Fundstelle La Chapelle (Jau-Dignac)

Die archäologische Fundstelle La Chapelle liegt heute etwa 950 m vom Ufer der Gironde entfernt, doch ist anzunehmen, dass bis zur Trockenlegung der Sümpfe, die es bis in das 17. Jahrhundert  hier gab, die Gironde nahe vorbeifloss.

Die Fundstelle wurde zufällig bei landwirtschaftlichen Arbeiten im Jahre 2000 entdeckt. Während des Sommers 2000 wurde eine erste Sondierungs-Grabung durchgeführt, bei der Sarkophage und andere Funde gesichert wurden, die den Schluss zuließen, dass  diese Stelle seit dem 1. Jahrhundert nach Chr. besiedelt worden ist. Bei weiteren Grabungen stellte man fest dass sich vier Besiedlungsphasen von der Antike bis in die Gegenwart unterscheiden ließen.

Im Jahre 2001 wurde auf 3000 m² systematische Grabungen durchgeführt, die näheren Aufschluss über die Geschichte des Ortes lieferte. Die Grabungen wurden mit Unterbrechungen bis 2009 fortgesetzt.


Das Grabungsgelände nach der Freilegung der im Boden erhaltenen Überreste

Die erste Besiedlungsphase begann im 1. Jahrhundert nach Chr., als ein relativ einfacher Tempelbau errichtet wurde, der aus einer quadratischen Cella mit einer umlaufenden Galerie und einem kleinen Vorraum bestand. Genaueres über die Entstehungszeit konnte nicht ermittelt werden, doch wurde festgestellt, dass der Tempel am Ende des 4. Jahrhunderts aufgegeben wurde. Obwohl im Inneren des Gebäudes eine Reihe von Fundstücken geborgen werden konnte, reichten die nicht aus, um festzustellen, welcher Gottheit der Bau geweiht war.

Nach einer Unterbrechung der Besiedlung wurden erst wieder für die Merowingerzeit Funde gesichert, die zu einer Begräbnisstätte gehören. Dabei wurden die Überreste des Tempels zu einer Art Friedhofskapelle umgestaltet, um die herum Beisetzungen vorgenommen wurden. Bis heute konnten  rund fünfzig Gräber nachgewiesen werden, die in mehreren Gruppen angelegt worden waren mit einer generellen Ausrichtung von Nordosten nach Südwesten. Die auffälligste Gruppe von Gräbern wurde im inneren der Kapelle gefunden. Eine zweite größere Gräbergruppe findet sich im westlichen Teil der Begräbnisstätte. Alles in allem ist zu erkennen, dass die Anlage der Grabstätten nicht nach einem einheitlichen Plan erfolgte. Nach Auswertung der Grabungsergebnisse ist anzunehmen, dass diese Begräbnisstätte dazu bestimmt war, Angehörige einer Familie am Ende der Merowingerzeit aufzunehmen. Die Begräbnisstätte wurden bis zur Zerstörung der Kapelle im 11. Jahrhundert genutzt.

Die dritte Phase begann zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert, als, vielleicht zufällig, der Ort wiederentdeckt wurde. Eine neu Kapelle wurde ziemlich genau an der Stelle des Vorgängerbaus errichtet. Allerdings sind die Überreste dieser Bebauung sehr schlecht erhalten, da sie durch spätere landwirtschaftliche Nutzung der Fläche stark gelitten haben. Dennoch konnte festgestellt werden, dass diese Kapelle ein einziges Schiff aufwies, die in einer halbkreisförmigen Apsis endete. Weiterhin haben sich Spuren von zwei Säulen am Eingang erhalten.


Die Zuordnung der Funde zu den verscdiedenen Phasen der Bebauung

Schriftlich Zeugnisse ergeben, dass die Kapelle bis 1737 in gutem Zustand war, dann aber in den 1780er Jahren vernachlässigt wurde. 1787 wurde die Kapelle geschlossen und 1792 verkauft. Um die Kapelle herum wurden bis in diese Zeit hinein Beisetzungen vorgenommen, wobei jedoch die jüngeren am schlechtesten erhalten sind.


Die Aufbereitung der Funde für die für Juni 2016 geplante Öffnung der Fundstelle für den Publikumsverkehr


Die verschiedenen Färbungen verdeutlichen die Zugehörigekit der so gekennzeichneten Teile zu den verschiedenen Besiedlungs- bzw. Nutzungsphasen der Stätte.