Saint Vivien de Médoc - ein Besuch, der sich mehrfach lohnt




Saint Vivien de Médoc ist für viele Besucher der Inbegriff des zwar touristisch nicht unbeeinflussten, dennoch aber in erster Linie dörflich traditionell gebliebenen Wochenmarktes, der an jedem Mittwoch eine große Schar von Besuchern anzieht. Diesem Aspekt von Saint Vivien wollen wir ein erstes Päckchen von Bildern widmen. Danach wollen wir in einer zweiten Bilderserie den Blick lenken auf das, was in Saint Vivien von vielen Besuchern übersehen wird.

 









Vor dem Verkehrsverein. Gut zu wissen, wenn man anderswo partout nicht ins Internet kommt.


So ziemlich alles, was ein Herz zu dieser Jahreszeit begehren kann.



Blumen in großer Auswahl, natürlich gedopt durch Gewächshäuser.





 

Der Ort Saint Vivien besteht seit den Zeiten der Römer. Im 5. Jahrhundert wurde er Saint Vivien de Bégays genannt, Umformung des gallo-römischen  Namens Vivianus de Bégaitz. Begays ist ein gascognischer Ausdruck für den Viguier oder Vigier, der auf das latein. Vicarius zurückgeht und einen Beamten bezeichnet, der als Abgesandter des Prätorianerpräfekten Gerichtsgewalt hatte. Somit erinnert die Bezeichnung Vivarius im Wappen von Saint Vivien an diese Traditionslinie, die einst für den Ort eine herausgehobene Stellung gegenüber den Nachbargemeinden bedeutete.

Die im Ortskern gelegene Kirche geht auf einen Vorgängerbau des 6. Jahrhunderts zurück. Nach schwierigen Zeiten der Barbareneinfälle wurde sie im 12. jahrhundert erweitert und verschönert. Dabei entstand die Apsis im reinsten romanischen Stil, der bis heute nahezu intakt erhalten ist. Anders sieht es mit dem Hauptschiff und dem Turm der Kirche aus, die am Ende des zweiten Weltkriegs bei Bombardements stark beschädigt und danach wiedererrichtet worden sind, wobei man beim Turm eine Lösung wählte, die sich stark von dem Vorgänger unterschied.

Der äußere Figurenschmuck der Apsis ist von besonderem Rang, weshalb diesem Gebäudeteil die meisten der folgenden Bilder gewidmet sind.



So etwa hat die heutige Kirche zur Zeit ihrer Errichtung ausgesehen.


So sah sie aus, bevor sie bei den Kämpfen am Ende des Zweiten Weltkriegs weitgehend durch Bomben zerstört wurde.



Und so sieht sie heute aus. Der Altersunterschied zwischen Apsis, Hauptschiff und Turm ist gut zu sehen.





Blick aus dem Hauptschiff über den Altar in die Apsis.




Relief am Beginn der Apsis auf der linken Seite: Der Erzengel Michael (links) wägt Seelen. Die guten dürfen ins Paradies, die anderen kommen in die Hölle. Auch Erzengel haben Widersacher, hier zwei. Ein Teufel liegt auf dem Boden und stört die Waage, rechts steht gar Satan persönlich, gehörnt und voller schwarzer Absichten.


Das Relief auf der gegenüberliegenden Seite ist vielgestaltig. Es zeigt mancherlei Getier, wobei weniger religiöse Unterweisung geboten wird als auf der gegnüberliegenden Seite.



Außen auf der Apsis, rechts: Herodias tanzt, um ihren Onkel dazu zu bewegen, Johannes den Täufer hinrichten zu lassen.



Hier bekommt Herodias ihren makabren Lohn: den Kopf des Johannes




Figurenschmuck auf der rechten Seite der Apsis, erstes Feld. Der (oder die) Künstler hat bzw, haben mit großer Einfallsgabe und technischem Geschick ihrem Schaffensdrang kaum Fesseln angelegt.



Fortsetzung  ein Feld weiter.



Ein Detail aus dem vorhergehenden Bild.


Ein Wildschweinkopf in der Mitte


Gut zu erkennen, was hier geschieht. Eva greift mit der linken Hand nach dem Apfel vom Baum der Erkenntnis. Adam steht dabei und merkt nichts, die Schlange ist sichtlich erfreut. Neben der hervorragenden Durchführung der Figuren bemerkeneswert die ungezwungene und unverkrampfte Darstellung der Nacktheit, die zur Entstehungszeit dieser Figuren durchaus nicht üblich war.



Noch einmal Eva. Diesmal in der Bildmitte.

Wir haben nur eine Auswahl gezeigt, die Kirche bietet viel mehr. Die Aufnahmen enstanden mit einem relativ starken Teleobjektiv. Um den Figurenschmuck genießen zu können, ist ein Fernglas anzuraten.