Oradour-sur-Glane


Das Massaker von Oradour-sur-Glane am 10. Juni 1944, wenige Tage nach der Landung der Alliierten in der Normandie, kostete 642 Einwohner des kleinen französischen Dorfs das Leben.  Verantwortlich dafür war eine Abteilung einer SS-Panzerdivision unter dem Kommando des  Sturmbannführers Adolf Diekmann, die den Auftrag hatte, gegen Partisanen vorzugehen, die in dem Dorf vermutet wurden.

Die Dorfbewohner wurden auf dem Marktplatz zusammengetrieben, dann wurden die Männer von den Frauen und Kindern getrennt, die in die Kirche getrieben wurden. Die SS-Leute zündeten danach die Kirche an und warfen Handgranaten in den Kirchenraum. Dabei starben 207 Kinder und 254 Frauen. Die rund zweihundert Männer wurden in Garagen und Scheunen gebracht und dort erschossen. Nur sechs Überlebende entkamen dem Massaker.

Von deutscher Seite wurden nach dem Massaker kriegsgerichtliche Ermittlungen eingeleitet, die jedoch ohne Folgen blieben, da Diekmann wenige Tage später, ebenso wie ein großer Teil der Einheit, die das Massaker in Oradour verübt hatte, fiel. Außerdem hatte Hitler eine Untersuchung der Ereignisse in Oradour untersagt.

Erst nach dem Krieg wurden in Frankreich nach umfangreichen Untersuchungen Verfahren gegen die überlebenden Hauptbeteiligten eingeleitet. Dabei konnten nur noch 65 Täter angeklagt werden. Am 13. Februar 1953 verurteilte ein Militärtribunal in Bordeaux 21  SS-Soldaten, von denen 14 aus dem Elsass stammten. 18 Angeklagte erhielten Strafen zwischen acht und zwölf Jahren Zwangsarbeit. Ein Beschuldigter wurde freigesprochen, zwei wurden zum Tode verurteilt. Nach dem Bekanntwerden der Urteile erhob sich im Elsass ein Sturm der Entrüstung, der dazu führte, dass die elsässischen Angehörigen der SS, die in Oradour gewesen waren, amnestiert wurden. Die Urteile gegen die Deutschen wurden in Haftstrafen umgewandelt, auch die Urteile gegen die beiden zum Tode Verurteilten wurden zu lebenslänglichen Haftstrafen gemildert. 1959 wurden auch diese Täter  freigelassen.

Nach der Amnestie für die aus dem Elsass stammenden Angehörigen der SS war man in Oradour fassungslos. Man gab nationale Ehrungen zurück und  untersagte für Jahrzehnte jedem Repräsentanten des französischen Staates, in Oradour in offizieller Funktion aufzutreten. Eine Ausnahme machte man lediglich 1962, als dem Präsidenten de Gaulle ein Besuch gestattet wurde.

In der Bundesrepublik Deutschland wurde niemand wegen der Ereignisse in Oradour vor Gericht gestellt, doch werden seit dem Auftauchen bislang unbekannter Unterlagen seit 2010 Untersuchungen durchgeführt, deren Ergebnisse allerdings noch nicht einzuschätzen sind.

Obwohl ein Zweifel daran, dass in Oradour ein Massaker vorsätzlich geplant und verübt worden ist, nicht bestehen kann, werden auch heute immer noch Versuche unternommen, die Ereignisse umzudeuten, um die SS zu entlasten und die Ereignisse des 10. Juni 1944 als eine Verkettung unglücklicher Umstände darzustellen, für die der französische Widerstand gegen die deutsche Besatzung verantwortlich gemacht wird.

 

Nach dem 10. Juni 1944 wurde der alte Ort Oradour zur Gedenkstätte.


 

Die Ruinen der Gebäude wurden in dem Zustand unmittelbar nach dem Massaker  erhalten. Neben dem zerstörten Ort entstand nach Provisorien ein neues Dorf.


 




 





 

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