrechten Festung umgestaltet haben. Davor befand sich der Turm über der Kreuzung des Querschiffs mit dem Mittelschiff.

Durch die Umbauten wurde  zwar das Aussehen der Kirche nachhaltig verändert, doch blieb die Bestimmung des Kirchengebäudes erhalten. Das änderte sich, als im 18. Jahrhundert die von der Küstenseite herandrängenden Dünen der Stadt und der Basilika schwer zusetzten und die Kirche mehr und mehr von den Sandmassen zugedeckt wurde, so dass sie nicht mehr ihrer Bestimmung gemäß genutzt werden konnte. Die Einwohner von Soulac fügten sich notgedrungen in ihr Schicksal und bauten einen neuen Ort samt Kirche einige hundert Meter weiter landeinwärts, der dann den Namen Le jeune Soulac, das junge Soulac, erhielt. Wenn es nach den damaligen Bewohnern von Soulac gegangen wäre, hätte man wohl den größten Teil der alten Kirche als Steinbruch benutzt, um das Baumaterial für die neue Kirche zu gewinnen, doch wurde aus diesem Vorhaben nichts, weil sich die Handelskammer von Bordeaux einschaltete. Die setzte schließlich durch, dass der noch sichtbare Kirchenüberrest erhalten blieb und weiter als Markierung für die Schiffahrt genutzt werden konnte. So wurde zumindest die Ruine gerettet.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts begann man sich  der alten, nur noch teilweise aus dem Sand herausragenden Kirche zu erinnern. Ab 1860 wurde mit der Ausgrabung der Kirche begonnen, wobei sich der Kardinal Donnet, Erzbischof von Bordeaux,  der sonst wenig zimperlich mit alten Kirchengebäuden verfuhr, als spendierfreudiger Förderer der im Sand versunkenen Basilika erwies. Die Freilegung der Kirche zog sich über einige Jahrzehnte hin, danach folgte eine erst 1910 mit der Fertigstellung der zwei Chorkapellen beiderseits der Apsis abgeschlossene  umfangreiche Renovierung, die erforderlich war, um den durch die Sandmassen arg in Mitleidenschaft gezogenen Kirchenbau wieder herzurichten. Bei diesen Arbeiten wurde zwar nicht der Originalbauzustand der Gründerzeit rekonstruiert, doch wurden die im 16. Jahrhundert, zu Zeiten der Religionskriege, vorgenommenen Baumaßnahmen weitgehend zurückgebaut. Die heutige Kirche hat danach mehr Ähnlichkeit mit dem Ursprungsbau als mit dem Bauzustand zu der Zeit, als der Sand das Gebäude zudeckte, aber es gibt deutliche Unterschiede zu dem ursprünglichen Bau. Die kann man zwar aufzählen, aber es bringt wohl wenig ein. Immerhin ist die Kirche Notre Dame de la Fin des Terres, so wie man sie zu unserer Zeit sieht, 1998 in das Verzeichnis der UNESCO als Weltkulturerbe aufgenommen worden, und das ist sicher gut so.

 

 

Der Grundriss der Basilika 1906 nach den Umbauten und Restaurierungsarbeiten, als deren Ergebnis das heutige Erscheinungsbild der Kirche entstand


Der ursprüngliche Grundriss mit der Form eines lateinischen Kreuzes. Das hier erkennbare Querschiff ist verschwunden, ebenso zwei der einst fünf Absiden. Ebenfalls nicht mehr vorhanden: der einstige Eingang in die Kirche auf der südlichen Fassade (hier die untere Seite.)



So etwa hat die Basilika im Originalzustand ausgesehen. Der Turm sitzt über der Kreuzung von Längs- und Querschiff. Ob Höhe und Fensterzahl- und -form des Turms der Realität entsprechen, kann nicht überprüft werden. Das Querschiff ist hinsichtlich der Lage und Höhe korrekt dargestellt. Lediglich die beiden kleinen seitlichen Absiden sind nicht so ausgefallen, wie sie ursprünglich ausgesehen haben. Sie müssten ebenfalls rund sein. 



Die Kirche nach den Umbauten im 16. Jahrhundert, die während der Religionskriege aus dem Gebäude eine Festung gemacht haben, die mit seiner ursprünglichen Bestimmung wenig im Einklang steht.


Die Ruine der Basilika, nachdem sie vom Sand zugedeckt worden war.  


Zustand um 1790. Im Turm sind Wohnungen eingerichtet worden, angesichts der Tatsache, dass das Gebäude nicht mehr als Kirche fungierte, nicht sehr verwunderlich.


Anfänge der Freilegung, hier Blick auf die Westfassade mit dem heute noch bestehenden Eingang. Aufnahme zwischen 1860 ud 1864. 


Arbeiten im Rahmen der Entsandung.

Auch hier: Freilegung der Kirche


Noch während der Entsandung. Der Kirchturm trägt ein für die Schiffahrt bestimmtes Seezeichen.


Die Basilika im Jahre 1893

Kirchturm immer noch mit Seezeichen. Die Arbeiten an der Kirche sind aber weiter vorangegangen.


Eine interessante Aufnahme, die von dem 1897 verstorbenen Photographen Alphonse Terpereau stammt. Der Turm trägt noch das Seezeichen, die östliche und die nördliche Seite der Basilika sind in dem Zustand vor der Restaurierung zu sehen.

Die Basilika noch während der Freilegung und vor den danach einsetzenden Restaurierungsumbauten. 


Die Basilika nach dem Ersten Weltkrieg und der Errichtung des Kriegerdenkmals. Das Seezeichen vom Turm ist verschwunden. Dafür steht nun auf dem Turm ein Gerüst, das die Glocke der Kirche trägt. Darunter ein großes Zifferblatt.


Blick auf die nördliche Seite der Basilika. Auf den Grundmauern des nördlichen Flügels des einstigen Querschiffs ist die Sakristei errichtet worden. Neben dem Chorraum sind zwei weitere Absiden errichtet worden.


Die Ostfassade der Basilika nach dem Umbauten und den Maßnahmen der Restaurierungsarbeiten.


Die durch den Südwesten Frankreichs verlaufenden Zweige der Jakobswege.

Die Basilika 2012


Die Südseite. Am linken Bildrand der obere Teil des einstigen Haupteinganmgs in die Kirche. Am rechten Bildrand Reste des südlichen Flügels des nicht mehr vorhandenen Querschiffs.

Der obere Teil des heutigen Kirchturms. Von den im oberen Bildteil sichtbaren eisernen Ringen wird erzählt, daran habe man während der Zeit, in der die Kirche im Sand begraben war, Esel und sonstge Tiere angebunden. Hört sich vielleicht gut an, war aber nicht so. Wer hätte und warum einen Esel nach Soulac gelenkt, als dort der Sand alles Leben erstickt hatte? Wahrscheinlicher ist es, dass die Ringe angebracht worden sind, um das Seezeichen zu fixieren.